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Freitag, 22. Mai 2009

A Woman A Man Walked By



PJ Harvey & John Parish
A Woman A Man Walked By
2009





Ich mag ihre Stimme. Es gibt so viele Stücke von PJ Harvey, die mich begeistern. Da kann ich auch gerne Experimentelleres hören.

Die CD ist noch frisch, aber nach den ersten Malen Anhören ist sie selbst mir um eine Spur zu verdreht. Ihre Texte doch eher düster. Musikalisch am besten gefällt mir relativ einfallslos die poppigste Nummer des Albums, Black Hearted Love. Da gab es aber auch schon Besseres.
Ich freu mich dann doch eher auf das nächste Soloalbum. Ich will leidenschaftlichen, vollen Gesang zu rhythmischen E-Gitarren-Klängen hören, wenn ich an PJ Harvey denke. I Think I'm a Mother haut mich ja immer noch jedesmal mit irrsinniger Wucht um, wenn ich es höre.

Dafür ist Leaving California ein unerwarteter und ungewöhnlicher Ohrwurm. Ihre Stimme gefällt mir dabei eigentlich gar nicht, die Musik ist sehr reduziert. Das gequälte "California" setzt sich aber einfach fest.

Mittwoch, 17. September 2008

Realitätsflash



Robert Rotifer
Volle Dröhnung
Profil, Nr.37, 8.9.2008
S. 112-116.






In Zeiten von viel Arbeit komm' ich nicht dazu, in Zeitungen und Zeitschriften mehr als das unabdingbar Notwendige (also Innenpolitik und Fußball) zu lesen. In kleinen Zeitfenstern kommt dann z.B. das Profil von voriger Woche und da ein Artikel über Metallica im besonderen und 80er-Jahre-Heavy-Metal im allgemeinen dran.

In den frühen Teenager-Jahren hab' ich ja auch mal so Computerspielen mit so einem Kastl, das man an den Fernseher gesteckt hat, probiert. Aber sehr schnell als uninteressant befunden und gelassen. Ist nicht meine Welt, brauch' ich nicht, interessiert mich nicht.
Ich bin allerdings nicht ganz aus der Welt, nicht nur Fußballprolet und in Staubwolken versinkender Büchernarr: was ich mag, sind z.B. die kritischen und voller intelligenter Anspielungen steckenden Zeichentrickserien Simpsons und South Park. In letzterer Serie hat's irgendwann mal eine Folge über die Verücktheit gegeben, mit einer angeschlossenen Gitarrenattrappe vor dem Bildschirm Rockstar zu spielen und darüber den Kontakt zur Realität, zu echter Musik, zu wirklichen Menschen zu verlieren. War hochamüsant.

Jetzt lese ich in dem Artikel von Robert Rotifer von einem "erstmals vor knapp drei Jahren lancierten Computerspiel "Guitar Hero". Mit einem gitarrenförmigen "Controller" in Händen wird dem Spieler suggeriert, gemeinsam mit einer Band auf einer Bühne zu stehen. Mittels Drücken verschiedenfarbiger Tasten auf dem Griffbrett und Anschlagen des als Saitenersatz fungierenden "Strum Bar" folgt man dabei dem am Bildschirm eingeblendeten Part des zugespielten Songs. ... Sowohl online als auch auf diversen Partys vereint sich die Spielercommunity sogar in einem internationalen Wettstreit" Echt!?! Das ist ja 1:1 das, was in South Park war! Das war kein lustiges Zeichentrickserien-Szenario sondern das gibt's WIRKLICH!?! Und ist laut Rotifer ein Massenphänomen mit Einfluß auf die Musikindustrie, Metallica bringt ihr neues Album gleichzeitig als "Guitar Hero"-Version zum Mitspielen heraus, Aerosmith erhöhen ihre Verkaufszahlen und Downloads um 40 Prozent nach einer "Guitar Hero"-Edition. Ich bin echt sowas von überrascht und überwältigt, NIE hätte ich sowas für ernst genommen. Nun weiß ich, daß South Park keine gescheite Verarschung und Kritik der US-Kultur ist, sondern eine Abbildung der Wirklichkeit. Was für ein Realitätsflash.

