St. Pölten, 7.8.2014
Vor dem Besuch eines
Fußballspiels wurde in St. Pölten diesmal das
Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie im Raum St. Pölten besucht.
Das Museum befindet sich im barocken Steingötterhof in der St. Pöltner Innenstadt, im Hof des St. Pöltner SPÖ-Bezirksparteihauses.
Bereits hinter dem Eingangstor des Hauses erzählen im Durchgang zum Hof historische Tafeln des
Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer vom Faschismus, Neubeginn und Wiederaufbau.
Das Museum wurde vor zehn Jahren hier neu eingerichtet nachdem es zuvor seit den 1980er Jahren im Museum im Hof in der Heßstraße untergebracht war. Die Ausstellung wurde von Siegfried Nasko gestaltet.
Der Ausstellungsraum erzählt anhand von Exponaten und Darstellungen die Geschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung in Österreich und in St. Pölten von Ende des 19.Jh. bis in die siebziger und achziger Jahre des 20.Jh.
1.-Mai-Abzeichen. Auch in St. Pölten stand der 1890 erstmals begangene Tag der Arbeit im zeichen der staatlichen Repression gegen freie politische Selbstorganisation von Arbeiterinnen und Arbeitern.
„Beinahe wäre man versucht zu glauben, dass wir im Belagerungszustand leben. Die Straßen sind zeitlich abends verödet, Militärpatrouillen durchziehen die Stadt, auf dem flachen Lande patrouillieren Dragoner, kein dienstfreier Soldat ist zu sehen...“ zitiert die Ausstellung aus dem
St. Pöltner Wochenblatt.
Ein anderes Beispiel der tatsächlichen Verhältnisse in der so gern verklärten k.u.k. Zeit ist die Aberkennung der Matura von
Karl Seitz, weil er als Redner seines Maturajahrgangs in St. Pölten mutig offene Worte über die Zustände im Staat gefunden hatte.
Historische Stücke der Kulturbewegung.
Diese Puppe gehörte einem jüdischen Mädchen, das mit
Rosa Jochmann im KZ Ravensbrück eingesperrt war. Jochmann versah sie mit ihren eigenen Haaren, die ihr im KZ abgeschnitten wurden und fertigte das Gewand aus Stofffetzen. Das Mädchen starb im KZ, Jochmann überlebte und bewahrte die Puppe als Erinnerung an sie auf. Es bleibt einem das Herz stehen.
Postkarte mit Zeitungsausschnitt aus dem Zweiten Weltkrieg an die Familie des St. Pöltners und
Rapid-Spielers
Bimbo Binder von einem ehemaligen Kollegen beim St. Pöltner Arbeiterfußballvereins
Sturm 19.
Historische Plakate

Bruno Kreisky hatte einen starken Bezug zu St. Pölten, da er hier sein Nationalratsmandat hatte. In der Ausstellung ist u.a. ein Nadelstreifanzug Kreiskys zu sehen.
Amüsantes Wahlkampfmaterial aus den 1970er Jahren.
Tafeln der Sonderausstellung
Maria Emhart und der Bürgerkrieg 1934 in St. Pölten, die von Februar bis Mai 2014 im
Stadtmuseum St. Pölten zu sehen war. In St. Pölten war
Maria Emhart führend am Widerstand und Aufstand gegen das austrofaschistische Regime beteiligt. Im Februar 1934 entging sie der standrechtlichen Hinrichtung, blieb aber vier Monate in Haft. Im inszenierten großen Sozialistenprozess des Jahres 1935 verlangte der Staatsanwalt für sie die Todesstrafe. Aus Mangel an Beweisen wurden daraus schließlich „nur“ 18 Monate Kerker. Sie musste St. Pölten verlassen und zog nach Bischofshofen in Salzburg, wo sie nach der Befreiung Vizebürgermeisterin, Landtags- und Nationalratsabgeordnete wurde.
Orte der Kämpfe im Februar 1934 in St. Pölten