Sammelsurium
Samstag, 14. Februar 2026
Prešov
14.2.2026
In der ostslowakischen Stadt Prešov habe ich das eine und das andere Fußballspiel besucht. 82.000 Menschen leben hier.
Námestie mieru (Friedensplatz). Prešov ist die drittgrößte Stadt der Slowakei. Jahrhundertelang war Prešov von der Mischung einer slowakischen, ungarischen und deutschen Bevölkerung geprägt. Deutsch hieß die Stadt Eperies und ungarisch Eperjes. 1880 waren von den 10.139 Einwohnerinnen und Einwohnern 5.705 slowakisch (56%), 1.963 ungarisch (19%) und 1.889 deutsch (19%). Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde das beendet. Auch hier war die Folge der Verbrechenspolitik der Nazis das Ende jahrhundertelangen deutschen Lebens in Ostmitteleuropa. Heute ist die Bevölkerung fast ausschließlich slowakisch.
1374 erhielt die Stadt vom ungarischen König die Ernennung zur königlichen Freistadt, womit sie auch eine eigene Stadtmauer zur Verteidigung in Kriegen bauen konnte. Eine Bastei als Überrest der Stadtmauer aus dem 14.Jh.
Die ehemalige Neologe Synagoge aus dem Jahr 1887, in der Nachkriegszeit stark durch Abriss der Türme und Veränderung der Fassade verändert. Einen großen Einschnitt brachte das faschistische Massenmorden. Vor dem Krieg 1939 war etwas ein Fünftel der Stadtbevölkerung jüdisch und es gab fünf Synagogen in der Stadt. Fast alle (rund 90%) Jüdinnen und Juden wurden von slowakischen Faschisten und deutschen Truppen in KZ deportiert und von den Nazis ermordet. Mitsamt den in Dörfer im Umland lebenden waren es 6.400 Ermordete.
Die Orthodoxe Synagoge wurde 1897/98 errichtet, nachdem die jüdische Religionsspaltung in Ungarn 1871 zur Aufspaltung der jüdischen Gemeinde geführt hatte.
Links die ehemalige Klaus-Synagoge ist ein moderner Bau aus den Jahren 1934/35. Nach der Ermordung der jüdischen Bevölkerung der Stadt wurde daraus in der Nachkriegszeit ein Bürohaus gemacht. Die hebräische Aufschrift hinten erinnert an die einstige Funktion.
Streetart
Straßenszene.
Als die Stadt am großen Aufstand des Siebenbürgen und die heutigen Slowakei beherrschenden ungarischen Magnaten Thököly gegen die Habsburgerherrschaft teilnahm, traf auch sie die Repression nach der blutigen Niederschlagung durch die kaiserliche Armee. Hintergrund war die religiöse Repression unter Habsburger-Kaiser Leopold I. gewesen, unter der auch hier in der Stadt zuvor einige Zeit geduldete evangelische Kirchen und Schulen geschlossen werden mussten und wieder nur mehr die römisch-katholische Religion erlaubt war. 1687 verhafteten die kaiserlichen Soldaten in der Stadt rund 300 Menschen, davon dutzende der reichsten und angesehensten Bürger. Sie wurden schwer gefoltert (mit Zufügen schwerer Verletzungen wie Verbrennungen und dem Einführen glühender Drähte in Harnröhre und After, wie berichtet wird) und schließlich 24 Menschen öffentlich hingerichtet und aufgeteilte Leichenteile an den Stadttoren befestigt. Ein Denkmal für die Hingerichteten wurde 1908 an der Ecke des Gebäudes des evangelischen Kollegiums errichtet. 1995 besuchte der römisch-katholische Papst Johannes Paul II. Prešov und betete gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Ján Midriak vor diesem Denkmal für die Toten. Das evangelische Kollegium wurde 1667 erbaut, 1673 übernahmen es die Katholiken und unter der Toleranzpolitik Kaiser Joseph II. erhielten es 1783 die Evangelischen zurück.
An der Stelle der Hinrichtungen der evangelischen Bürger errichteten die Katholiken eine Mariensäule, um den katholischen Triumph zu feiern.
Erste slawische Besiedlung gab es hier im 5.Jh. Neben der slowakischen Siedlung kamen im 12.Jh. nach der ungarischen Eroberung um 1100 zwei ungarische Dörfer dazu und als nach der weiträumigen Verwüstung des Landes in den Mongolenkriegen 1241 und 1242 der ungarische König Béla IV. deutsche Kolonisten zur Ansiedlung einlud, kamen die später nach der hiesigen Region Zips so benannten Zipser Sachsen hierher und erhielten für ihre neue Siedlung auch bald das Stadtrecht. Der heutige langgezogene Hauptplatz, die Hlavná ulica, entstand im 14.Jh., als sich die deutsche Stadt und die slowakische Marktsiedlung in ihrem Wachstum näher kamen, als Freiraum zwischen ihnen.
Die Nikolauskirche wurde ab 1347 anstelle einer Vorgängerkirche aus dem Jahr 1230 gebaut als gotische Kirche gebaut. In der Zeit der Reformation war sie 1531 bis 1671 evangelische Kirche.
Straßenszenen. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 verfolgte die ungarische Regierung eine systematische Magyarisierungspolitik mit Sprachvorschriften, die auch hier den ungarische Bevölkerungsanteil und die ungarische Prägung der statt zulasten der deutschen und slowakischen Bevölkerung ansteigen ließ. Mit dem Ende der Habsburgermonarchie und der Entstehung der Tschechoslowakei kam ein erneuter Umbruch, da nunmehr die slowakische Prägung der Stadt staatlich gefördert wurde. Anstatt Ungarn übernahmen die Positionen in der öffentlichen Verwaltung zugereiste Tschechen, später dann auch Slowaken.
Die griechisch-katholische Kathedrale St. Johannes des Täufers (gréckokatolícka katedrála sv. Jána Krstiteľa) wurde 1754 auf Grundmauern einer mittelalterlichen gotischen Kirche erbaut. Zusammen mit dem Bischofspalast und der griechisch-katholischen theologischen Fakultät bildet sie einen einzigen Gebäudekomplex.
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