Mittwoch, 24. Juni 2026

Ortenburg

24.6.2026

Im deutschen Ortenburg im Landkreis Passau in Bayern habe ich ein Fußballspiel besucht. 7.400 Menschen leben in dem aus 112 Gemeindeteilen (Ortschaften) bestehenden Markt Ortenburg.

Um das Jahr 1120 ließen sich die Grafen von Ortenburg hier eine Burg errichten, die zum militärisch gesicherten Zentrum ihres Herrschaftsbereichs wurde. Bereits 1192 brannte ein Heer des Herzogs Leopold von Österreich die Burg aber nieder. Die zerstörte Residenz ließen sich die Grafen wiederaufbauen. Im Landshuter Erbfolgekrieg im die Herrschaft im bayrischen Teilherzogtum Landhut griff ein Heer die Burg 1504 erneut an und zerstörte sie. In den 1560er Jahren wurde danach die heutige Burg neu errichtet. Bis 1805 bestand die Grafschaft Ortenburg als eigener Staat. In Zeiten ihrer größten Ausdehnung im Hochmittelalter umfasste die Grafschaft verstreute Gebiete in Altbayern, der Oberpfalz, Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol. Am Ende war es nur mehr der engere Umkreis von Ortenburg selbst. 1805 übergab der schwer verschuldete Reichsgraf Joseph Carl Ortenburg an den bayrischen Herzog, der ihm dafür den Besitz des zuvor einverleibten Klosteramts Tambach übergab. Aus der unabhängigen Grafschaft Ortenburg wurde eine Gemeinde in Bayern.


Straßenszenen. 1563 führte Graf Joachim, gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, wonach die Landesherrn die Religion der ihnen untertanen Bevölkerung bestimmten, in Ortenburg die evangelische Religion. Ortenburg wurde damit zu einer evangelischen Enklave im katholischen Umland. 1626, während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1848, siedelte Graf Friedrich Casimir evangelische Glaubensflüchtlinge aus dem katholischen Österreich rund um Ortenburg an, woraus die Ortsteile Vorder- und Hinterhainberg entstanden. Ortenburg war in der Zeit der Unterdrückung und Verfolgung der evangelischen Religion in Österreich eine der Zwischenstationen des umfangreichen Schmuggels von zehntausenden evangelischen Bibeln in die Habsburgermonarchie.

Samstag, 20. Juni 2026

Scheibbs

20.6.2026

Im niederösterreichischen Scheibbs habe ich ein Fußballspiel besucht. 4.200 Menschen leben hier.

1877 wurde die Erlauftal-Eisenbahn fertiggestellt, die Sommerfrische-Suchende reiche Leute aus Wien ins Erlauftal brachte und Scheibbs für Tourismus erschloss.


Blick auf die Stadt vom Ufer des Flusses Erlauf


Scheibbs ist Bezirkshauptstadt des Bezirks Scheibbs in den niederösterreichischen Eisenwurzen, in der über Jahrhunderte bis zur Industrialisierung im 19.Jh. in kleine Betrieben Eisen produziert wurde.


Rechts die große Klosterkirche St. Barbara, welche 1678 bis 1684 mit dazugehörigem Kloster die über Scheibbs herrschenden Gaminger Kartäusern errichten ließen. Links das Schloss Scheibbs. Es geht auf eine mittelalterliche Burg und Kirche zurück und wurde später zum Schloss umgebaut. Nachdem 1138 herzog Albrecht II. Scheibbs dem Kloster Gaming geschenkt hatte, hatte dieses hier ihren Verwaltungssitz für ihre Herrschaft über die Bevölkerung. 1595 belagerten die gegen ihre Unterdrückung und Ausbeutung aufständischen Bauern den in der Burg verschanzten Prior des Klosters mit seinen Truppen, dieser konnte aber fliehen. Die Rache der Militärstrafexpedition war blutig und hart. Der Müller und der Kastner ließ die Herrschaft auf dem Marktplatz köpfen und dem Marktrichter (welche von 1428 bis 1848 Scheibbs regierten) die rechte Hand abschlagen, mit der er dem Kloster als Grundherrn die Treue geschworen hatte, bevor er gehenkt wurde.


Das ehemalige Haus der Marktrichter, heute das Rathaus.


Straßenszene


Scheibbs wurde im Jahr 1160 erstmals schriftlich erwähnt. Schon in der Antike hatte es hier aber eine keltische oder römische Wehranlage und Siedlung gegeben. Nachdem 1352 durch Herzog Albrecht II. im zweiten Gaminger Stiftsbrief der Bau einer militärischen Befestigung angeordnet worden war, begann man mit dem Bau einer vierseitigen Ringmauer um Scheibbs unter Einbeziehung der Burganlage. In späteren Jahrhunderten wurde die Stadtmauer ausgebaut und bis ins 18.Jh. für die jeweilige Kriegstechnik modernisiert.


