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Freitag, 23. März 2012

spw 188




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Heft 188 (1/2012)
Februar 2012
71 S.






Leonhard Dobusch beschäftigt sich mit den Protesten gegen ein Abkommen um Rechte im Internetz namens ACTA. So erklärt er die Strategie von ProponentInnen solcher Abkommen: Was auf internationaler Ebene nicht durchgesetzt wird, kann bei der Übersetzung in nationales Recht wiederum lobbyiert werden. Einen Wendepunkt könnte die ACTA-Debatte nur darstellen, wenn „sich die ganze Regulierungsdebatte im Bereich von Urheber- und Patentrechten dreht“. Er plädiert für „kürzere Schutzfristen, engerer Regelungsbereich und Ausdehnung von Schranken zu Gunsten von Bildung, Forschung, Remix und neue Online-Nutzungspraktiken“.
Sehr interessant ist im Heft weiters die politische Einschätzung Georgiens als antidemokratisches neoliberales Labor.

Montag, 16. Januar 2012

spw 187




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Heft 187 (6/2011)
Dezember 2011
71 S.






„Mehr Demokratie wagen" − aber wie?“ fragt die spw.
Christian Krell mischt sein Rezept aus den Zutaten „Mehr Gleichheit, mehr Bildung, mehr Europa“. Thilo Scholle, Jan Schwarz und Sascha Vogt analysieren die Krise der repräsentativen Demokratie angesichts des Trends zu einer „individualistischen Linken“ und plädieren für eine „Wiederentdeckung des Politischen“, denn „viele individuelle Befindlichkeiten und Betroffenheiten ergeben immer noch nicht ein gesellschaftliches Ganzes.“ Gregor Kritidis hinterfragt die demokratiepolitischen Implikationen der gegenwärtigen Finanzkontrolle in Griechenland, die Regierung und Parlament die Entscheidungshoheit entzogen hat.
Außerhalb des Schwerpunkts ist Martin Ahrens' Artikel über eine mögliche Vorbildwirkung der offenen Vorwahlen in Frankreich für die SPD interessant.

Samstag, 3. Dezember 2011

spw 186




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Heft 186 (5/2011)
Oktober 2011
91 S.






Die Bewahrung, ja vielmehr eigentlich die Wiedererringung der Handlungsfähigkeit des Staates in der Finanzkrise steht im Zentrum der Ausgabe. Die Beiträge drehen sich um eine Neugestaltung des Steuersystems, den Sozialstaat als Wachstumsmotor und den Staat als wirtschaftspolitischen Akteur, kommunal, national und auf europäischer Ebene.
Dazu gibt es einen zweiten Schwerpunkt, der sich mit der Perspektive einer Erneuerung der SPD befaßt, was auch für die österreichische Rezeption einiges an interessantem Stoff bietet. Benjamin Mikfeld definiert vier „Spannungsverhältnisse“, die es „dialektisch aufzulösen“ gilt. Es wären dies die Fragen von „Pragmatismus und Utopie“, „Kapitalismuskritik und politischer Optimismus“, „konkrete Politik und größere Erzählungen“ und „Orientierung und Beteiligung“.

Donnerstag, 10. November 2011

spw 185




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Heft 185 (4/2011)
August 2011
71 S.






Die verschiedenen und unterschiedlichen linken Projekte in Lateinamerika sind Thema des Heftschwerpunkts. Am schwierigsten zu bewerten ist hier sicher Venezuela, wo es neben unbestreitbaren Fortschritten auch viel Schatten gibt. Benedikt Behrens bemüht sich um einen sympathisierend erklärenden Artikel. Stephan Reichert geht mit Bolivien und Ecuador stärker ins Gericht. Gemeinsam ist den drei Ländern eine kritisch zu sehende Personenzentrierung der Regierungsführung. Demgegenüber steht die demokratische Staffelübergabe in Brasilien, das ja ebenfalls ein präsidiales Regierungssystem hat. Yesko Quiroga und Simone Reperger schreiben über Brasiliens wirtschaftlichen und politischen Höhenflug. Tatsächlich ist Brasilien noch weit von einer sozialen Gesellschaft entfernt, die Fortschritte sind allerdings jedenfalls beeindruckend.
Sehr interessant ist weiters der Artikel von Ridvan Ciftci über die − nicht rosigen − Perspektiven linker Politik in der Türkei.

