Dienstag, 13. Oktober 2026

Čadca

13.10.2026

In der slowakischen Stadt Čadca habe ich ein Fußballspiel besucht. 22.000 Menschen leben hier.

Der in markanter tschechoslowakischer Nachkriegsarchitektur des sogenannten Brüsseler Stils errichtete Bahnhof aus den Jahren 1967 bis 1969. Čadca ist ein wichtiger Bahnknotenpunkt und im Dreiländereck der slowakischen Grenze mit Tschechien und Polen. 1871 hat man hier die Eisenbahnverbindung eröffnet. Die kommunistische Symbolik im Relief hat man nach der Wende entfernt.


Straßenszenen. Čadca schrieb man auf slowakisch bis 1927 Čaca, auch in der seinerzeitigen deutschen Namensversion Tschadsa lautet der Name ebenso wie in der polnischen Variante Czadca gleich.


Rathaus. Čadca wurde im 16.Jh. als Dorf zum ersten Mal schriftlich erwähnt. 1788 erhielt der Ort Stadtrecht.


In der Revolution von 1848/49 versuchte sich Ungarn im Krieg aus der Habsburgermonarchie zu lösen. Neben kroatischen Truppen aus dem Süden des damaligen ungarischen Königreichs kämpften hier in dessen Norden auch slowakische Truppen gegen die Ungarn an der Seite der kaiserlichen Armeen in der Hoffnung Selbständigkeitsrechte dafür zu erhalten. Diese gab ihnen der neue Kaiser Franz Joseph nach der blutigen Unterdrückung der ungarischen Revolution in langem Krieg nicht. Am 4. Dezember 1848 hatten slowakische Kriegsfreiwilligen gemeinsam mit kaiserlichen Soldaten die Stadt besetzt und es tagte hier ein neugebildeter Slowakischer Nationalrat mit zahlreichen prominenten Mitglieder wie Ľudovít Štúr, Jozef Miloslav Hurban (nach denen in der Slowakei nicht nur zwei Städte benannt sind sondern die auch in praktisch jedem Ort des Landes eine nach ihnen benannte Straße haben) und beschloss hier am 6. Dezember 1848 eine Erklärung mit Forderungen für Selbstständigkeitsrechte. Daran erinnert das Denkmal.


Jugendstil


Bereits im Jänner 1919 hatten der 1918 wiedergegründete Staat Polen und der neugegründete Staat Polen in Schlesien eine Woche lang Krieg um den Grenzverlauf geführt. Als die Westmächte Großbritannien, Frankreich und Italien Hitler 1938 im Münchner Abkommen die militärische Besetzung und Eingliederung von deutschsprachigen Teilen der Tschechoslowakei zustanden, im Glauben, damit einen Krieg zu vermeiden, nutzte Polen dies zu einem militärischen Angriff. In der Schlacht bei Čadca (Bitka pri Čadci) am 25. November 1938 drängte die polnische Armee die tschechosloiwakischen Truppen zurück und besetzte mehrere Dörfer und die strategisch wichtige Eisenbahnstrecke. Da die Nazideutschland wenige Monate später ganz Tschechien besetzte, die Tschechoslowakei zerschlugen und als nächsten Staat Polen militärisch angriff, war das nur von kurzer Dauer. Die Nazis gliederten das polnisch besetzt gewesene Gebiet 1939 in ihren Vasallenstaat Slowakei ein und nach der Befreiung 1945 blieb das Gebiet tschechoslowakisch.


In der Armut und dem Elend der Menschen in Zeiten der Habsburgermonarchie entwickelte sich hier mit dem Handwerk der Kesselflickerei (Drotárstvo) eine Tradition, in dem herumziehende Handwerker Töpfe und Geschirr mit Lötwerkzeug reparierten.