Freitag, 20. Mai 2022

Lednice

20.5.2022

Im tschechischen Lednice (deutsch früher Eisgrub) wurde ein Fußballspiel besucht. 2.200 Menschen leben hier.

Anfangs des 19.Jh. begannen sich die, die Gegend jahrhundertelang besitzenden und die in ihr lebende Bevölkerung beherrschenden, Fürsten Liechtenstein die Landschaft zu einem Landschaftspark mit Bauten und Schlössern gestalten zu lassen. Ein Teil davon lag südlich der Landesgrenze zwischen den habsburgischen Kronländern Mähren und Österreich unter der Enns (Niederösterreich) im niederösterreichischen Feldsberg, das nach dem Ende der Monarchie und durch die Verschiebung der Grenze zum tschechischen Valtice wurde. Der andere Teil um Lednice war damals schon in Mähren, zu der Zeit mit dem Rest der Gegend zu über 90% deutschsprachig und Eisgrub genannt. Der Tempel der drei Grazien (tschechisch Chrám Tří grácií) wurde 1824/25 errichtet. Die namensgebende, im Halbrund der konvexen Fassade angeordneten Frauengruppen-Statuen zeigt – entgegen der Benennung – nicht die Chariten (drei Grazien) Aglaia, Euphrosyne und Thalia, sondern die Göttinnen Artemis, Athene und Aphrodite. Die Figurengruppe stammte von Johann Martin Fischer, stand ursprünglich im Eisgruber Schlosspark und wurde hierhin versetzt.


Finanziert werden konnte der Luxus der Fürsten Liechtenstein aufgrund der Erträge der Arbeit der von ihnen beherrschten Menschen. Der 1809 errichtete Neuhof (tschechisch Nový dvůr) war ein Mustergut auf den Besitzungen der Liechtensteiner. Der Bau diente in seiner Pracht der Repräsentation, hatte aber auch die Funktion des Gutsbetriebs als Zentrale der hier betriebenen Landwirtschaft samt Viehställen und Unterkünften der Landarbeiterinnen und Landarbeiter.


Die Teichlandschaft Lednické rybníky besteht aus sechs Teichen. Die Teiche wurde Ende des 14.Jh. als Fischteiche in der Sumpflandschaft rund um die hier bis 1918/19 verlaufenden Landesgrenze zwischen Mähren und Niederösterreich gebaut.


Hoch über dem Wasser ließen sich die Liechtenstein im Rahmen der Landschaftsparkgestaltung mehrere Bauten und kleine Schlösser errichten. Eines dieser Bauten ist der 1817 bis 1819 im Stil des Klassizismus und der damals modernen Leidenschaft für die Antike errichtete Apollo-Tempel (Appolonův chrám).


Der Bahnhof auf der im Jahr 1901 als Localbahn Lundenburg–Eisgrub eröffneten Eisenbahn von Břeclav hierher. Die Bahnhofsfassade wurde hier wie ebenso am Bahnhof in Poštorná (deutsch früher Unterthemenau) mit glasierten Verblendziegel der damaligen Fürstlich Liechtensteinischen Keramikfabrik Unterthemenau (heute: PKZ Keramika Poštorná) gestaltet, was als Werbung und Anschauungsobjekt für deren Produkte diente.


Starßenszenen. Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 wurde Eisgrub, dessen Einwohnerinnen und Einwohner zu 92 % deutschsprachig waren, zum Bestandteil der neugegründeten Tschechoslowakischen Republik. Mit der tschechoslowakischen Bodenreform von 1924, mit der zwei Drittel des Liechtenstein-Besitzes an Bauern aufgeteilt wurde, sowie mit der Ernennung von neuen Beamten, siedelte der neue Staat vermehrt tschechische Bewohnerinnen und Bewohnern hier in seinem Grenzgebiet an. Viele, aber nicht alle, der alteingesessenen Deutschen unterstützten hier wie anderswo die Nazis. Nach Kriegsende 1945 wurden in Racheaktionen für die Verbrechen an der tschechischen Bevölkerung während der NS-Terrorherrschaft im Zuge der sogenannten wilden Vertreibungen zunächst noch im Mai 1945 rund 400 Menschen über die österreichische Grenze vertrieben und mehrere Menschen dabei ermordet. Bis auf drei Personen wurden die restlichen 474 deutschen Ortsbewohnerinnen und Ortsbewohner dann staatlich organisiert zwischen 15. März und 3. Oktober 1946 vertrieben und aus Eisgrub endgültig Lednice.


An der Stelle des Schlosses stand seit dem 14.Jh. ein für Kriege militärisch befestigter Gutshof der Liechtenstein. Diese ließen die Anlage im 17. im Barockstil und nochmal im 18.Jh. im Stil des Klassizismus erweitern und zu einem Schloss ausbauen. Als Ländschlösser im Stil der englischen Tudor-Neugotik modern waren, wurde das Schloss Lednice dementsprechend umgebaut und präsentiert sich heute so.


Der Schlosspark hat Teiche und Wasserläufe. Betrieben wird das von einem 1844 errichteten und in maurisch-arabischem Stil geschmückten Wasserwerk.


Bootrundfahrten im Schlosspark


Sichtachse vom Schloss zum Minarett.


Das Minarett wurde 1797 bis 1804 nach Plänen von Joseph Hardtmuth im Auftrag von Alois I. von Liechtenstein errichtet. Es stand am Ende einer der acht Alleen und Sichtschneisen, die den Jagdstern des Wildgeheges von Schloss Eisgrub bildeten und von denen jede an ihrem Ende einen solchen optischen Bezugspunkt erhielt. Das Minarett war der exotischste und aufwändigste dieser Staffagebauten. Bedingt durch das sumpfige Gelände war es sehr aufwändig, das Gebäude stabil zu errichten. Sein Fundament ruht auf hunderten von mit Eisen beschlagenen Holzpfählen, mehreren übereinander liegenden Holzrosten und einer abschließenden Lage Steinplatten. Erst darauf wurde das Fundament aufgemauert. Insgesamt hat das Minarett die Untertanen des Fürsten Liechtenstein das riesige Vermögen von fast einer Million Gulden gekostet (nach heutiger Kaufkraft circa 20 Mio. Euro).


Schlosspark


Stallungen und Reithalle des Schlosses, 1688 bis 1701 gebaut


Pivovar Lednice