Freitag, 29. Juli 2011

spw 184




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Heft 184 (3/2011)
Juni 2011
71 S.






Verkehrspolitik, genauer Mobilitätspolitik, steht im Zentrum des Heftschwerpunkts. Dieser versucht, laut Einleitung, „Mobilität im Zusammenhang mit öffentlicher Aufgabenerfüllung und wirtschaftsdemokratischer Steuerung zu denken“. Es geht um die Automobilindustrie ebenso wie um die Eisenbahn sowie um die Konzeption einer sozialdemokratischen Moblitätspolitik.

Samstag, 11. Juni 2011

spw 183




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Heft 183 (2/2011)
April 2011
71 S.






Der Heftschwerpunkt zum Thema der Sicherheit der Pensionen bestärkt mich in meiner Ansicht, den brüchigen sogenannten privaten „Säulen“ nicht im mindesten zu trauen. Diese kapitalmarktorientierte Pensionsfinanzierung ist kein Modell der Finanzierung von Pensionen, sondern eines zur Umverteilung von öffentlichen Mitteln in den Aktienmarkt, ein Programm zur Förderung der Börsenspekulation. Ich habe kein Vertrauen darauf, daß im Alter der Finanzmarkt über einen längeren Zeitraum keine Krise erleben wird, um mir meine Pension aus Spekulationsgewinnen auszuzahlen. Die Geschichte lehrt, daß auf Jahre der Konjunktur immer Jahre der Krise folgen. Mein Vertrauen darauf, daß es im Alter einen Staat gibt, ist höher als darauf, daß die Börse über die Jahrzehnte (?) meiner Pension eine Konjunktur erlebt. So schlimm könnte sich die demographische Frage gar nicht entwickeln, daß sie diese Grundtatsache erschüttern könnte.
„Denn nur eine gesetzliche Rentenversicherung, die das Ziel hat, allein für ein auskömmliches Einkommen im Alter zu sorgen, minimiert Unsicherheit und Risiken für das Individuum. Denn auch bei guter Ausgestaltung sind betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge mit hohen Risiken für das Individuum behaftet. Denn der Zugang zu einer betrieblichen Altersvorsorge oder die Rendite in der privaten Altersvorsorge sind das Ergebnis allgemeiner Bedingungen am Arbeitsmarkt und der Gesamtwirtschaft, die das Individuum nicht beeinflussen kann.“ schreiben die Autorin und die Autoren der Einleitung. Der Schwerpunkt im Heft bilanziert ein Jahrzehnt Pensionsreformen in Deutschland, nach dem Einstieg in die börsenspekulativ gestützte Pensionsfinanzierung in der Zeit der neoliberalen Finanzmarkteuphorie durch Rot-Grün 2001.

Interessant ist in der Ausgabe weiters ein Artikel von Britta Lenz zur Frage von „Chance oder Zerfall?“ der israelischen Labour Party. Bereits die Fragestellung zeugt von gesundem Optimismus.

Freitag, 1. April 2011

spw 182



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Heft 182 (1/2011)
Februar 2011
70 S.






Der Politik und Ökonomie des Internets gilt der Schwerpunkt des Hefts − „Es kommt darauf an, was man aus dieser immer noch potentiell technologischen Anarchie ,Internet‘ formt.“ heißt es.
Weiters gibt es im Heft noch über direkte Demokratie zu lesen und einen kurzen Bericht über eine Tagung des Projekts Linksreformismus, mit den einleitenden Worten von Leonhard Dobusch über dieses parteiübergreifende linke Diskursprojekt in Deutschland.

