Sonntag, 20. September 2026

Kreuzlingen

20.9.2026

In der Stadt Kreuzlingen (gesprochen hier Chrüzlinge) im Schweizer Kanton Thurgau habe ich ein Fußballspiel besucht. 23.000 Menschen leben hier, wobei die Kreuzlingen mit der unmittelbar nebenan liegenden deutschen Stadt Konstanz zusammengewachsen ist.

Das Kloster Kreuzlingen wurde um das Jahr 1125 als Stift vom Konstanzer Bischof gegründet, als es erstmals als Crucelin, also „(beim) Kreuzlein“ schriftlich erwähnt wurde. Davon kommt der Stadtname. Dabei stand das Stift damals an anderem Ort. Als im Schwabenkrieg von 1499 der mit dem Habsburgerkaiser verbündete Schwäbische Bund gegen die Schweizer Eidgenossenschaft verloren hatte und diese den Thurgau übernahm, überfielen Konstanzer Soldaten das Kloster und zerstörten es. Konstanz musste das nach Friedensschluss zerstörte Kloster danach wieder aufbauen und 1509 konnte dort die Stiftskirche wieder eingeweiht werden. Über ein Jahrhundert später kümmerte sich im Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) die schwedische Armee 1633 nicht um die Schweizer Neutralität und rückte in den Thurgau ein, um von hier aus die Stadt Konstanz anzugreifen. Nachdem die Belagerung gescheitert war und die schwedischen Soldaten abgezogen waren, fielen Konstanzer Soldaten ein zweites Mal über das Kloster Kreuzlingen her und zerstörten es gründlich, da es als Stützung für schwedische Angriffe gedient hatte. Der Wiederaufbau an heutiger Stelle entstand daher ab 1650 ein Stück weit, damals einen Kanonenschuss weit, entfernt von der Konstanzer Grenze. Das heutige Aussehen der Anlage stammt vom Neubau der 1650er Jahre. Mit Ende des Kriegs 1648 unterstellte sich das Kloster der Schweizer Eidgenossenschaft, womit Kreuzlingen aus dem römisch-deutschen Reich austrat. Nachdem das Stift mit der Säkularisation kirchlicher Besitztümer im Reich ihre dort liegenden Besitze verloren hatte, hob die Kantonsregierung des Thurgau 1848 das Stift ganz auf und verstaatlichte seinen verbliebenen Besitz. Heute ist darin eine Schule.


Die Grenznähe ergibt eine Stadtbevölkerung, die nur zu etwas mehr als der Hälfte Schweizerinnen und Schweizer sind. Ein Drittel der hier lebenden sind Deutsche.


Das heute dicht beiderseits dicht verbaute Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Deutschland, verläuft heute kaum merkbar zwischen Kreuzlingen und Konstanz. Gegen die kriegerische Bedrohung eines Angriffs aus Nazideutschland errichtete die Schweizer Armee ab 1937 den Festungsgürtel Kreuzlingen, dessen militärische Anlagen bis in die 1990er Jahre betrieben wurden. Während des Zweiten Weltkriegs, in dem die Schweiz als Bankier nutzbringend war und im Unterschied zu halb Europa daher nicht mit von den Nazis mit Krieg und Tod überzogen wurde, baute die Schweizer Armee ab 1939 noch zusätzlich einen Grenzzaun zwischen den beiden Städten. Er diente aber nicht dazu, etwa die deutsche Wehrmacht aufzuhalten, sondern sollte verhindern, dass vor den Nazis fliehende Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, ihr Leben durch Flucht in die Schweiz retten konnten. So wurde er umgangssprachlich auch „Judenzaun“ genannt. Hitler-Attentäter Georg Elser, der im November 1939 mit einem Bombenanschlag an der Tötung der NSDAP-Spitze knapp gescheitert war, wurde bei seinem Fluchtversuch aus Konstanz an der Grenzen am ihm noch nicht bekannten Zaun verhaftet. Die Nazis konnten ihn so ins KZ stecken, wo sie ihn gegen Kriegsende 1945 ermordeten. Ab 1999 wurde der Zaun Großteils abgebaut.


Kreuzlingen liegt am westlichen Ufer des Bodensees