Sonntag, 4. Oktober 2026

Tortona

4.10.2026

In der italienischen Stadt Tortona habe ich ein Fußballspiel besucht. 27.000 Menschen leben hier.

Als Colonia Iulia Dertona wurde Tortona im Jahr 120 v.u.Z. als römische Stadt gegründet und war damals ein wichtiger Militärstützpunkt zur Überwachung der wichtigen Fernstraße Via Postumia von Genua nach Aquileia. Aus dem 16.Jh. ist der heute zu sehende Dom. Recht früh hatte sich in im 2.Jh. in der Stadt schon eine Gemeinde der neuen christlichen Religion gebildet. Der erste Bischof oder zumindest einer der ersten ihrer Bischöfe war ein gewisser Marziano, der hier nach unterschiedlichen Quellen 117 unter Kaiser Trajan oder 120 unter Kaiser Hadrian deswegen am Kreuz hingerichtet wurde.


Straßenszenen. Die Stadt liegt in der Provincia di Alessandria in der Region Piemont.


Nur mehr ein einzelner ehemaliger Kirchturm ist von der einstigen Festungsanlage des Castello di Tortona übrig. Seit dem 8.Jh.v.u.Z. hatte es auf dem Hügel verschiedenen Militäranlagen und Burgen verschiedener Epochen gegeben, die als Festung am Weg nach Mailand immer wieder Schauplatz von Kriegen waren. Zuletzt war die Festungsanlage am Stand der Zeit nach zwei verheerenden Belagerungen 1734 und 1745 unter Herrschaft des Königreichs Sardinien-Piemont ab 1773 ausgebaut worden. 1799 eroberte ein österreichisches und russisches Heer die Stadt selbst verhältnismäßig leicht, aber konnte die französische Garnison in der Festung erst spät und am Verhandlungsweg zur Aufgabe bringen nachdem die Belagerung keinen Erfolg brachte. 1801 ließ Napoleon die Festung sprengen, was Schäden an zahlreichen Häusern der Stadt verursachte.

Mittwoch, 23. September 2026

Kladno

23.9.2026

In der tschechischen Stadt Kladno (deutsch früher Kladen) habe ich ein Fußballspiel besucht. 68.000 Menschen leben hier.

Der erstmals im Jahr 1318 schriftlich erwähnte Ort war jahrhundertelang relativ unbedeutend bis in den 1820er Jahren Steinkohle entdeckt wurde. Man begann mit ihrem industriellen Abbau, 1850 wurde die Kohlgrube Lucerna in Betrieb genommen und 1889 das Stahlwerk Poldi-Hütte Huť Poldi gegründet. Besitzer Karl Wittgenstein (der Vater des Philosophen Ludwig Wittgenstein) benannte es nach seiner Frau Leopoldine, deren Profil auch heute noch das Symbol des Werks ist. Kladno wuchs mit der Industrialisierung durch Zuzug zu den Arbeitsplätzen schnell und erhielt 1870 auch das Stadtrecht. Die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter hielten mit der Entwicklung nicht Schritt und waren schlecht. Sein organisierten sich in der Arbeiterbewegung, die mit Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien um besseres Leben kämpfte. Gerade in den Revolutionsjahren 1918 bis 1920 gab es hier viele Streiks. Der nach unerfolgreicher Privatisierung des in der Nachkriegszeit verstaatlicht gewesenen Unternehmens folgende Konkurs 1998 war eine der größten Pleiten der tschechischen Wirtschaftsgeschichte, woraufhin der Betrieb zerschlagen und in Teile aufgeteilt wurde.


Rathaus aus den Jahren 1897/98.


Straßenszenen


Aus einer mittelalterlichen Burganlage ließen sich die adeligen Herrscher hier von ihren Untertanen in den 1560er Jahren das heute zu sehende Schloss im Stil der Renaissance finanzieren, das im 18.Jh. noch im Barockstil umgebaut wurde.


Ehemalige Synagoge, die 1884/85 errichtet wurde. Noch vor der Vertreibung und Ermordung der in den 1930er Jahren rund 200 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde durch die deutschen Nazis 1939 wurde sie 1938 geschlossen und der Kirche der tschechischen Hussiten übergeben, während ein angebauter Festsaal als jüdischer Gebetsraum genutzt wurde.


