Mittwoch, 27. Mai 2026
Žirovnice
27.5.2026
In der tschechischen Stadt Žirovnice (deutsch früher Serownitz) habe ich ein Fußballspiel besucht. 3.200 Menschen leben hier.
Die Burg wurde im Jahr 1345 erstmals schriftlich erwähnt und die hier daneben entstandene Siedlung im Jahr 1385. Verschiedene Adelige herrschten hier im Lauf der Jahrhunderte über die hier lebenden Menschen und ließen sich auf ihre Kosten die Festung militärisch und die Adelsresidenz luxuriös ausbauen.
Die Stadt liegt im Südosten Böhmens im Kraj Vysočina. Mit der Herstellung von Knöpfen aus Perlmutt in Handarbeit wurde hier 1863 begonnen und schon 1910 arbeiteten 600 Menschen daran. In den 1940er Jahren waren es fast hundert Einzelbetriebe, die in der kommunistischen Tschechoslowakei nach 1948 verstaatlicht und zu einem Betrieb zusammengefasst wurden, der heute noch produziert.
Sonntag, 24. Mai 2026
Viareggio
24.5.2026
In der Stadt Viareggio in der italienischen Toskana habe ich ein Fußballspiel besucht. 61.000 Menschen leben hier.
Der Bahnhof. Am 29. Juni 2009 entgleiste hier aufgrund eines Schadens an einem Rad ein Güterzug, der Waggons mit flüssigem Butan-Gas führte. Das Flüssiggas strömte über den Bahnhof und das umliegende Wohnviertel aus, entzündete sich und explodierte. 32 Menschen wurden dabei getötet. Rund tausend Menschen mussten aus ihren Wohnungen evakuiert werden.
1534 bis 1542 errichtete Verteidigungsanlage Torre Matilde zur militärischen Sicherung des Hafens. 1172 ließen die Stadtrepubliken Lucca und Genua hier eine Festung errichten, um die Gegend militärisch gegen Pisa zu verteidigen. Benannt wurde sie lateinisch Castrum de Via Regia nach der an der Küste entlang führenden Königsstraße. Es entwickelte sich dazu auch eine Siedlung und Lucca förderte die Ansiedlung, um die Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen, da der an der Festung ins Meer mündende Canale Burlamacca ab 1441 die einige Wasserweg-Verbindung Luccas zum offenen Meer war. Allerdings erstreckten sich ringsum weitläufige Sümpfe, wodurch die hier lebenden Menschen von der Seuche Malaria geplagt wurden und das Leben hier recht unattraktiv war. Im 18.Jh. erfolgten groß angelegte Arbeiten zur Austrocknung der Sumpflandschaften, die 1741 abgeschlossen waren. Die Malaria-Plage ging zurück. 1820 erhielt das wachsende Viareggio das Stadtrecht und entwickelte sich im 19.Jh. zu einem touristischen Badeort am Meer.
Von 2. bis 5. Mai 1920 ging der Volksaufstand der Giornate rosse di Viareggio in die Geschichte in. Die Armut bei politischer Rechtlosigkeit und sozialer Erschütterungen des Landes der blutigen Jahre des Ersten Weltkriegs prägten zahlreiche soziale und politische Konflikte in Italien nach 1919. Als in Viareggio in der Ansaldo-Werft ein Streik zur Besetzung der Werft führte, wurde die ganze Stadt eine Woche lang von der Armee besetzt, Maschinengewehrstellungen aufgebaut und Leute von den Soldaten verhaftet. Am 2. Mai 1920 eskalierte die Situation noch mehr anlässlich des Fußballspiels von Viareggio gegen Lucchese. Aufgrund hitziger Stimmung nach als ungerecht gesehenen Schiedsrichterentscheidungen kam es zu einem Tumult, in dessen Verlauf ein Carabiniere zu seinem Gewehr griff und schoss. Er tötete den Vereins-Linienrichter von Viareggio Augusto Morganti mit einem Schuss ins Gesicht. Die Carabinieri flüchteten in ihre Kaserne, wo sie sich verschanzten und von einer aufgebrachten Menge belagert wurden. Die Leute hatten sich u.a. aus der Plünderung einer Armeekaserne mit Schusswaffen versorgt. Die Aufständischen besetzten die ganze Stadt und übernahmen die Kontrolle über die öffentlichen Gebäude. Trotz laufender Verhandlungen rückten Armeeinheiten an, die am 3. Mai in einem Hinterhalt von den Aufständischen überrascht und geschlagen wurden. In einer größer angelgten Militäroperation wurde Viareggio schließlich am 5. Mai 1920 von der Armee erneut besetzt. Diesmal für drei Monate. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, Häuser durchsucht und über hundert Menschen verhaftet. Im Jahr 2020 benannte die Stadt in Erinnerung an die Ereignisse den Platz danach.
