Freitag, 12. Juni 2026

Nové Město na Moravě

12.6.2026

In der tschechischen Stadt Nové Město na Moravě (deutsch früher Neustadtl) habe ich ein Fußballspiel besucht.

Um das Jahr 1250 wurde der Ort gegründet und 1267 erstmals schriftlich erwähnt, damals als Bočkanov nach dem hier über die Bevölkerung herrschenden mährischen Grafen Boček von Jaroslavice und Zbraslav (Boček z Jaroslavic a ze Zbraslavi). In einer späteren Urkunde wurde der Ort lateinisch Nova Civitas genannt, was deutsch Neustadt und tschechisch Nové Město entspricht. Zur Unterscheidung von vielen anderen Neugründungen, die ähnlich als Neustadt benannt wurden, entwickelte sich hier dazu im Deutschen die Benennung mit Diminutiv als Neustadtl und im Tschechischen der Zusatz „in Mähren“ na Moravě.


Schloss, errichtet ursprünglich in der zweiten Hälfte des 16.Jh. Heute ein Kunstmuseum (Horácká galerie)


Straßenszenen


Das Neue Rathaus (links) und rechts das Alte Rathaus, 1555 aus zwei zusammengefügten Stadthäusern gebaut. Im Gebäude befindet sich heute ein Heimatmuseum (Horácké muzeum).


Gedenktafel für den von den deutschen Nazis im KZ ermordeten tschechischen Kommunisten Ivan Sekanina.


Gedenktafel für das von den deutschen Nazis ermordete jüdische Mädchen Hana Brady aus dem Jahr 2005. Die 1931 geborene lebte hier mit ihrer Familie im ersten Stock des Hauses, in dem die Eltern im Erdgeschoss ein Geschäftslokal betrieben. Sie waren die einzige jüdische Familie in der Stadt. Nach dem Besetzung durch die deutsche Wehrmacht begannen zahlreiche Einschränkungen für ihr Leben, so durften Hana und ihr Bruder Jiří u.a. nicht mehr die Schule gehen. Der Vater Karel wurde 1939 für zwei Monate eingesperrt und nachdem die Nazis die Mutter Markéta im März 1941 ins KZ Ravensbrück deportiert hatten, aufgrund des Anlass, dass ihr geflüchteter Bruder ihr Geld geschickt hatte, verhafteten die Nazis den Vater im November 1941 noch einmal. Er war zunächst in Jihlava und Brünn eingesperrt und wurde dann ins KZ Auschwitz deportiert, wo er am 14. Juli 1942 von den Nazis ermordet wurde. Die Mutter ermordeten die Nazis am 29. Oktober 1942 im KZ Ravensbrück. Der Onkel Ludvík hatte zwischenzeitlich zunächst die Kinder aufgenommen, musste sie aber am 14. Mai 1942 den Nazis im Deportationszentrum Třebíč übergeben. Sie brachten sie zunächst ins KZ Theresienstadt und dann von dort weiter nach Auschwitz, wo die SS die 13-jährige Hana unmittelbar nach Ankunft des Deportationszug am 23. Oktober 1944 in der Gaskammer ermorden ließ. Bruder Jiří überlebte, da sich der 16-jährige als 18-jährig ausgab und konnte aus dem Todesmarsch der Häftlinge bei der Evakuierung des KZ im Jänner 1945 fliehen und den Holocaust überleben. Er lebte später in Kanada. In Theresienstadt blieb Hanas Koffer erhalten, in dem von ihr gemalte Bilder waren (1984 wurde er bei einem Brand zerstört). Die kanadische Schriftstellerin Karen Levine verarbeitete die Geschichte in ihrem Buch Hanas Koffer, der die Lebensgeschichte Hanas als Jugendbuch beschreibt.