Mittwoch, 23. Februar 2011

spw 181



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Heft 181 (6/2010)
Dezember 2010
71 S.







Im Schwerpunkt über Hochschulpolitik schreibt Andreas Keller, „Dreh- und Angelpunkt einer demokratischen und sozialen Hochschule muss eine befriedigende Antwort auf die Frage sein, wie wir die soziale Öffnung der Hochschulen erreichen können.“ Dies ist und bleibt der archimedische Punkt sozialdemokratischer Hochschulpolitik.

Andrea Lange-Vester plädiert in ihrem Artikel für eine „milieugerechte Pädagogik“. Eine solche müsse „der überwiegend eher praktischen Orientierung von BildungsaufsteigerInnen entgegenkommen, ohne ihnen Bildungsmotive und intellektuelle Fähigkeiten abzusprechen.“

Über „Bedingungen und Möglichkeiten kritischer Wissenschaft“, nicht zuletzt vor dem Hintergrund seiner Wiener Erfahrungen, reflektiert Ulrich Brand.

Freitag, 26. November 2010

spw 180



spw
Heft 180 (5/2010)
Oktober 2010
67 S.







„Der Partei, die das Land in Minderheitenregierungen über Jahrzehnte regiert hat, fällt es sichtlich schwer, mit dem Machtverlust so umzugehen, dass daraus positive Energie und neue Antworten und − ja, auch − eine unterscheidbare Gesellschaftsvorstellung entstehen würden.“ schreibt Christian Kellermann in einem interessanten Artikel über die schwedische Sozialdemokratie nach der zweiten Wahlniederlage, vor weiteren vier Jahren in der Opposition. Kommt bekannt vor. „Die eigene Sprachlosigkeit überwinden muss der erste Schritt zur Rückgewinnung von ,Tolkningsföreträde‘ sein − das heißt Deutungshoheit auf Schwedisch.“ schreibt Kellermann.

Der Schwerpunkt des Hefts widmet sich dem Thema Wirtschaftdemokratie, das in linken Debatte seit der Finanzkrise Aufschwung erlebt. Zum Verhältnis von Demokratie und Wirtschaft gibt es Konzeptives, aber auch Konkretes wie zur Wiederaufnahme der Diskussion um eine Wirtschaftsregierung in der EU oder zur Unternehmensform der Genossenschaft.

Donnerstag, 30. September 2010

spw 179



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Heft 179 (4/2010)
August 2010
67 S.







In den gesundheitspolitischen Diskussionen sieht Felix Welti stets „ähnliche Grundmuster“, nämlich einen Verteilungskonflikt: „Es geht um Kostenverteilung zwischen Versicherten und Arbeitgebern und um Kostendämpfung zwischen Versicherten und Leistungserbringern.“ Der Heftschwerpunkt zur Gesundheitspolitik bringt verschiedene linke Politikansätze und informiert über Kritik an unsolidarischen Finanzierungskonzeptionen.
Dazu bilanziert Leonhard Hajen die politisch heiß umkämpfte Gesundheitsreform in den USA. „Die USA haben nach Antworten auf Fragen gesucht, die sich bei uns so nicht stellen. Nicht mehr, oder noch nicht, das ist eher unser Problem.“ resumiert er.

Montag, 12. Juli 2010

spw 178



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Heft 178 (3/2010)
Juni 2010
63 S.







Der Themenschwerpunkt über "Bedeutung von Autonomie, Anerkennung und Sicherheit durch Arbeit" bringt Artikel zur soziologischen Analyse wachsender Unsicherheit am Arbeitsplatz oder der Entstehung psychischer Krankheiten ebendort.