Straßenszenen. Zur Unterdrückung der revolutionären Bewegungen in der Stadt wurden faschistische Gruppen gegründet, die gewaltsam gegen Linke und linke Institutionen in der Stadt vorgingen. In einer Straßenschlacht am 16. Mai 1921 brachten die Faschisten hier auf der damaligen Piazza Grande (heute Piazza Nieri e Paolini) die beiden Linken Pietro Nieri und Enrico Paolini um.
Die Stadt liegt zwischen den Bergen der Apuanischen Alpen (Alpi Apuane) und dem Mittelmeer bzw. dessen Teil Ligurisches Meer (Mar Ligure).
Donnerstag, 21. Mai 2026
Windhaag bei Perg
21.5.2026
In Windhaag bei Perg im oberösterreichischen Mühlviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. 1.500 Menschen leben in der als elf Ortschaften bestehenden Gemeinde Windhaag, wobei es im Hauptort Windhaag bei Perg selbst rund 680 sind.
Die Burg wurde erstmals im Jahr 1287 schriftlich erwähnt. Sie diente verschiedenen Adeligen als Residenz und zur Herrschaft über die im Umland lebende Bevölkerung. Da der damalige adelige Herrscher verschuldet war, kaufte 1636 der Rechtsgelehrte Joachim Enzmillner die Burg und ließ sich daneben ein großes Renaissanceschloss samt Schlosspark erbauen, das 1648 fertiggestellt war und bis 1673 im Inneren luxuriös ausgebaut wurde. Aber kurz danach, nach dem Tod des Bauherrn 1678, ließ die Tochter als Erbin das teuer érbaute Schloss gleich wieder abreißen und das Baumaterial zum Bau eines neuen Kloster am gegenüberliegenden Hügel verwenden. Die alte Burg blieb vom Abriss verschont, da sie Verwaltungssitz des Pflegers der Herrschaft war und Sitz des Landgerichts war. 1734 stürzte aber ein Teil der Mauern ein und es wohnten hier im Rest noch arme Leute bis das Gemäuer bald endgültig zur Ruine zerfiel. 1990 kaufte die Gemeinde Windhaag die Ruine vom Domkapitel Linz, das die Liegenschaften 1765 vom verschuldeten Kloster übernommen hatte.
Das ehemalige Kloster wurde 1681 bis 1689 errichtet. An das Schloss gegenüber erinnert noch das von dort übernommene Portal als Torbogen in der Klostermauer. Nach der Übernahme durch das Linzer Domkapitel nutzten die Domherren es bis Ende des 19. Jh. als Schlossresidenz. Im 20. Jh. war hier ein Kinderheim, seit 1973 ist hier Privatbesitz. Die ehemalige Klosterkirche ist nun seit 1782 Pfarrkirche.
Freitag, 15. Mai 2026
Wöllersdorf
15.5.2026
In Wöllersdorf im niederösterreichischen Industrieviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. Seit 1972 bildet Wöllersdorf mit dem benachbarten Steinabrückl eine gemeinsame Gemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl. 5.000 Menschen leben in der Gemeinde, davon 2.900 in Wöllersdorf.
Zur Durchsetzung seiner Diktatur ließ das austrofaschistische Regime in leerstehenden Hallen der Wöllersdorfer Werke 1933 ein sogenanntes Anhaltelager errichten, in dem es ohne rechtsstaatliche Grundlage und Gerichtsprozesse politische Gegnerinnen und Gegner der Diktatur einsperrte. Nach dem Aufstand des sozialdemokratischen Schutzbunds gegen die Zerstörung der Demokratie im Februar 1934 sperrten die Austrofaschisten hier hunderte Sozialdemokraten ein. Dazu kamen die mit Bombenanschlägen und Terrorismus agierenden Nazis sowie Kommunisten. Zum 1. Mai 1934 befanden sich 831 politische Gefangene im Lager, 508 Sozialdemokraten und Kommunisten sowie 323 Nazis. Nach der Niederschlagung des gescheiterten Juliputschs der Nazis im Juli 1934 waren hier im Oktober 1934 knapp 5.000 Personen eingesperrt, davon 4.256 Nazis und 538 Sozialdemokraten und Kommunisten. Während der Austrofaschismus später ein Auskommen mit den Nazis zu finden suchten, blieben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokarten sowie Kommunistinnen und Kommunisten aufgrund Gegnerschaft zum Faschismus der Hauptfeind. Mit der KZ-Mordmaschinerie der Nazis waren das Wöllersdorfer Lager und das Lager im burgenländischen Kaisersteinbruch nicht zu vergleichen, dennoch war der Freiheitsentzug ohne zeitliche Begrenzung oder rechtliche Begründung mit Möglichkeit dagegen etwas zu unternehmen, für die Betroffenen ein harter Einschnitt. Das Denkmal aus dem Jahr 1974 erinnert hier explizit an die für ihr Engagement für Demokratie und Freiheit Eingesperrten. Dazu zählen nicht die damals mit Terroranschlägen und Morden für ihre Machtergreifung zur Umsetzung millionenfachen Massenmordens kämpfenden Nazis.
