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Dienstag, 1. November 2016

Karl-Marx-Haus Trier

1.11.2016

Im Geburtshaus von Karl Marx in Trier, wo Karl Marx 1818 geboren wurde


Die Ausstellung beginnt mit der Geschichte des Hauses vor und nach seiner Widmung als Museum.


Zitate u.a. von Willy Brandt finden sich an den Wänden


Über die Familiengeschichte von Marx und den Frühsozialismus


Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten und der Beginn der Zusammenarbeit mit Friedrich Engels


Einige der millionenfachen Ausgaben des Kommunistischen Manifests von 1848.


in der Ausstellung


Manuskript der Ökonomischen Manuskripte


Marx und die Arbeiterbewegung


Die Schrift von Marx, die mich selbst am nachhaltigsten beeindruckt hat.


Hof


Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung und des Marxismus


Die kommunistischen Diktaturen, die sich für ihre gewalttätige Parteielitenherrschaft auf Marx beriefen.


Der Computer, auf dem das Parteiprogramm der nach dem Zusammenbruch der DDR neuentstandenen sozialdemokratischen Partei geschrieben wurde.


Aus China kommen viele Touristinnen und Touristen. Der Ausstellungsteil über Unterdrückung in den kommunistischen Parteidiktatur wird ihnen wohl weniger gefallen.


Marx-Fanartikel, von Magneten bis hin zu Schokolade

Freitag, 8. August 2014

Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie im Raum St. Pölten

St. Pölten, 7.8.2014

Vor dem Besuch eines Fußballspiels wurde in St. Pölten diesmal das Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie im Raum St. Pölten besucht.

Das Museum befindet sich im barocken Steingötterhof in der St. Pöltner Innenstadt, im Hof des St. Pöltner SPÖ-Bezirksparteihauses.


Bereits hinter dem Eingangstor des Hauses erzählen im Durchgang zum Hof historische Tafeln des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer vom Faschismus, Neubeginn und Wiederaufbau.



Das Museum wurde vor zehn Jahren hier neu eingerichtet nachdem es zuvor seit den 1980er Jahren im Museum im Hof in der Heßstraße untergebracht war. Die Ausstellung wurde von Siegfried Nasko gestaltet.


Der Ausstellungsraum erzählt anhand von Exponaten und Darstellungen die Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung in Österreich und in St. Pölten von Ende des 19.Jh. bis in die siebziger und achziger Jahre des 20.Jh.


1.-Mai-Abzeichen. Auch in St. Pölten stand der 1890 erstmals begangene Tag der Arbeit im zeichen der staatlichen Repression gegen freie politische Selbstorganisation von Arbeiterinnen und Arbeitern. „Beinahe wäre man versucht zu glauben, dass wir im Belagerungszustand leben. Die Straßen sind zeitlich abends verödet, Militärpatrouillen durchziehen die Stadt, auf dem flachen Lande patrouillieren Dragoner, kein dienstfreier Soldat ist zu sehen...“ zitiert die Ausstellung aus dem St. Pöltner Wochenblatt.


Ein anderes Beispiel der tatsächlichen Verhältnisse in der so gern verklärten k.u.k. Zeit ist die Aberkennung der Matura von Karl Seitz, weil er als Redner seines Maturajahrgangs in St. Pölten mutig offene Worte über die Zustände im Staat gefunden hatte.


Historische Stücke der Kulturbewegung.



Diese Puppe gehörte einem jüdischen Mädchen, das mit Rosa Jochmann im KZ Ravensbrück eingesperrt war. Jochmann versah sie mit ihren eigenen Haaren, die ihr im KZ abgeschnitten wurden und fertigte das Gewand aus Stofffetzen. Das Mädchen starb im KZ, Jochmann überlebte und bewahrte die Puppe als Erinnerung an sie auf. Es bleibt einem das Herz stehen.


Postkarte mit Zeitungsausschnitt aus dem Zweiten Weltkrieg an die Familie des St. Pöltners und Rapid-Spielers Bimbo Binder von einem ehemaligen Kollegen beim St. Pöltner Arbeiterfußballvereins Sturm 19.



