Donnerstag, 21. Mai 2026

Windhaag bei Perg

21.5.2026

In Windhaag bei Perg im oberösterreichischen Mühlviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. 1.500 Menschen leben in der als elf Ortschaften bestehenden Gemeinde Windhaag, wobei es im Hauptort Windhaag bei Perg selbst rund 680 sind.

Die Burg wurde erstmals im Jahr 1287 schriftlich erwähnt. Sie diente verschiedenen Adeligen als Residenz und zur Herrschaft über die im Umland lebende Bevölkerung. Da der damalige adelige Herrscher verschuldet war, kaufte 1636 der Rechtsgelehrte Joachim Enzmillner die Burg und ließ sich daneben ein großes Renaissanceschloss samt Schlosspark erbauen, das 1648 fertiggestellt war und bis 1673 im Inneren luxuriös ausgebaut wurde. Aber kurz danach, nach dem Tod des Bauherrn 1678, ließ die Tochter als Erbin das teuer érbaute Schloss gleich wieder abreißen und das Baumaterial zum Bau eines neuen Kloster am gegenüberliegenden Hügel verwenden. Die alte Burg blieb vom Abriss verschont, da sie Verwaltungssitz des Pflegers der Herrschaft war und Sitz des Landgerichts war. 1734 stürzte aber ein Teil der Mauern ein und es wohnten hier im Rest noch arme Leute bis das Gemäuer bald endgültig zur Ruine zerfiel. 1990 kaufte die Gemeinde Windhaag die Ruine vom Domkapitel Linz, das die Liegenschaften 1765 vom verschuldeten Kloster übernommen hatte.


Das ehemalige Kloster wurde 1681 bis 1689 errichtet. An das Schloss gegenüber erinnert noch das von dort übernommene Portal als Torbogen in der Klostermauer. Nach der Übernahme durch das Linzer Domkapitel nutzten die Domherren es bis Ende des 19. Jh. als Schlossresidenz. Im 20. Jh. war hier ein Kinderheim, seit 1973 ist hier Privatbesitz. Die ehemalige Klosterkirche ist nun seit 1782 Pfarrkirche.

Freitag, 15. Mai 2026

Wöllersdorf

15.5.2026

In Wöllersdorf im niederösterreichischen Industrieviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. Seit 1972 bildet Wöllersdorf mit dem benachbarten Steinabrückl eine gemeinsame Gemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl. 5.000 Menschen leben in der Gemeinde, davon 2.900 in Wöllersdorf.

Zur Durchsetzung seiner Diktatur ließ das austrofaschistische Regime in leerstehenden Hallen der Wöllersdorfer Werke 1933 ein sogenanntes Anhaltelager errichten, in dem es ohne rechtsstaatliche Grundlage und Gerichtsprozesse politische Gegnerinnen und Gegner der Diktatur einsperrte. Nach dem Aufstand des sozialdemokratischen Schutzbunds gegen die Zerstörung der Demokratie im Februar 1934 sperrten die Austrofaschisten hier hunderte Sozialdemokraten ein. Dazu kamen die mit Bombenanschlägen und Terrorismus agierenden Nazis sowie Kommunisten. Zum 1. Mai 1934 befanden sich 831 politische Gefangene im Lager, 508 Sozialdemokraten und Kommunisten sowie 323 Nazis. Nach der Niederschlagung des gescheiterten Juliputschs der Nazis im Juli 1934 waren hier im Oktober 1934 knapp 5.000 Personen eingesperrt, davon 4.256 Nazis und 538 Sozialdemokraten und Kommunisten. Während der Austrofaschismus später ein Auskommen mit den Nazis zu finden suchten, blieben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokarten sowie Kommunistinnen und Kommunisten aufgrund Gegnerschaft zum Faschismus der Hauptfeind. Mit der KZ-Mordmaschinerie der Nazis waren das Wöllersdorfer Lager und das Lager im burgenländischen Kaisersteinbruch nicht zu vergleichen, dennoch war der Freiheitsentzug ohne zeitliche Begrenzung oder rechtliche Begründung mit Möglichkeit dagegen etwas zu unternehmen, für die Betroffenen ein harter Einschnitt. Das Denkmal aus dem Jahr 1974 erinnert hier explizit an die für ihr Engagement für Demokratie und Freiheit Eingesperrten. Dazu zählen nicht die damals mit Terroranschlägen und Morden für ihre Machtergreifung zur Umsetzung millionenfachen Massenmordens kämpfenden Nazis.