Straßenszenen. Unter der deutschen Besatzung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945 war die Unterdrückung stark. Als 1939 zwei tschechische Widerstandskämpfer einen deutschen Polizisten töteten, verhängten die Besatzer das Kriegsrecht über die Stadt und verhaftete 107 Einwohnerinnen und Einwohner, darunter alle Gemeinderatsmitglieder und den Bürgermeister, der angesichts von Folter in der Haft in Brünner Festung Špilberk Selbstmord beging. In der Nachbarschaft liegt das Dorf Lidice, wo die Nazis durch die SS die komplette Dorfbevölkerung vom Neugeborenen bis zum Greis ermorden oder ins KZ deportieren ließ. Die Gestapo von Kladno war an der Aktion beteiligt, im Gymnasium von Kladno trennte sie die hierher als Zwischenstation vor dem KZ gebrachten Mütter aus Lidice von ihren Kindern, welche die Nazis mit Gas ermorden ließen.


Denkmal für Anton Cermak, der 1873 in Kladno als Antonín Čermák geboren worden war und als Kind gemeinsam mit seiner Familie wie hunderttausende andere aufgrund der schlechten Lebensbedingungen inder Habsburgermonarchie im 19.Jh. nach Amerika auswanderte. In den USA machte er nicht nur als Geschäftsmann Karriere sondern engagierte sich auch politisch in der Demokratrischen Partei, für die er verschidene Funktionen ausübte und von 1931 bis zu seiner Ermordung 1933 Bürgermeister von Chicago war.

Sonntag, 20. September 2026

Kreuzlingen

20.9.2026

In der Stadt Kreuzlingen (gesprochen hier Chrüzlinge) im Schweizer Kanton Thurgau habe ich ein Fußballspiel besucht. 23.000 Menschen leben hier, wobei die Kreuzlingen mit der unmittelbar nebenan liegenden deutschen Stadt Konstanz zusammengewachsen ist.

Das Kloster Kreuzlingen wurde um das Jahr 1125 als Stift vom Konstanzer Bischof gegründet, als es erstmals als Crucelin, also „(beim) Kreuzlein“ schriftlich erwähnt wurde. Davon kommt der Stadtname. Dabei stand das Stift damals an anderem Ort. Als im Schwabenkrieg von 1499 der mit dem Habsburgerkaiser verbündete Schwäbische Bund gegen die Schweizer Eidgenossenschaft verloren hatte und diese den Thurgau übernahm, überfielen Konstanzer Soldaten das Kloster und zerstörten es. Konstanz musste das nach Friedensschluss zerstörte Kloster danach wieder aufbauen und 1509 konnte dort die Stiftskirche wieder eingeweiht werden. Über ein Jahrhundert später kümmerte sich im Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) die schwedische Armee 1633 nicht um die Schweizer Neutralität und rückte in den Thurgau ein, um von hier aus die Stadt Konstanz anzugreifen. Nachdem die Belagerung gescheitert war und die schwedischen Soldaten abgezogen waren, fielen Konstanzer Soldaten ein zweites Mal über das Kloster Kreuzlingen her und zerstörten es gründlich, da es als Stützung für schwedische Angriffe gedient hatte. Der Wiederaufbau an heutiger Stelle entstand daher ab 1650 ein Stück weit, damals einen Kanonenschuss weit, entfernt von der Konstanzer Grenze. Das heutige Aussehen der Anlage stammt vom Neubau der 1650er Jahre. Mit Ende des Kriegs 1648 unterstellte sich das Kloster der Schweizer Eidgenossenschaft, womit Kreuzlingen aus dem römisch-deutschen Reich austrat. Nachdem das Stift mit der Säkularisation kirchlicher Besitztümer im Reich ihre dort liegenden Besitze verloren hatte, hob die Kantonsregierung des Thurgau 1848 das Stift ganz auf und verstaatlichte seinen verbliebenen Besitz. Heute ist darin eine Schule.


Die Grenznähe ergibt eine Stadtbevölkerung, die nur zu etwas mehr als der Hälfte Schweizerinnen und Schweizer sind. Ein Drittel der hier lebenden sind Deutsche.