Die "wechselvolle Karriere" der Theorie der Entfremdung beschreibt Christina Ujama in einem kurzen historischen Abriß des Aufs und Abs dieses zentralen Konzepts des Marxismus. "Die Themen Entfremdung und Arbeit haben an gesellschaftlicher Relevanz verloren und das ist ein Problem für die Linke, die dadurch ihr politisches Gravitationszentrum verloren hat. Noch mehr ist es aber ein Problem der Arbeitenden, deren Interesse nicht mehr vertreten werden." meint sie abschließend und fordert eine "linke Neuformulierung des Entfremdungstheorems, die Arbeit, Kultur und Leben zusammendenkt".

Dienstag, 22. Juni 2010

spw 177



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Heft 177 (2/2010)
April 2010
63 S.







Aus der Krise kann man sich nicht herausschrumpfen, sondern nur herauswachsen.
Der Heftschwerpunkt widmet sich der Diskussion des Wirtschaftswachstums und hier der Frage "Was soll eigentlich wachsen?". Denn, wie Simon Sturn und Till van Treeck in ihrem Plädoyer für gleiche Verteilung und ökologische Orientierung feststellen, kann Wirtschaftswachstum "ein besseres Leben ermöglichen, es zugleich aber auch verhindern".
Das hier gebotene Meinungsspektrum reicht von der Position von Tanja von Egan-Krieger und Barbara Muraca, daß weiteres "Wachstum in den Industrieländern weder erreichbar noch wünschenswert ist" bis zur nicht falschen Stellungnahme des deutschen Gewerkschafters Wolfgang Rhode, Aussagen über befriedigte oder falsche Bedürfnisse der Bevölkerung "spiegeln häufig nur das Lebensgefühl bestimmter Milieus wider, haben aber mit der Lebenswirklichkeit vieler Menschen wenig gemein. Einer Verkäuferin, oder einem Ein-Euro-Jobber die Leitlinie vom Verzicht als Gewinn vermitteln zu wollen, läuft ins Leere; sie/er verzichtet schon an allen Ecken und Enden." Er plädiert für ein "Wachstum zu Gunsten von Arbeit und Umwelt". Da bin ich näher bei der Lebensrealität als beim philosophischen Zugang.

Christina Ujma würdigt in einem Artikel zu deren 50. Geburtstag die englische Zeitschrift New Left Review. Sie streicht vor allem deren "intellektuelle Rigorosität" hervor. Dem kann ich mich nur anschließend, auch wenn ich selbst die Lektüre 2003 aufgegeben hab, nach nur zweijährigem Abonnement. Aus damaligen finanziellen Erwägungen und aufgrund des bei mir schon immer überbordenden Zeitschriftenberges, denn inhaltlich waren die Artikel immer sehr gut.

Dienstag, 6. April 2010

spw 176



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Heft 176 (1/2010)
Februar 2010
63 S.






Die Ausgabe beinhaltet in ihrem Schwerpunkt Artikel und Positionen zur deutschen Beteiligung am Afghanistankrieg. Dabei gibt es einige interessante Aspekte, wenn etwa der SPD-Abgeordnete Wolfgang Gunkel über ein "Durcheinander der Begrifflichkeiten" rund um die Ausbildung von Sicherheitskräften sagt: "Man sollte aufhören, von 'Polizeiausbildung' zu sprechen, wenn eigentlich von einer Schnellschulung paramilitärischer Einheiten die Rede ist."

Montag, 11. Januar 2010

spw 175



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Heft 175 (7/2009)
Dezember 2009
63 S.







Über einen Aufwind und eine "sozialdemokratische Neuorientierung der Demokratischen Partei" in Italien schreibt Christina Ujma. Spannend die Brüche zwischen traditioneller Arbeiterbewegungslinker und zivilgesellschaftlicher Linker, die beide getrennt und unterschiedlich Massenproteste gegen die Berlusconi-Regierung veranstalten. Das politische Heft haltet trotzdem die Rechte in der Hand. Hart gesagt: Hunderttausende auf die Straße gebracht hat die italienische Linke im letzten Jahrzehnt oft genug − trotzdem verliert sie bei Wahlen.