Die Wöllersdorfer Werke, historisch einst als Raketendörfl oder Feuerwerksanstalt bezeichnet, waren hier im Bereich von Wiener Neustadt, Bad Fischau und Wöllersdorf Standort eines großen Munitionsfabrikenkomplexes für das Töten in der Kriegsmaschinerie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Im Ersten Weltkrieg umfasste allein das Wöllersdorfer Werk fast 3 km², auf welchen 635 Gebäude standen. Zu Kriegsbeginn 1914 arbeiteten hier 5.000 Menschen, zum Kriegsende 1918 waren es über 40.000. Es galt eine 70-Stunden-Arbeitswoche und die Beschäftigten waren wie in allen Betrieben der Kriegsproduktion der militärischen Disziplin unterworden, was drakonische Strafen des Militärs bei Verfehlungen bedeutete. Mit Fortdauer des Krieges mussten hier immer mehr Frauen arbeiten. Das zeigte sich leider auch am 18. September 1918, als ein Großbrand in einer Werkshalle 423 Menschen tötete und es zum Großteil Frauen und junge Mädchen waren.


Wöllersdorf


Die Ruine des Höhlturm ist der Rest einer einst bewohnten Wehranlage zur Verteidigung in Kriegen aus dem 15.Jh. Seinen Namen hat der Turm von einer dahinter befindlichen Natursteinhöhle. Der Turm ist am Gemeindewappe von Wöllersdorf-Steinabrückl abgebildet.

Samstag, 9. Mai 2026

Bad Ischl

9.5.2026

In Bad Ischl im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts habe ich ein Fußballspiel besucht. 14.000 Menschen leben in der aus 20 Ortschaften bestehenden Stadtgemeinde, wobei es im Ort Bad Ischl selbst 1.800 sind.

Bad Ischl heißt erst seit 1906 so. Bis dahin hieß die Gemeinde nur Ischl. Um die Eigenschaft als Kurort zu unterstreichen, fügte man Bad hinzu. Nach Jahrhunderten, in denen die Salzproduktion Arbeit und Wirtschaft bestimmt hatten, kam in den 1820er Jahren mit der Nutzung von Solebädern als Heilbädern der Kurbetrieb hinzu. Die Eisenbahn als taugliches Transportmittel war dafür die Grundlage.


Plätze sind nach Frauen benannt, die im Widerstand gegen die Verbrechen der Nazis waren und/oder ihre Opfer wurden.


Die Kaiservilla. Ursprünglich war hier eine Biedermeier-Villa, die sich 1834 ein Wiener Notar namens Josef August Eltz bauen ließ. 1850 kaufte sie der Arzt Eduard Mastalier und schließlich kaufte sie die Habsburger Erzherzogin Sophie und nach der Verlobung ihres Sohns Kaiser Franz Joseph mit Herzogin Elisabeth in Bayern im Jahr 1853 im damaligen Seeauerhaus und schenkte es ihnen zu ihrer Hochzeit. Danach wurde das Gebäude bis 1860 repräsentativ ausgebaut. Freizeitgestaltung war das massenhafte Jagen von Wildtieren. Angst und Schrecken in den Augen der gehetzten Tiere sind ein Gestaltungselement der Fassade. Am 28. Juli 1914 unterzeichnete Franz Joseph in seinem Arbeitszimmer im Westflügel des Hauses die Kriegserklärung an Serbien und das dazugehörige bekannte Manifest An Meine Völker! zum Kriegsbeginn, was den Ersten Weltkrieg zur Folge hatte, Millionen Menschen den Tod und das Ende der Monarchie brachte. Da die Habsburger die Anlage in ihrer Regierungszeit als Privatbesitz und nicht Staatseigentum führten und die hier Residierenden im Unterschied zum damaligen Ex-Kaiser die Republik anerkannten und auf Herrschaftsansprüche verzichteten, konnten sie diese 1918 behalten und sie gehört ihnen immer noch.


Straßenszenen


Die Trinkhalle wurde von 1829 bis 1831 im klassizistischen Stil als Solebadeanstalt erbaut. Neben verschiedenen Bädern wurden hier Trinkkuren mit Molke verabreicht.


Straßenszenen


Das 1875 eröffnete Kurhaus, heute „Kongress & TheaterHaus Bad Ischl“


Nachdem schon seine Eltern hier gewesen war, nutzte Kaiser Franz Joseph Ischl von 1849 bis 1914 als kaiserliche Sommerresidenz. Das machte den Ort in jenen Sommermonaten jahrzehntelang zum Zentrum der Monarchie, da zahlreiche Adelige und reiche Leute auch hierher kamen, um dem Hof nahe zu sein. Um der faktenwidrigen Nostalgie zum Leben unter der Habsburgermonarchie entgegenzuwirken, gibt es hier eine seht gut gemachte öffentliche Ausstellung.