Das heute dicht beiderseits dicht verbaute Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Deutschland, verläuft heute kaum merkbar zwischen Kreuzlingen und Konstanz. Gegen die kriegerische Bedrohung eines Angriffs aus Nazideutschland errichtete die Schweizer Armee ab 1937 den Festungsgürtel Kreuzlingen, dessen militärische Anlagen bis in die 1990er Jahre betrieben wurden. Während des Zweiten Weltkriegs, in dem die Schweiz als Bankier nutzbringend war und im Unterschied zu halb Europa daher nicht mit von den Nazis mit Krieg und Tod überzogen wurde, baute die Schweizer Armee ab 1939 noch zusätzlich einen Grenzzaun zwischen den beiden Städten. Er diente aber nicht dazu, etwa die deutsche Wehrmacht aufzuhalten, sondern sollte verhindern, dass vor den Nazis fliehende Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, ihr Leben durch Flucht in die Schweiz retten konnten. So wurde er umgangssprachlich auch „Judenzaun“ genannt. Hitler-Attentäter Georg Elser, der im November 1939 mit einem Bombenanschlag an der Tötung der NSDAP-Spitze knapp gescheitert war, wurde bei seinem Fluchtversuch aus Konstanz an der Grenzen am ihm noch nicht bekannten Zaun verhaftet. Die Nazis konnten ihn so ins KZ stecken, wo sie ihn gegen Kriegsende 1945 ermordeten. Ab 1999 wurde der Zaun Großteils abgebaut.


Kreuzlingen liegt am westlichen Ufer des Bodensees

Samstag, 12. September 2026

Eitweg

12.9.2026

In Eitweg im Kärntner Lavanttal habe ich ein Fußballspiel besucht. 668 Menschen leben hier.

Koralpe


Bis 1973 war Eitweg eine selbständige Gemeinde gewesen und ist seither ein Teil der Stadt St. Andrä. Bekannt ist Eitweg im Lavanttal durch den seit 1923 gepflegten Faschingsbrauch des Schimmelzug, bei dem seit 1980 alle vier Jahre in Schaltjahren zwei Männer unter einem weißen Leintuch als „Schimmel“ (weißes Pferd) verkleidet über verschiedene Stationen mit einer jeweiligen Geschichte durch den Ort ziehen, begleitet von mehreren als Hexen, Perchten etc. verkleideten Leuten. Der Schimmel wird am Ende symbolisch geschlachtet und damit der Winter beendet. Viele tausend Menschen schauen sich das an und säumen den Weg.


Oberhalb von Eitweg liegt auf einem Hang der Koralpe die Ruine der mittelalterlichen Burg Hartneidstein. Einer Sage nach mussten auf Veranlassung einer dortigen Gräfin Fremde am Eidstein am Ortsrand einen Eid ablegen, bevor sie den Weg zur Burg hinauf nehmen durften. Einer anderen Sage nach wurden auf Hartneidstein zum Tode Verurteilte begnadigt, mussten aber bei einem Stein den Eid schwören, ein gewisses Gebiet, das mit Eidsteinen markiert war (das heutige Eitweg), nicht zu verlassen. Jedenfalls soll davon der Ortsname Eitweg (ursprünglich Eidweg) kommen.
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Dienstag, 8. September 2026

Velden am Wörthersee

8.9.2026

Im Kärntner Velden am Wörthersee habe ich ein Fußballspiel besucht. 9.200 Menschen leben in der aus 30 Ortschaften bestehenden Marktgemeinde, wobei es im Hauptort Velden selbst 2.400 sind.

Die 1850er/60er Jahren brachten einen Wendepunkt in der Geschichte des zuvor unauffälligen Dorfs. 1853 begann die Linienschifffahrt am Wörthersee und 1864 wurde Velden an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Das ermöglichte den Tourismus als Erwerbsquelle, der bereits 1864 mit der Eröffnung der ersten Badeanstalt seinen Lauf nahm. Der wie andere Wörtherseebahnhöfe typisch mit Steinfassade gestaltete Bahnhof wurde vor einem Jahrzehnt für moderne Ansprüche mit neuem Bahnsteig umgebaut, wodurch das Bahnhofsgebäude keinen direkten Bahnsteig mehr vor sich hat. Die Bedeutung Veldens als Tourismusdestination erkennt man auch daran, dass an diesem relativ kleinen Ort Railjets und ICEs halten.


Straßenszenen


Wörthersee


Blick auf den Aussichtsturm am Pyramidenkogel.


Das Schloss Velden war ein ursprünglich im 16./17.Jh. errichteter Adelssitz, den sich Adelige auf Kosten der ihnen Untertanen Bevölkerung aus luxuriöse Residenz bauen ließen. In den 1990er Jahren wurde es durch eine seichte und den Kärnten-Tourismus fördernde Fernsehserie Ein Schloss am Wörthersee im deutschen Sprachraum bekannt.