Die Wöllersdorfer Werke, historisch einst als Raketendörfl oder Feuerwerksanstalt bezeichnet, waren hier im Bereich von Wiener Neustadt, Bad Fischau und Wöllersdorf Standort eines großen Munitionsfabrikenkomplexes für das Töten in der Kriegsmaschinerie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Im Ersten Weltkrieg umfasste allein das Wöllersdorfer Werk fast 3 km², auf welchen 635 Gebäude standen. Zu Kriegsbeginn 1914 arbeiteten hier 5.000 Menschen, zum Kriegsende 1918 waren es über 40.000. Es galt eine 70-Stunden-Arbeitswoche und die Beschäftigten waren wie in allen Betrieben der Kriegsproduktion der militärischen Disziplin unterworden, was drakonische Strafen des Militärs bei Verfehlungen bedeutete. Mit Fortdauer des Krieges mussten hier immer mehr Frauen arbeiten. Das zeigte sich leider auch am 18. September 1918, als ein Großbrand in einer Werkshalle 423 Menschen tötete und es zum Großteil Frauen und junge Mädchen waren.
Wöllersdorf
Die Ruine des Höhlturm ist der Rest einer einst bewohnten Wehranlage zur Verteidigung in Kriegen aus dem 15.Jh. Seinen Namen hat der Turm von einer dahinter befindlichen Natursteinhöhle. Der Turm ist am Gemeindewappe von Wöllersdorf-Steinabrückl abgebildet.
Samstag, 9. Mai 2026
Bad Ischl
9.5.2026
In Bad Ischl im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts habe ich ein Fußballspiel besucht. 14.000 Menschen leben in der aus 20 Ortschaften bestehenden Stadtgemeinde, wobei es im Ort Bad Ischl selbst 1.800 sind.
Bad Ischl heißt erst seit 1906 so. Bis dahin hieß die Gemeinde nur Ischl. Um die Eigenschaft als Kurort zu unterstreichen, fügte man Bad hinzu. Nach Jahrhunderten, in denen die Salzproduktion Arbeit und Wirtschaft bestimmt hatten, kam in den 1820er Jahren mit der Nutzung von Solebädern als Heilbädern der Kurbetrieb hinzu. Die Eisenbahn als taugliches Transportmittel war dafür die Grundlage.
Plätze sind nach Frauen benannt, die im Widerstand gegen die Verbrechen der Nazis waren und/oder ihre Opfer wurden.
Die Kaiservilla. Ursprünglich war hier eine Biedermeier-Villa, die sich 1834 ein Wiener Notar namens Josef August Eltz bauen ließ. 1850 kaufte sie der Arzt Eduard Mastalier und schließlich kaufte sie die Habsburger Erzherzogin Sophie und nach der Verlobung ihres Sohns Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth in Bayern im Jahr 1853 im damaligen Seeauerhaus und schenkte es ihnen zu ihrer Hochzeit. Danach wurde das Gebäude bis 1860 repräsentativ ausgebaut. Freizeitgestaltung war das massenhafte Jagen von Wildtieren. Angst und Schrecken in den Augen der gehetzten Tiere sind ein Gestaltungselement der Fassade. Am 28. Juli 1914 unterzeichnete Franz Joseph in seinem Arbeitszimmer im Westflügel des Hauses die Kriegserklärung an Serbien und das dazugehörige bekannte Manifest An Meine Völker! zum Kriegsbeginn, was den Ersten Weltkrieg zur Folge hatte, Millionen Menschen den Tod und das Ende der Monarchie brachte. Da die Habsburger die Anlage in ihrer Regierungszeit als Privatbesitz und nicht Staatseigentum führten und die hier Residierenden im Unterschied zum damaligen Ex-Kaiser die Republik anerkannten und auf Herrschaftsansprüche verzichteten, konnten sie diese 1918 behalten und sie gehört ihnen immer noch.
Straßenszenen
Die Trinkhalle wurde von 1829 bis 1831 im klassizistischen Stil als Solebadeanstalt erbaut. Neben verschiedenen Bädern wurden hier Trinkkuren mit Molke verabreicht.
Straßenszenen
Das 1875 eröffnete Kurhaus, heute „Kongress & TheaterHaus Bad Ischl“
Nachdem schon seine Eltern hier gewesen war, nutzte Kaiser Franz Joseph Ischl von 1849 bis 1914 als kaiserliche Sommerresidenz. Das machte den Ort in jenen Sommermonaten jahrzehntelang zum Zentrum der Monarchie, da zahlreiche Adelige und reiche Leute auch hierher kamen, um dem Hof nahe zu sein. Um der faktenwidrigen Nostalgie zum Leben unter der Habsburgermonarchie entgegenzuwirken, gibt es hier eine seht gut gemachte öffentliche Ausstellung.
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