Dienstag, 29. April 2008

Third



Portishead
Third
2008




Nach langer Zeit (10 Jahre!) endlich wieder etwas von den großen Portishead. Zwischenzeitlich wurde die Pause ja durch das auch sehr schöne Album der Sängerin Beth Gibbons Out of Season mit Rustin Man überbrückt, aber das ist jetzt schließlich auch schon wieder sechs Jahre her. In der Hochphase von Portishead in den 1990ern war ich musikalisch doch etwas anders unterwegs, als ich aber gegen Ende des Jahrzehnts auf sie gestoßen wurde (Danke nochmals!), hat mich die gebrochene Kraft der Stimme von Beth Gibbons schon schwer beeindruckt.
Beim Hören der neuen CD wieder der gleiche Effekt wie damals: Auch jetzt muß ich mich an den neuen Sound wohl noch etwas gewöhnen, aber nett dieses elektronische Zeugs. Klingt halt logischerweise anders als vor einem Jahrzehnt, was ja auch gut so ist. Zeitweise stellt das Album den musikalisch Gitarrenrockgeprägten aber doch etwas auf die Probe - und die juvenile Prägung läßt einen ja nicht los, je weniger man sich mit Musik beschäftigt.
Aber zum Niederknien die Stimme!

Freitag, 18. April 2008

Das schöne Leben



Christiane Rösinger
Das schöne Leben
Frankfurt am Main 2008 (Fischer)
205 S.







Häuft sich das jetzt, daß ich auf Lesungen mit Gesang/Musik bin? Keine Ahnung, wohl nur Zufall. Wobei das diesmal ja ganz was anderes war. Jedenfalls war gestern im WUK Christiane Rösinger, bekannt von den großen, großen Lassie Singers. Die hab' ich ja in einem anderen Jahrtausend durch Grissemann und Stermanns Salon Helga kennenlernen dürfen.

Es war schon sehr schön gestern. Sie hat aus ihrem Buch gelesen, aber auch gesungen, so auch die hochsentimentalen Klassiker Liebe wird oft überbewertet und Es ist so schade.

Rösinger schreibt im autobiographisch angeleiteten Buch über die Kindheit am Land, das Berlin der 1980er Jahre, das Leben in der Band, Alkohol, Drogen, Fortgehen als Lebenselexier (Leben in der Bar) und anderes. Alles sehr nett.

Sehr treffend, "Glaubt man den Amerikanern, so verdienen Bobos vor allem im Internet ihr vieles Geld, wollen aber trotzdem ihre verlotterte Kleidung nicht ablegen. Sie schwärmen für exotische Kaffeesorten, umweltverträgliche Zahnpasta, sauer und bitter schmeckende Salate und fahren im Urlaub nach Italien, um vergilbte Bauerngesichter zu bestaunen und Ziegenmilch in den Kaffee zu tun. Stumpfes Grau ist ihre Lieblingsfarbe.
Doch spätestens hier begann die ganze Bobo-Theorie bereits zu wackeln. Die Sorte gab es doch bei uns schon lange!
Sie hatten zwar weniger mit dem Internet zu tun, hießen dafür aber einfach "Lehrer" oder "Grüne". Ein Kunstwort musste für sie nie geschaffen werden."


Und: "Als älterer Mensch kann ich nur sagen: Liebe Dreißigjährige! Das Leben ist sehr kurz, aber gleichzeitig auch sehr lang. Wer da mit dreißig schon meint, ruhig und häuslich werden zu müssen und sich vom öffentlichen Leben verabschieden will, soll überdenken, was er dann die nächsten Jahrzehnte machen will." Hm, erwischt.