Sonntag, 28. Juni 2026

Čierny Balog

28.6.2026

Im slowakischen Čierny Balog habe ich ein Fußballspiel besucht. 4.900 Menschen leben hier.

Die Gemeinde Čierny Balog, deutsch Schwarzwasser, wurde 1887 durch Zusammenschluss der 13 Dörfer Balog, Dobroč, Dolina, Fajtov, Jánošovka, Jergov, Komov, Krám, Látky, Medveďov, Pusté, Vydrovo und Závodie mit dem ungarischen Ortsnamen Feketebalog (was ebenso übersetzt Schwarzwasser heißt) gebildet. Seit dem 16.Jh. haben die Menschen hier in den Wäldern Holz für die Bergwerke der Region geschlägert.


Die „Schwarzgranbahn“ Čiernohronská železnica (ČHŽ) wurde ab 1908 als Waldbahn mit dem im ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie für öffentlichen Sprachgebrauch verpflichtenden ungarischen Bezeichnung Fekete Garam Vasút (FGV) errichtet und verkehrte zwischen den Wäldern und Sägewerken der Region, um Holz zu transportierten. Der heute befahrene Abschnitt wurde 1909 eröffnet. In den folgenden Jahrzehnten verlängerte man die Bahnstrecke immer wieder, zuletzt in den Jahren 1948 und 1949. Erst seit 1927 gab es auch Personenverkehr. Mit der Veränderung der Holzwirtschaft und Verlagerung des Transports auf LKW stellte man den Bahnbetrieb 1982 ein. 1993 begann der Verkehr als touristische Museumsbahn in der Sommersaison auf einem Teilstück wieder.


Das Dorf beteiligte sich im Sommer 1944 am Slowakischen Nationalaufstand (Slovenské národné povstanie). Von August bis Oktober 1944 erhoben sich slowakische Nazigegner und Partisanen in bewaffnetem Kampf in der Mittel- und Ostslowakei mit Zentrum um Banská Bystrica gegen die mit Hitlerdeutschland verbündete slowakische Vasallenstaat-Regierung und die faschistische Morde und Verbrechen. Sie hofften, das befreite Gebiet bis zum Eintreffen der sich von Osten vorkämpfenden sowjetischen Roten Armee zu halten. Deutsche Wehrmacht und SS schlugen den Aufstand mit militärischer Macht blutig nieder und mordeten zahlreich in der Bevölkerung. Es gab 20.000 Tote. In den wenigen Monaten zwischen Oktober 1944 bis zur Befreiung der Mittelslowakei durch die sowjetischen Truppen im März 1945 brannten die deutschen Soldaten danach 90 Dörfer nieder und ermordeten darin und anderswo weitere 5.000 Menschen. In Čierny Balog zog das sich faschistische Morden von Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern von Oktober bis November 1944. Als am Nachmittag des 28. Jänner 1945 ein Trupp von 700 deutschen Soldaten am Rückzug durchkam, wurde sie vom bewaffneten Widerstand der Partisanen und Dorfbevölkerung aufgehalten und mit Tötung von rund 200 Soldaten erfolgreich bekämpft bis in den Nachtstunden des 29. Jänner 1945 die ersten sowjetischen Einheiten eintrafen und Partisanen und sowjetische Soldaten gemeinsam die restlichen Dörfer befreiten.


Roma waren sie neben Jüdinnen und Juden Hauptziel der Morde der deutschen Soldaten und SS-Männer, für welche der Aufstand zwar nicht den Grund aber die Gelegenheit für solches Ausleben des Rassismus der Nazi-Ideologie bot. Am 14. November 1944 verübten sie hier ein Massaker an einer Gruppe Roma, die sie in ihrer Siedlung lebendig verbrannten. Ein Denkmal erinnert an die Ermordeten.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Ortenburg

24.6.2026

Im deutschen Ortenburg im Landkreis Passau in Bayern habe ich ein Fußballspiel besucht. 7.400 Menschen leben in dem aus 112 Gemeindeteilen (Ortschaften) bestehenden Markt Ortenburg.

Um das Jahr 1120 ließen sich die Grafen von Ortenburg hier eine Burg errichten, die zum militärisch gesicherten Zentrum ihres Herrschaftsbereichs wurde. Bereits 1192 brannte ein Heer des Herzogs Leopold von Österreich die Burg aber nieder. Die zerstörte Residenz ließen sich die Grafen wiederaufbauen. Im Landshuter Erbfolgekrieg im die Herrschaft im bayrischen Teilherzogtum Landhut griff ein Heer die Burg 1504 erneut an und zerstörte sie. In den 1560er Jahren wurde danach die heutige Burg neu errichtet. Bis 1805 bestand die Grafschaft Ortenburg als eigener Staat. In Zeiten ihrer größten Ausdehnung im Hochmittelalter umfasste die Grafschaft verstreute Gebiete in Altbayern, der Oberpfalz, Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol. Am Ende war es nur mehr der engere Umkreis von Ortenburg selbst. 1805 übergab der schwer verschuldete Reichsgraf Joseph Carl Ortenburg an den bayrischen Herzog, der ihm dafür den Besitz des zuvor einverleibten Klosteramts Tambach übergab. Aus der unabhängigen Grafschaft Ortenburg wurde eine Gemeinde in Bayern.