Historische Plakate


Bruno Kreisky hatte einen starken Bezug zu St. Pölten, da er hier sein Nationalratsmandat hatte. In der Ausstellung ist u.a. ein Nadelstreifanzug Kreiskys zu sehen.


Amüsantes Wahlkampfmaterial aus den 1970er Jahren.



Tafeln der Sonderausstellung Maria Emhart und der Bürgerkrieg 1934 in St. Pölten, die von Februar bis Mai 2014 im Stadtmuseum St. Pölten zu sehen war. In St. Pölten war Maria Emhart führend am Widerstand und Aufstand gegen das austrofaschistische Regime beteiligt. Im Februar 1934 entging sie der standrechtlichen Hinrichtung, blieb aber vier Monate in Haft. Im inszenierten großen Sozialistenprozess des Jahres 1935 verlangte der Staatsanwalt für sie die Todesstrafe. Aus Mangel an Beweisen wurden daraus schließlich „nur“ 18 Monate Kerker. Sie musste St. Pölten verlassen und zog nach Bischofshofen in Salzburg, wo sie nach der Befreiung Vizebürgermeisterin, Landtags- und Nationalratsabgeordnete wurde.


Orte der Kämpfe im Februar 1934 in St. Pölten

Montag, 12. Juli 2010

spw 178



spw
Heft 178 (3/2010)
Juni 2010
63 S.







Der Themenschwerpunkt über "Bedeutung von Autonomie, Anerkennung und Sicherheit durch Arbeit" bringt Artikel zur soziologischen Analyse wachsender Unsicherheit am Arbeitsplatz oder der Entstehung psychischer Krankheiten ebendort.

Die "wechselvolle Karriere" der Theorie der Entfremdung beschreibt Christina Ujama in einem kurzen historischen Abriß des Aufs und Abs dieses zentralen Konzepts des Marxismus. "Die Themen Entfremdung und Arbeit haben an gesellschaftlicher Relevanz verloren und das ist ein Problem für die Linke, die dadurch ihr politisches Gravitationszentrum verloren hat. Noch mehr ist es aber ein Problem der Arbeitenden, deren Interesse nicht mehr vertreten werden." meint sie abschließend und fordert eine "linke Neuformulierung des Entfremdungstheorems, die Arbeit, Kultur und Leben zusammendenkt".

Montag, 3. August 2009

Prokla 155



PROKLA 155
Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
39.Jg., Nr.2, Juni 2009
172 S.







Eine Ausgabe, das man nur geradezu verschlingen kann. Der seltene Fall, ein Heft in der Hand zu haben, wo jeder Artikel geradezu noch begeisternder ist als der vorige. So wie hier zum Thema "Sozialismus?" sollte Prokla immer sein. Warum ist sie dies nicht öfter?

Ich kann gar keinen der Beiträge herausgreifen, so gut sind alle. Was jetzt nicht heißt, daß ich allem zustimme. Das Konzept der Rätedemokratie hat mich nie sonderlich überzeugt, auch wenn es gerade für den Historiker durchaus ein faszinierendes Thema ist. Auch Alex Demirović kann es in seiner abwägenden, aber tendenziell positiven Diskussion nicht schmackhafter machen. Christian Siefkes Präsentation von "commonsbasierter Peer-Produktion" als zukunftstaugliches Alternativmodell läßt mich skeptisch zurück.
Sehr spannend sind die Artikel von Raul Zelik und Renate Hürtgen über die ökonomische Ineffizienz des kommunistischen Staatssozialismus, von Katharina Götsch über linke Theorien eines "Marktsozialismus" und auch die sehr interessanten historischen Beiträge von Hendrik Wallat über Sozialismuskritik bei Marx, Ralf Hoffrogge über Sozialismuskonzepte der deutschen ArbeiterInnenbewegung 1848-1920 (da hab' ich mir noch am ehesten gedacht, daß man hier noch mehr hätte machen können) und Marcel van der Lindens Überblick über marxistische (vornehmlich trotzkistische) Kritikpunkte am "Sozialismus, der keiner war" der Sowjetunion.