Sonst gibt es im Heft viel zu Umwelt, Klima und so Zeugs. Informativ dabei ein Artikel über Hintergründe der Klimapolitik Brasiliens.

Freitag, 20. November 2009

spw 174



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Heft 174 (6/2009)
November 2009
59 S.







Das Heft widmet sich v.a. politischen Schlußfolgerungen der Bundestagswahlen in Deutschland vom September, welche die SPD mit Bomben und Granaten verlor. Nach einem Verlust von 5 Prozentpunkten 2005 noch einmal ein Verlust von 11 Prozentpunkten.

Spannend die empirisch gestützte Analyse von Daniel Gardemin und Heiko Geiling. Sie unterstreichen, daß es sich hier nicht um ein singuläres Eregnis gehandelt habe, nach dem man nichts aufzuarbeiten habe: "Wahldebakel dieser Größenordnung verzeichnet die SPD auf Landesebene schon seit 2003." Anhand der absoluten Stimmenanteile seit 1994 verweisen sie darauf, da die "Lager" CDU/FDP und SPD/Linke/Grüne mit einer Schwankungsbreite unter 10 Prozentpunkten ziemlich stabil sind. Die SPD manövrierte sich nach 1998 in eine "doppelte Konkurrenzsituation", in der sie sich um eine "neue Mitte" bemühte und nach links dabei Teile ihrer bisherige Basis verlor: "Der SPD kamen die von der rechten Mitte neu gewonnenen 1,8 Millionen Wählerstimmen doppelt wieder abhanden (minus 3,7 Millionen Wählerstimmen zu CDU und FDP). Entscheidende 1,8 Millionen Stimmen aus der Kernwählerschaft der linken Mitte wanderten zur Linkspartei ab. Die Grünen, die bereits nahzu vollständig ihre Stimmen über die letzten 30 Jahre aus der SPD erhielten, konnten zwischen 1998 und 2009 nochmals 1,5 Millionen Wählerstimmen aus der arrivierten SPD-Klientel abwerben. Im Wartestand sind zudem noch die 2,8 Millionen ins Nichtwählerlager abgewanderten Sozialdemokraten".

Die vor einem Jahrzehnt unter der Chiffre von den "Modernisierern" verfolgte Strategie, die Sozialdemokratie im neoliberalen Mainstream zu verankern, welcher die gewandelte Gesellschaftsstruktur repräsentiere, hatte das Kalkül, "dass man mit dieser Politik die neue entstanden (sic) neuen Mittelschichten einbeziehen könnte und die alten Anhänger - aus Mangel an Alternativen - nicht verlieren würde" schreiben dazu Felix Butzlaff und Oliver Nachtwey in ihrem Deutschland mit Frankreich und Großbritannien vergleichenden Artikel. Diese Rechnung ging nicht auf. Die sozialdemokratischen StammwählerInnen, die nicht die Partei wechseln, gehen einfach nicht zur Wahl.

Benjamin Mikfeld sieht die sozialdemokratische Perspektive in einem Programm sozialer und demokratischer Bürgerinnen- und Bürgerrechte als Antwort auf eine "neue demokratische Frage". Die ist für Mikfeld "die drohende Abkehr an beiden Enden der Gesellschaft: Die Depolitisierung der Enttäuschten und Prekären und die Gemeinwohlabkehr der Privilegierten", die sich milieuspezifisch in zwei Gesichtern zeige, "der distinktiven Bioladen-Gentrifizierung der urbanen Linksliberalen sowie in der Entfesselung der Nettomaximierungs-Leidenschaft der Leistungsindividualisten".

Dienstag, 13. Oktober 2009

spw 173



spw
Heft 173 (5/2009)
September 2009
59 S.







