Posts mit dem Label Burgenland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Burgenland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. April 2026

Wolfau

6.4.2026

Im südburgenländischen Wolfau habe ich ein Fußballspiel besucht. 1.500 Menschen leben hier.

Das Turmschule genannte evangelische Kirchengebäude aus dem Jahr 1910. Mit für evangelische Bethäuser der Region typischen Turm in der Mitte.


Die römisch-katholische Pfarrkirche stammt aus dem Jahr 1732. Der Turm kam 1769 bis 1775 hinzu.


Straßenszenen. Zur Jahrhundertwende 1900 hatte die damals als Teil Ungarns Vasfarkasfalva genannte Gemeinde (im öffentlichen Sprachgebrauch war seit 1898 im damals dreimal so großen und nur zu einem Drittel ungarischen Königreich Ungarn keine andere Sprache als ungarisch erlaubt) mit 1.714 Einwohnerinnen und Einwohnern ihre höchste Bevölkerungszahl. Danach schrumpfte der Ort in der ersten Hälfte des 20.Jh. bis auf 1.211 im Jahr 1961. Seither gibt es wieder Bevölkerungswachstum.

Dienstag, 19. August 2025

Gols

19.8.2025

Im burgenländischen Gols habe ich ein Fußballspiel besucht. 4.000 Menschen leben hier.

Bahnhof an der Neusiedler See-Bahn. Die Gegend am Neusiedlersee ist seit der Steinzeit menschlicher Siedlungsraum. Im Jahr 1217 wurde Gols in lateinischer Sprache erstmals schriftlich als vila Golus iuxta lacum Ferthev („das Dorf Gols beim Neusiedler See“) erwähnt.


Gols ist einer der bedeutendsten Weinbauorte Österreichs und der größte des Burgenlands. Auf der Hälfte der Gemeindefläche stehen Weingärten und 20% der Bevölkerung arbeiten im Weinbau.


Obwohl Gols so stark vom Weinbau geprägt ist, gibt es in der größten Weinbaugemeinde des Burgenlands mit der 2007 gegründeten Privatbrauerei Gols auch die größten Bierbrauerei des Bundeslands.


Straßenszenen. 62 Menschen wurden in Gols von den Nazis 1938 bis 1945 verfolgt – jüdische Familien, politische Gegnerinnen und Gegner, Roma und Romnja, Deserteure, die nicht für die Nazis im Krieg töten und sterben wollte und viele, deren Leben die Nazis als „unwert“ einstuften. Gleich nach der Machtübernahme der Nazis in Österreich im März 1938 baute der Bauer Georg Wurm jun. in Gols zusammen mit seinem Vater Georg Wurm sen., welcher der erste sozialdemokratische Gemeinderat in Gols gewesen und später als zu radikal aus der Partei ausgeschlossen worden war, und seinem Onkel aus ehemaligen Sozialdemokraten und Kommunisten eine illegale Widerstandsorganisation gegen die Verbrechensherrschaft der Nazis auf, die in erster Linie Geld für die „Rote Hilfe“ zur Unterstützung der Familien von eingesperrten Nazigegnern sammelte. Die Gruppe hatte auch Verbindungen zu anderen Widerstandskämpfern. Die Gruppe wurde denunziert und 17 Mitglieder und Sympathisanten im April und Mai 1943 von den Nazis verhaftet. Die meisten Mitglieder erhielten wegen Hochverrats Haftstrafen zwischen zwei und acht Jahren. Die drei aktivsten Kämpfer gegen das NS-Regime, darunter Georg Wurm jun., der in die Wehrmacht eingezogen war und für die Nazis im Krieg gegen die Sowjetunion kämpfen musste, wurden zum Tode verurteilt. Georg Wurm jun. ließen die Nazis am 19. Mai 1944 mit dem Fallbeil im Gefängnis Straubing hinrichten. Vater und Onkel starben im Mai 1945 ebendort an den Strapazen und Misshandlungen der NS-Haft im Krankenrevier. Wie es bei den Nazis üblich war, sperrten sie die Familienmitglieder von Nazi-Gegnern gleich mit ins Gefängnis ein. Die Schwestern Susanna und Theresia überlebten die Nazi-Haft im Wieder Landesgericht. Eine Initiative erreichte 2024 die postume Aufhebung der Gerichtsurteile und offizielle Rehabilitierung der NS-Opfer. Ein Denkmal für sie soll errichtet werden, wo und wie steht noch nicht fest.


Gedenkstein für Paul Karl Vetter aus dem Jahr 1932 am Hauptplatz. Der Weinbauinspektor Vetter war mit Franz Kober maßgeblich verantwortlich für den Wiederaufbau des Weinbaus nach Vernichtung der Pflanzen durch die Reblaus um das Jahr 1900. Man bekämpfte die Reblaus durch Import reblausresistenter Rebsorten aus Amerika nach Europa und deren Kreuzung mit heimischen Rebsorten.


