Donnerstag, 2. April 2026

Prato

2.4.2026

In Prato in der italienischen Toskana habe ich ein Fußballspiel besucht. 192.000 Menschen leben hier.

Großer Bahnhof, der die wirtschaftliche Bedeutung im 19.Jh. anzeigt. Prato war wahrscheinlich bereits in der Antike besiedelt, wurde jedoch erstmals im 10.Jh. schriftlich erwähnt. Im Mittelalter war die Stadt ein Zentrum der Produktion und des Handels mit Wolle. Seit der Mitte des 19.Jh. wurde daraus eine Textilindustriestadt.


Die massiven Stadtmauern zur Verteidigung der Stadt in Kriegen wurden zwischen dem 12. und 16.Jh. errichtet. Sie sind großteils erhalten und umschließen die mittelalterliche Stadt, die heutige Altstadt. Teils wurde als Barriere auch der Flusslauf des Bisenzio genutzt.


Straßenszene. Zwischen September 1943 und März 1944 war Prato im Zweiten Weltkrieg Ort von Kämpfen zwischen deutschen Besatzungstruppen und italienischen Faschisten auf der einen und antifaschistischen Partisanen auf der anderen Seite. Im März 1944 ging von den Textilindustriearbeitern in Prato ein Streik aus, der die Kriegsproduktion für die deutsche Kriegsführung und die faschistische Herrschaft behinderte und somit eine wichtige Widerstandshandlung war. In den folgenden Wochen wurden 29 junge Partisanen in Figline di Prato erschossen und deutsche Soldaten nahmen in Razzien teils willkürlich 360 Arbeiter fest, die sie für Streikende hielten. 136 der Verhafteten aus Prato deportierten die Nazis in ihre KZ, was nur 15 bis 20 überlebten (die Angaben schwanken). Die meisten der Italiener aus Prato ermordeten die Nazis in den oberösterreichischen KZs in Mauthausen und Ebensee.


Aus dem 12.Jh. stammende, typische mittelalterliche Türme zur Machtdemonstration und als innerstädtische Verteidigungsanlagen von Stadtadels-Familien.


Der Dom von Prato. Eine erste Kirche hat man an dieser Stelle wahrscheinlich im 5.Jh. gebaut. Schriftlich erwähnt wurde sie erstmals im 10.Jh. Die Fassade ist 1386 in der hier typischen Verwendung von verschiedenfarbigen Marmorsorten grün und weiß fertiggestellt worden. Mit dem Bau des Campanile wurde im Anfang des 13.Jh. begonnen und 1356/57 hat man ihn fertiggestellt.


Der Palazzo Pretorio wurde an der Wende des 13./14.Jh. durch Zusammenlegung von drei zuvor getrennt bestehenden Gebäuden errichtet, um ein großes Rathaus zu schaffen. Da es keine gemeinsame Fassade gibt, sieht man das von außen recht gut. Seit 1912 ist hier ein Museum untergebracht.


Vor dem Palazzo steht eine 1896 geschaffene Statue des mittelalterlichen Großhändlers und Tuch-Produzenten Francesco Datini, der im 14.Jh. von Prato aus ein Wirtschaftsimperium schuf. Seine erhaltene Korrespondenz (150.000 Schriftstücke, davon allein 11.000 Privatbriefe), ist eine wichtige Quelle zur mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte.


Straßenszene


Die Kaiserburg von Prato (Castello dell'Imperatore) wurde Mitte des 13.Jh. im Auftrag des Kaisers Friedrich II. erbaut. Zuvor hatte sich hier schon eine frühere Burg befunden, die 1107 bei einer Belagerung in einem Krieg zerstört worden war. Unter der Herrschaft von Florenz über Prato wurde im 14.Jh. ein äußerer Mauerring zur Verstärkung der Verteidigung gegen Angriffe errichtet. Nach dem Mittelalter wuchs die Stadt allmählich an die Burgmauern heran bis in den 1930er Jahren alle umliegenden, teils jahrhundertealten, Häuser radikal abgerissen wurden. Auch das heutige Aussehen der Mauern mit Zinnen wurde erst in den 1930er Jahren geschaffen. Der alt erscheinende Anblick ist also noch keine hundert Jahre alt.