Wieder einmal interessant die Zusammenfassung politischer Handlungsoptionen wie hier in der Arbeitsmarktpolitik. Claudia Bogedan und Alexander Herzog-Stein beschreiben "eine intelligente Kombination von Maßnahmen, die soziale Sicherheit gewähren, Arbeitsförderung wirtschafts- und strukturpolitisch flankieren und eine abschluss- und aufstiegsorientierte Qualifizierung ins Zentrum stellen." Forderungen nach Stärkung der Sozialversicherung, Flexibilisierung von Arbeitszeiten - im Sinne einer "Abkehr von der Arbeitgeberflexibilität hin zu einer Arbeitnehmerflexibilität" - und Ausbau von Weiterbildungsbemühungen seien zwar nicht neu, wie sie schreiben, allerdings treten die Probleme in der Wirtschaftskrise deutlicher zutage, wenn z.B. niedrige Löhne dazu führen, dass in der Kurzarbeit das Einkommen unter das Existenzminimum rutscht.

Donnerstag, 17. September 2009

spw 172



spw
Heft 172 (4/2009)
Juli 2009
59 S.







Zum Denken regt ein Punkt aus dem Einleitungsartikel von Asiye Öztürk und Thilo Scholle zum Heftschwerpunkt über "blinde Flecken" in der Diskussion um Integration und Diskriminierung an.
"Während Betrachtungen der Sozialstruktur in der Bundesrepublik stets von unterschiedlichen Schichten und Milieus ausgehen, scheint es mit Blick auf die MigrantInnen in der öffentlichen Wahrnehmung stets nur eine einheitliche Gruppe 'der' Zuwanderer zu geben." schreiben sie. Gesellschaftliche Interessenkonflikte und politische Ziele verschwimmen so vor einem "unreflektierten 'Wir' – verbunden durch die ethnische Herkunft sowie bestimmte, angeblich 'von Allen geteilte Werte', und ein 'die Anderen'." So können dann etwa Feministinnen Seite an Seite mit den konservativsten Konservativen "für die Rechte 'der' muslimischen Frau streiten, ohne dass jemandem auffällt, dass die Vorstellungen dieser beiden Gruppen in Sachen Rolle der Frau mindestens so unterschiedlich sein können, wie zwischen Frauen, die sich dem muslimischen Glauben zurechnen."

Das Dilemma aller Integrationspolitik ist, daß im verbreiteten Alltagsverständnis "Integration" die Abschaffung jeglicher Differenz bedeutet, gleich Assimilation ist. Der rechte, xenophobe Diskurs hat hier eine Hegemonie, die bombenfest eingebunkert ist. Alle linken Bemühungen scheitern an der "wir" vs. "die anderen"-Schranke. So sehr auch in anderen politischen Diskussionen eine Differenzierung nach gesellschaftlicher Hierarchie, "wir da unten" vs. "die da oben", Armen und Reichen, Land und Stadt, Konservativen und Progressiven etc. möglich ist und praktiziert wird, hier gibt es nur "wir Einheimischen" und "die Ausländer". Ich bin da hinsichtlich eines Aufbrechens eher fatalistisch gestimmt.

Dienstag, 14. Juli 2009

spw 171



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Heft 171 (3/2009)
Mai 2009
59 S.







Beruflicher Weiterbildung ist der Schwerpunkt des Hefts gewidmet. Wichtig der Hinweis, bei der Verfolgung des Ziels der Erhöhung der Aus- und Weiterbildungsbeteiligung (dazu gibts einiges zu lesen) sich nicht nur um die Nachfrage, sondern auch um die Regulierung des Angebots zu kümmern und die Lage der Beschäftigten im Weiterbildungssektor nicht zu vernachlässigen. Laut spw sind 1.200 € brutto monatlich für vollzeitbeschäftigte PädagogInnen in Deutschland keine Seltenheit.

Mittwoch, 10. Juni 2009

spw 170



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Heft 170 (2/2009)
April 2009
59 S.