Die katholische Kirche aus dem 12./13.Jh. war ursprünglich als Wehrkirche Teil des mit Wehrmauern für Kriege militärisch befestigten Teils von Gols.


Aus der ungarischen Zeit herrührend (bis 1921 war das heutige Burgenland Teil Ungarns), wo die katholische Kirche als wichtige Stütze der Herrschaft der Habsburger unbeliebt war, ist auch heute noch der Großteil der Bevölkerung evangelisch. 74% der Bevölkerung sind evangelisch und 24% katholisch. Die evangelische Kirche wurde 1818 nach damaligen staatlichen Vorschriften ohne Turm erbaut. Evangelische Kirchen waren seit 1780 zwar erlaubt, mussten aber schmuckloser als katholische Kirchen und etwas versteckt sein. Nach der religiösen Gleichberechtigung 1867 wurde 1888 die Kirche vergrößert und der Turm in neoromanistischem Stil errichtet.

Dienstag, 12. August 2025

Hornstein

12.8.2025

Im burgenländischen Hornstein, kroatisch Vorištan, habe ich ein Fußballspiel besucht. 3.300 Menschen leben hier.

Hoch auf einem Berg stand im Mittelalter eine erst hölzerne Burganlage, die von einer 1341 erstmals schriftlich erwähnten steinernen Burg ersetzt wurden. Es sind nur mehr Ruinen zu sehen. Die Burg diente als ungarische Grenzbefestigung und Herrschaftssitz nach der Rückeroberung des in den 1330er Jahren im Krieg österreichisch besetzten Leithagebirges und wurde 1440 an die österreichischen Herzöge verpfändet. Böhmische Söldner ohne Sold nutzten die Burg als Stützpunkt für Raubzüge in der Umgebung, weswegen eine Armee des Habsburgerkaisers Friederich III. sie 1463 angriff und die Burg zerstörte. Mitte des 17.Jh. stand noch einige Gebäude, seit Ende des 19.Jh. gibt es nur mehr einen Mauer- und Turmrest.


Am Friedhof sind 13 sowjetische Soldaten begraben, die in Hornstein und Umgebung bei den Kämpfen gegen die Nazi-Herrschaft zu Kriegsende 1945 getötet wurden. Das ursprüngliche Grabmal mit großem Obelisken und dreizehn kleinen Obelisken mit Sowjetstern für die 13 Verstorbenen wurde 1962 verkleinert, verfallen gelassen und dann 1973 die Grabsteine entfernt und die Tafeln an die Friedhofsmauer angebracht. 2016 wurden sie renoviert.


Rund um die einstige Burg gab es Wehranlagen an Erdwällen und Gräben als äußere Verteidigungslinie, welche die böhmische Burgbesatzung nach 1445 erbauen ließ. Später nutzte diese auch die Bevölkerung als Fluchtort in Kriegszeiten. Zuletzt wurden die Wälle dafür in den Kuruzzenkriegen um 1708 instandgesetzt.


Entlang der ehemaligen Straße von Hornstein nach Eisenstadt ließen die Esterházy im Sinne der damals modischen Gestaltung des adeligen Herrschaftsgebiets als Landschaftspark 1830 bis 1845 eine Allee an Linden pflanzen.


Nachdem die damals westungarische Ortschaft im 16.Jh. im Zuge der langen Kriege zwischen Osmanischem Reich und Habsburgerreich zerstört worden und seine Bevölkerung entweder getötet oder geflüchtet war, wurde sie im von den Grundherren mit kroatischen Bauern und ihren Familien neu besiedelt. Bis tief ins 20.Jh. hinein war der Ort burgendlandkroatisch geprägt. Von den 2.549 Einwohnerinnen und Einwohnern im Jahr 1910 waren 2.163 kroatisch, 261 deutsch und 112 ungarisch gewesen. Mit dem seit 1964 bestehenden traditionellen Musikverein Tamburizza Hornstein / Tamburica Voristan (Tamburizza ist ein dreiseitiges Zupfinstrument) wird die burgenlandkroatische Kultur hochgehalten, wenngleich der deutschsprachige Zuzug der letzten Jahrzehnte die kroatische Prägung der Gemeinde verblassen lässt. Seit 2017 hat Hornstein erstmals mehr als 3.000 Einwohner.


Das historische Gebäude der Esterhàzy'schen Gutsverwaltung. Nachdem die hier zuvor herrschenden ungarischen Adeligen der Nádasdy nach Teilnahme an der Magnatenverschwörung gegen die Habsburger und Hinrichtung ihres Familienoberhaupts 1673 Herrschaft und Besitz verloren hatten, übernahmen die Esterhàzy viel davon und kauften 1702 auch die zuvor verpfändete Herrschaft über Hornstein. Sie bestimmten und beherrschten fortan das Leben der Menschen. Noch heute ist ein Achtel der gesamten Landesfläche des Burgenlands in ihrem Eigentum.