Straßenszenen

Sonntag, 14. Juni 2026

Avola

14.6.2026

In Avola (Àvula auf sizilianisch) auf Sizilien habe ich ein Fußballspiel besucht. 30.000 Menschen leben hier.

Die Villa Di Chiusa Di Carlo vor der Stadteinfahrt. Errichtet als adeliger Sommerpalast in ausgedehnten Landgütern, in denen die Bevölkerung für das Luxusleben der Adeligen zu arbeiten hatte, ist es heute ein Lost Place. Am 2. Dezember 1968 errichteten Streikende im Rahmen einer Protestwelle aufgrund Forderungen der Landarbeiterinnen und Landarbeiter nach besserem Leben, auf der Staatsstraße eine Blockade. Die Polizei ging gegen sie mit Waffengewalt vor, schoss auf sie, verletzte dabei 48 Menschen und tötete Giuseppe Scibilia und Angelo Sigona. Laut lokaler Sage leben die Geister der beiden nun im verlassenen Schloss.


Sizilien


Meer


Straßenszenen

Samstag, 13. Juni 2026

Nitra

13.6.2026

In der slowakischen Stadt Nitra habe ich ein Fußballspiel besucht. Nachdem ich die Stadt Nitra schon 2013 einmal besichtigt hatte, gab es diesmal einen Spaziergang ohne konkreter Route.

Freitag, 12. Juni 2026

Nové Město na Moravě

12.6.2026

In der tschechischen Stadt Nové Město na Moravě (deutsch früher Neustadtl) habe ich ein Fußballspiel besucht.

Um das Jahr 1250 wurde der Ort gegründet und 1267 erstmals schriftlich erwähnt, damals als Bočkanov nach dem hier über die Bevölkerung herrschenden mährischen Grafen Boček von Jaroslavice und Zbraslav (Boček z Jaroslavic a ze Zbraslavi). In einer späteren Urkunde wurde der Ort lateinisch Nova Civitas genannt, was deutsch Neustadt und tschechisch Nové Město entspricht. Zur Unterscheidung von vielen anderen Neugründungen, die ähnlich als Neustadt benannt wurden, entwickelte sich hier dazu im Deutschen die Benennung mit Diminutiv als Neustadtl und im Tschechischen der Zusatz „in Mähren“ na Moravě.


Schloss, errichtet ursprünglich in der zweiten Hälfte des 16.Jh. Heute ein Kunstmuseum (Horácká galerie)


Straßenszenen


Das Neue Rathaus (links) und rechts das Alte Rathaus, 1555 aus zwei zusammengefügten Stadthäusern gebaut. Im Gebäude befindet sich heute ein Heimatmuseum (Horácké muzeum).


Gedenktafel für den von den deutschen Nazis im KZ ermordeten tschechischen Kommunisten Ivan Sekanina.


Gedenktafel für das von den deutschen Nazis ermordete jüdische Mädchen Hana Brady aus dem Jahr 2005. Die 1931 geborene lebte hier mit ihrer Familie im ersten Stock des Hauses, in dem die Eltern im Erdgeschoss ein Geschäftslokal betrieben. Sie waren die einzige jüdische Familie in der Stadt. Nach dem Besetzung durch die deutsche Wehrmacht begannen zahlreiche Einschränkungen für ihr Leben, so durften Hana und ihr Bruder Jiří u.a. nicht mehr die Schule gehen. Der Vater Karel wurde 1939 für zwei Monate eingesperrt und nachdem die Nazis die Mutter Markéta im März 1941 ins KZ Ravensbrück deportiert hatten, aufgrund des Anlass, dass ihr geflüchteter Bruder ihr Geld geschickt hatte, verhafteten die Nazis den Vater im November 1941 noch einmal. Er war zunächst in Jihlava und Brünn eingesperrt und wurde dann ins KZ Auschwitz deportiert, wo er am 14. Juli 1942 von den Nazis ermordet wurde. Die Mutter ermordeten die Nazis am 29. Oktober 1942 im KZ Ravensbrück. Der Onkel Ludvík hatte zwischenzeitlich zunächst die Kinder aufgenommen, musste sie aber am 14. Mai 1942 den Nazis im Deportationszentrum Třebíč übergeben. Sie brachten sie zunächst ins KZ Theresienstadt und dann von dort weiter nach Auschwitz, wo die SS die 13-jährige Hana unmittelbar nach Ankunft des Deportationszug am 23. Oktober 1944 in der Gaskammer ermorden ließ. Bruder Jiří überlebte, da sich der 16-jährige als 18-jährig ausgab und konnte aus dem Todesmarsch der Häftlinge bei der Evakuierung des KZ im Jänner 1945 fliehen und den Holocaust überleben. Er lebte später in Kanada. In Theresienstadt blieb Hanas Koffer erhalten, in dem von ihr gemalte Bilder waren (1984 wurde er bei einem Brand zerstört). Die kanadische Schriftstellerin Karen Levine verarbeitete die Geschichte in ihrem Buch Hanas Koffer, der die Lebensgeschichte Hanas als Jugendbuch beschreibt.