Eine solch geballte Ladung fesselnder, intelligenter Texte habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Freitag, 8. Mai 2009

"Auch schon eine Vergangenheit"




Ulrike Felber (Hg.)
"Auch schon eine Vergangenheit"
Gefängnistagebuch und Korrespondenzen von Bruno Kreisky
Wien 2009 (Mandelbaum Verlag)
162 S.







Das Buch versammelt viel biographisches Material zur Jugend von Bruno Kreisky. Ulrike Felber präsentiert interessante Dokumente wie Briefe Kreiskys an eine deutsche Sozialdemokratin vor 1934, in denen er die politische Entwicklung in den letzten Jahren der Republik kommentiert, sein in austrofaschistischer Haft geschriebenes Gefängnistagebuch, Kassiber an Mithäftlinge und Briefe aus der Haft an einen Freund und an seine Eltern. Eingebettet in umfangreiche Hintergrundinformationen zum historischen und biographischen Kontext.

Es krampft einen zusammen, wenn man Kreiskys Tagebuchnotiz liest, wie der damals 24-Jährige aufgrund seines "Verbrechens" sozialdemokratischer politischer Aktivität 1935 verhaftet wurde:
"Trotzdem war ich heiter u[nd] recht guter Dinge. Wie ich jedoch hinter mir die erste Gittertür ins Schloß fallen hörte, gab es mir einen leichten Riß. Man begibt sich in eine Höhle, um den Ausgang besser zu finden, rollt man einen Faden ab, der reißt plötzl[ich] irgendwo. Man wird schon hinausfinden, denkt man beruhigend nach dem ersten Schrecken, dann merkt man, daß die Höhle viele Gänge hat. Man findet doch nicht sobald hinaus wie man dachte."

Nichts kann das Erleben, ins Gefängnis geworfen zu werden, nachvollziehbarer machen als wenn Bruno Kreisky, den die Politjustiz mit seinen Mitverhafteteten monatelang ohne Anklage "dunsten" ließ, verzweifelt schreibt: "Warum habe ich schon 14 Tage keinen Brief v[on] R. bekommen? Das beunruhigt mich. Ist irgendetwas geschehen? Wissen die draußen denn nicht, wie man auf ein paar Zeilen wartet?"

Wie viele andere SozialdemokratInnen in der Geschichte vor ihm, wie auch schon Victor Adler im Gefängnis der Monarchie oder August Bebel in Deutschland, nützte Kreisky die Zeit als "Haftuniversität", in der er - so systematisch wie es ihm möglich war - greifbare historische und politische Literatur studierte, von 6 Uhr morgens von 6 Uhr abends, wie er berichtet. Wenn der spätere Politiker aus schier unerschöpflichem Fundus an theoretischem und historischem Wissen schöpfte, lag hier die Grundlage.

Ein sehr verdienstvolles Buch, das einem mit seinen Dokumenten sehr stark den Mensch Kreisky in seinen prägenden Erfahrungen als junger Mann näher bringt.

Freitag, 3. April 2009

Die Ära Kreisky und ihre Folgen



Wolfgang Maderthaner / Siegfried Mattl / Lutz Musner / Otto Penz
Die Ära Kreisky und ihre Folgen
Fordismus und Postfordismus in Österreich
M.e.Vorw.v. Hannes Androsch
Wien 2007 (Löcker)
211 S.






Das Buch ist keine eigentliche historische Darstellung der sozialdemokratischen Regierungszeit unter Bundeskanzler Kreisky 1970-1983, sondern ein theoretische Verortung derselben.
"Man wird die Kreiskysche Moderne und die in ihr angelegten politischen und kulturellen Potenziale einer kritischen Analyse allerdings nur dann unterziehen können, wenn man ihre Logik in den Kontext tendenziell global wirksamer Regimes ökonomischer Regulation stellt, also die österreichische Kultur der 1970er Jahre im Zusammenhang mit einer lokalen Ausprägung eines international bestimmten Fordismus/Keynesianismus zu verstehen und darin den Begriff des Politischen zu verorten versucht." schreiben Wolfgang Maderthaner und Lutz Musner.