Da liegt das Heft schon seit einiger Zeit wie so viele ungelesen am Zeitschriftenstapel. Als ich es dann in die Hand nehm', stell' ich fest, daß es ein Fehler war, nicht gleich hineingeschaut zu haben: Da ist ein Interview mit dem Schorsch drin! In der Reihe "5 Fragen an...", einer Art "Was wurde eigentlich aus...". Er erzählt von Antifaschismus als Grundlegung seines politischen Engagements, Bildungspolitik, der Organisationskultur der SPÖ im Vergleich zur SPD - und natürlich auch über öffentliche Wirtschaftspolitik am Beispiel des WWFF. Seine weiteren politischen Ziele? "Aim high: Die Renaissance der europäischen Sozialdemokratie in einem geeinten europäischen Bundesstaat. Im Kleinen: Die Verteidigung der absoluten Mehrheit im roten Wien. Verbunden damit: Eine kommunale Investitionsbank in öffentlicher Hand."

Schwerpunkt des Hefts sind Möglichkeiten und Chancen, mit Programmatik und politischen Antworten die der Wirtschaftskrise folgenden Krise des Neoliberalismus zur Schaffung einer linken Hegemonie zu nutzen. Sehr interessant weiters Raimund Felds Artikel über die problematische Lage der französischen Sozialdemokratie sowie der anderen Linksparteien - unter dem wenig hoffnungsvollen, aber wohl zutreffenden Titel "Sarkozy und kein Ende?".

Donnerstag, 19. März 2009

spw 169



spw
Heft 169 (1/2009)
Februar 2009
63 S.







Das Heft beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Perspektiven der Überwindung der Wirtschaftskrise. Kai Burmeister und Till von Treeck schreiben etwa:
"Es spricht zwar einiges dafür, dass mit der aktuellen Finanzkrise die Hochphase der Deregulierung auf der ökonomischen Ebene ihr Ende gefunden hat. Doch im Alltagsverstand der verschiedenen Milieus ist noch längst nicht darüber entschieden worden, wer diese Krise zu verantworten hat und wie eine kooperative und solidarische Auflösung erfolgen kann." Politische Lösungsmöglichkeiten sind immer Gegenstand von Auseinandersetzungen. Ob die Frage der "Schuldzuweisung" als Basis einer Schlußfolgerung ansatzweise konsensual beantwortet werden wird, wage ich auch immer noch zu bezweifeln. Krisen sind nicht nur eine Schwäche des Kapitalismus, sondern eben auch seine wesentliche Kraftquelle. Das - gewiß in einer anderen Liga spielende - Platzen der "New Economy"-Blase hatte dem Neoliberalismus auch nicht geschadet.
Weiter Burmeister/Treeck: "Diese allgemeine Verunsicherung spiegelt sich im politischen Mitte-Links-Lager nicht zuletzt in der weitgehenden Abwesenheit von gesamtwirtschaftlichem, keynesianischem Denken wider. So hat sich ein Teil dieses Lagers lange Zeit kritiklos auf die Seite der Deregulierungspolitik geschlagen, während ein andere Teil in wenig konstruktiver Weise die Wirtschaft an sich bekämpfen wollte. Auf beiden Seiten dieser Achse ist dann die Fähigkeit verloren gegangen, eine klare Vorstellung von den gesamtwirtschaftlichen Zielvorstellungen für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre zu formulieren."

In diesem Sinne gibt es hier einiges zur Analyse der Finanzkrise und Ansätze für eine linke Wirtschaftspolitik.
Alles sehr spannend, wenngleich es mir mittlerweile fast schon zu viel wird. Ist es ein Alarmzeichen, wenn dann Texte über Leiharbeit und Pensionspolitik fast schon erholende Lektüre sind? Natürlich wird jetzt überall viel über Ökonomie geschrieben, ist ja wichtig und auch meist sehr interessant. Und natürlich müßte ich nicht alles lesen. Oder weniger. Aber das kann ich halt nicht, Gewohnheitstier, das ich bin. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt - gelesen wird, was abonniert ist.