Straßenszenen. 1563 führte Graf Joachim, gestützt auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, wonach die Landesherrn die Religion der ihnen untertanen Bevölkerung bestimmten, in Ortenburg die evangelische Religion. Ortenburg wurde damit zu einer evangelischen Enklave im katholischen Umland. 1626, während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1848, siedelte Graf Friedrich Casimir evangelische Glaubensflüchtlinge aus dem katholischen Österreich rund um Ortenburg an, woraus die Ortsteile Vorder- und Hinterhainberg entstanden. Ortenburg war in der Zeit der Unterdrückung und Verfolgung der evangelischen Religion in Österreich eine der Zwischenstationen des umfangreichen Schmuggels von zehntausenden evangelischen Bibeln in die Habsburgermonarchie.

Samstag, 20. Juni 2026

Scheibbs

20.6.2026

Im niederösterreichischen Scheibbs habe ich ein Fußballspiel besucht. 4.200 Menschen leben hier.

1877 wurde die Erlauftal-Eisenbahn fertiggestellt, die Sommerfrische-Suchende reiche Leute aus Wien ins Erlauftal brachte und Scheibbs für Tourismus erschloss.


Blick auf die Stadt vom Ufer des Flusses Erlauf


Scheibbs ist Bezirkshauptstadt des Bezirks Scheibbs in den niederösterreichischen Eisenwurzen, in der über Jahrhunderte bis zur Industrialisierung im 19.Jh. in kleine Betrieben Eisen produziert wurde.


Rechts die große Klosterkirche St. Barbara, welche 1678 bis 1684 mit dazugehörigem Kloster die über Scheibbs herrschenden Gaminger Kartäusern errichten ließen. Links das Schloss Scheibbs. Es geht auf eine mittelalterliche Burg und Kirche zurück und wurde später zum Schloss umgebaut. Nachdem 1138 herzog Albrecht II. Scheibbs dem Kloster Gaming geschenkt hatte, hatte dieses hier ihren Verwaltungssitz für ihre Herrschaft über die Bevölkerung. 1595 belagerten die gegen ihre Unterdrückung und Ausbeutung aufständischen Bauern den in der Burg verschanzten Prior des Klosters mit seinen Truppen, dieser konnte aber fliehen. Die Rache der Militärstrafexpedition war blutig und hart. Der Müller und der Kastner ließ die Herrschaft auf dem Marktplatz köpfen und dem Marktrichter (welche von 1428 bis 1848 Scheibbs regierten) die rechte Hand abschlagen, mit der er dem Kloster als Grundherrn die Treue geschworen hatte, bevor er gehenkt wurde.


Das ehemalige Haus der Marktrichter, heute das Rathaus.


Straßenszene


Scheibbs wurde im Jahr 1160 erstmals schriftlich erwähnt. Schon in der Antike hatte es hier aber eine keltische oder römische Wehranlage und Siedlung gegeben. Nachdem 1352 durch Herzog Albrecht II. im zweiten Gaminger Stiftsbrief der Bau einer militärischen Befestigung angeordnet worden war, begann man mit dem Bau einer vierseitigen Ringmauer um Scheibbs unter Einbeziehung der Burganlage. In späteren Jahrhunderten wurde die Stadtmauer ausgebaut und bis ins 18.Jh. für die jeweilige Kriegstechnik modernisiert.


Straßenszenen

Sonntag, 14. Juni 2026

Avola

14.6.2026

In Avola (Àvula auf sizilianisch) auf Sizilien habe ich ein Fußballspiel besucht. 30.000 Menschen leben hier.

Die Villa Di Chiusa Di Carlo vor der Stadteinfahrt. Errichtet als adeliger Sommerpalast in ausgedehnten Landgütern, in denen die Bevölkerung für das Luxusleben der Adeligen zu arbeiten hatte, ist es heute ein Lost Place. Am 2. Dezember 1968 errichteten Streikende im Rahmen einer Protestwelle aufgrund Forderungen der Landarbeiterinnen und Landarbeiter nach besserem Leben, auf der Staatsstraße eine Blockade. Die Polizei ging gegen sie mit Waffengewalt vor, schoss auf sie, verletzte dabei 48 Menschen und tötete Giuseppe Scibilia und Angelo Sigona. Laut lokaler Sage leben die Geister der beiden nun im verlassenen Schloss.


Sizilien


Meer


Straßenszenen