Straßenszenen


Das alte Schulhaus. In Ungarn, zu dem das heutige Burgenland ja bis 1921 gehörte, waren für Bildung die Kirchen zuständig. 1560 beschloss die Synode von Tyrnau (heute Trnava, damals als Exilort katholischer Erzbischofssitz von Esztergom), dass in allen Pfarren Schulen errichtet werden sollten. Da Hornstein bzw. ungarisch Szarvkő der zentrale Herrschaftsort der Region war, wurden hier wohl danach der Schulunterricht aufgenommen. Das Gebäude ist aus den 1850er Jahren, im ersten Stock waren bis 1905 Lehrerwohnungen und bis 1910 auch die Wohnung des Gemeindenotars.


Pranger


Das markante Rathaus wurde als sichtbares Zeichen der modernen Zeit im neuen Burgenland in den Jahren 1927 und 1928 erbaut. Es erinnert an den Baustil des Roten Wien. Der Schuhmacher Anton Probst, aus burgenlandkroatischer Familie, prägte über Jahrzehnte Hornstein und die Hornsteiner Sozialdemokratie. Er leitete den Konsumverein, der preisgünstiges Einkaufen und Versorgung mit Waren gewährleistete, war nach Gründung des Burgenlands 1921 Leiter der Gemeinde und 1924 bis zur Absetzung durch den Austrofaschismus 1934 gewählter Bürgermeister. Daneben war er 1923 bis 1927 Landtagsabgeordneter und von 1927 bis zu dessen Ausschaltung 1934 im Nationalrat. Als Sozialdemokrat sperrten ihn die Austrofaschisten 1934 ein und später 1944 auch die Nazis. Als 1921 der erste Versuch der Besetzung des Burgenlands durch Kolonnen österreichischer Gendarmerie am ungarischen militärischen Widerstand scheiterte, die in den Kämpfen einige Gendarmen töteten, und danach die Bevölkerung, welche Abtrennung von Ungarn und Eingliederung nach Österreich begrüßte, gefährdet war (einige Menschen wurden von Ungarn im Land damals deswegen erschossen), führte Probst erfolglos eine Gruppe Hornsteiner Arbeiter ins niederösterreichische Großmittel, um dort ein Waffenlager zu stürmen. Im zweiten Versuch erfolgte die österreichische Besetzung des Burgenlands durch das Bundesheer, das sich in Kämpfen mit Verlusten und Toten durchsetzte.

Mittwoch, 16. Juli 2025

Jabing

16.7.2025

Im burgenländischen Jabing habe ich ein Fußballspiel besucht. 720 Menschen leben hier.

Heute sind nur mehr rund 3% der Jabinger Bevölkerung burgenlandungarisch. Im 17.Jh. war es noch die Hälfte, 1910 schon nur mehr 10% im ungarisch Vasjobbágyi heißenden Jabing. Um die Jahrhundertwende 1900 lebten hier aber auch noch doppelt so viele Menschen wie heute. 1900 waren es 1.387 im Vergleich zu 720 im Jahr 2025.


Das Evangelische Schul- und Bethaus wurde 1875 errichtet. Die Reformation des 16.Jh. teilte das damals westungarische Dorf in religiöser Hinsicht. Die evangelisch gewordene Bevölkerung gehörte nach der Legalisierung ihrer Religion im 18.Jh. zunächst zur 1561 rstmals gegründeten und nach der darauffolgenden Unterdrückung nach der Legalisierung in den 1780ern im Jahr 1785 wiedergegründeten evangelischen Pfarrgemeindegemeinde Siget in der Wart und erbaute sich dann 1875 ihr eigenes Kirchen- und Schulgebäude. Im damaligen Ungarn gehörten die Schulen in den Bereich der Kirchen. Mit dem Anschluss des Burgenlands an Österreich 1921 wurde der Schulunterricht staatlich und das Gebäude nur mehr zur Kirche. Mit nur mehr 89 Angehörigen der evangelischen Religion gehört man wieder zur Pfarrgemeinde von Siget. In der Jabinger Turmschule werden zweimal im Monat Gottedienste abgehalten.


Die auf einer Anhöhe thronende katholische Pfarrkirche wurde 1788 erbaut. Zuvor gehörte die katholische Bevölkerung zur Pfarre Großpetersdorf.


Ein verdienstvolles Denkmal aus dem Jahr 2017 erinnert an die von den Nazis in KZ verschleppten und großteils ermordeten mindestens 93 Jabinger Romnija und Roma, die bis 1938 in einer Siedlung im Süden der Ortschaft gelebt hatten. Diese wurde anschließend geplündert und ausgeraubt und danach komplett zerstört, damit nichts an die hier lebenden Menschen übrig bleiben sollte. Das Denkmal listet die 77 Menschen aus Jabing namentlich auf, deren Mord in Auschwitz belegt ist und nennt die weiteren, deren Sterbeort unbekannt ist.


Straßenszenen. 1971 wurde die Gemeinde Jabing per Landesgesetz in die Gemeinde Großpetersdorf eingegliedert, trennte sich 1992 aber ab und ist seither wieder eine eigene Gemeinde.