Das Spezifische am österreichischen Fordismus (industrielle Massenproduktion von Konsumgütern, Massenkonsum dieser durch die Mittelklasse und aufsteigende Facharbeiterhaushalte, Vollbeschäftigungspolitik und Sozialstaat, Sozialpartnerschaft etc.) seien weniger diese Merkmale, sondern, daß er erst nach der Wirtschaftskrise 1973/74 seine Blüte erreichte. Maderthaner und Musner interpretieren die 70er Jahre als "nachholende wirtschaftliche Modernisierung", korrelierend mit einem "gesellschaftlichen Reformschub", von dem sie "ihre politisch-kulturelle Legitimation" erhält. "Die damit bewirkte kontingente Engführung von Wirtschaft, Politik und Kultur verdichtet sich zu einer Konstellation, die - international beachtet - als 'österreichischer Weg' für ein Jahrzehnt hegemonialen Status erreicht." Repräsentiert durch Bruno Kreisky als Person, der nicht nur "die Neumodellierung des Politikers als Medienikone, sondern auch eine außergewöhnliche und eigentümliche Mischung von Geschichte, Gedächtnis und Gegenwartspolitik" darstellte.
Postfordismus heißt in Österreich dann Absatzkrise für klassische Industriegüter und Hinwendung zu Hochtechnologie und Dienstleistungen, Rationalisierung und Flexibilisierung, Rücknahme sozialstaatlicher Regelungen, Schwächung von Gewerkschaft und Sozialpartnerschaft, Sockelarbeitslosigkeit statt Vollbeschäftigung, Transnationalisierung der Wirtschaft durch Verkauf von Unternehmen ans Ausland und Vorbereitung des EU-Beitritts etc. Spezifisch an der österreichischen Situation sei hier wiederum die die "diskursive, d.h. politische Konstellation": Denn während dies international unter "konservative Revolution" und Neoliberalismus lief, geschieht dies in Österreich durch eine Rückkehr zur Großen Koalition.
Weiters kontextualisieren Maderthaner und Musner hierin die Kritik von Josef Haslinger oder Robert Menasse an der österreichischen Politik und Gesellschaft Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre.

Sehr wichtig ist auch ihr Hinweis, daß die Sozialpartnerschaft "als spezifisch österreichische Kultur eines fordistischen Produktionsregimes" der 60er und 70er Jahre "- topographisch gesehen - überwiegend eine Sache weniger Industrieregionen und wirtschaftlich potenter (Klein)Städte" war und "keine Sache der agrarisch und alpin bestimmten Regionen Österreichs", wo "nach wie vor eine weitgehend ständisch bzw. hierarchisch organisierte Gesellschaft" vorherrschte.
"In der Provinz gab es nämlich - im Gegensatz zu den Städten und Industrieregionen - keine tradierte Kultur des Industrialismus, an die der Fordismus als kulturelle Formation hätte anschließen können. Somit blieben seine Veränderungspotentiale auf den ökonomischen Sektor (Landwirtschaft, Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, agrarische Infrastruktur) und teilweise den sozialen Sektor (Familienstrukturen) beschränkt. Die tradierte Kultur der Provinz, ihr spezifisches Amalgam von Religion, kleinteiligen Lebenswelten, Autoritätsgläubigkeit und weltanschaulichem Konservatismus befand sich zwar im Wandel und in der Wertekonkurrenz, wurde aber nicht durch eine Kultur ersetzt, die mit den neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen korrespondierte."

Gegenüber der Wucht des Texts von Maderthaner und Musner stehen die weiteren Beiträge des Bandes etwas zurück. Sie haben aber auch eher die Aufgabe, die eingangs aufgestellten Thesen zu untermauern. So schreibt Otto Penz hierzu zur ökonomischen bzw. wirtschaftspolitischen Dimension der Kreisky-Zeit und Siegfried Mattl über Kunst, Kultur und Kulturpolitik.
Persönlich interessant, aber kontextlos schließen das Buch zwei Interviews mit Johanna Dohnal und Erwin Lanc ab. Leider wurde bei letzteren nicht vermerkt, wer diese Gespräche führte (und wann und wo).

Ein spannendes Buch.