Freitag, 4. September 2026

Ferlach

4.9.2026

In der Kärntner Stadt Ferlach (slowenisch Borovlje) habe ich ein Fußballspiel besucht. 7.500 Menschen leben in der aus 27 Ortschaften bestehenden Stadtgemeinde, wobei es im Hauptort Ferlach selbst 4.600 sind.

Der alte Bahnhof der 1906 eröffneten Ferlacher Bahn (Einstellung des Personenverkehrs 1951) wird heute vom Verein Nostalgiebahnen betrieben.


Seit 2003 erinnert am Bahnhof ein Gedenktafel an die Deportation von elf Kärntner slowenischen Familien aus Ferlach/Borovlje, durch die Nazis. 1942 überfielen SS-Truppen im Morgengrauen in Kärnten ausgesuchte Sloweninnen und Slowenen und deportierten unter Beraubung ihres Besitzes gewaltsam ingesamt 1.075 Personen aus 220 slowenische Familien aus ihrer Heimat Kärnten. Im 19.Jh. war Ferlach eine mehrheitlich deutschsprachige (1880 war es zu zwei Drittel deutsch und zu einem Drittel slowenisch) Sprachinsel in slowenischsprachigem Umland. Heute sind nach Unterdrückung, Vertreibung und Assimilation nur mehr acht Prozent in der Stadt slowenisch und auch das Umland überwiegend deutschsprachig.


Straßenszenen. Über Jahrhunderte prägte die Waffenproduktion Arbeit und Wirtschaft der Stadt. Seit dem 14.Jh. ist Eisenverarbeitung in Ferlach nachweisbar, wozu nahe Erzvorkommen im Gebirge der Karawanken sowie durch Flussläufe zur Verfügung stehende Energie aus Wasserkraft genutzt werden konnten. 1514 ließ der Habsburgerkaiser Ferdinand I. in der nach Kriegen durch osmanische Heere und durch Bauernaufstände gegen ihre Unterdrückung und Ausbeutung durch die Adelsherrschaft verwüsteten Stadt Klagenfurt/Celovec ein Zeughaus einrichten, also ein Waffenarsenal. Das musste mit allerhand Waffen gefüllt werden, was die Produktion ankurbelte. Ferlach wurde ein Zentrum für die Herstellung blanker Waffen und von Feuerwaffen. Hunderte Büchsenmacher-Meister fertigten in ihren Werkstätten bis ins 18.Jh. v.a. Waffen für das Militär. Danach verlagerte sich die Produktion in Ferlach auf Jagdwaffen, die auch heute noch hier hergestellt werden.


KESTAG


Der Ortsname, im Jahr 1246 als Vörelach erstmals schriftlich erwähnt, spielt in deutschen wie in der slowenischen Variante Borovlje („Leute am Föhrenwald“) auf die hiesigen Wälder aus Föhren an. Das zentrale Motiv des seit 1960 bestehenden Ferlacher Wappens ist die Föhre.


Denkmal für die Toten aus der KESTAG des Abwehrskampfs 1920 gegen die Besetzung und Abtrennung des Landes durch Truppen des neuen südslawischen Staats


Schloss Ferlach, ein im 16.Jh. errichtetes ehemaliges adeliges Herrenhaus, das um 1780 erweitert wurde. 1991 kaufte die Stadt das Gebäude, seit 1998 ist darin ein Museum


Bezirksgericht


Während nach der Kapitulation der Nazis am 8./9. Mai 1945 in Europa bereits Frieden herrschte, griffen SS und zur Unterstützung der NS-Herrschaft nach 1941 gebildete slowenische Truppen am 10. Mai die jugoslawischen Partisanen in der Region an und stießen unter massivem Feuer von 17 Panzer und zwei slowenischen Batallionen auf Ferlach / Borovlje vor, um über den Fluss Drau zu gelangen und sich der britischen Armee ergeben zu können und nicht in jugoslawischen Kriegsgefangenschaft zu geraten, von denen sie sich aufgrund ihrer zahlreichen Massaker und Morde an der Bevölkerung berechtigterweise keine gute Behandlung erwarteten (die Jugoslawen erschossen in den Wochen und Monaten nach Kriegsende zehntausende Menschen). Zahlreiche Gebäude Ferlachs wurden in Brand geschossen. Die Opferzahlen der Ferlacher Kämpfe schwanken wurden nie richtig festgestellt und schwanken in den Angaben zwischen 3 und 50 Slowenen und zwischen 18 und 180 jugoslawischen Partisanen, zu denen auch ein im März 1945 gebildetes österreichisches Batallion von aus der deutschen Wehrmacht desertierten Österreichern zählte. Viele der getöteten Partisanen wurden von deutscher SS und verbündeten Slowenen in die Drau geworfen. 49 Getötete wurden am alten Ferlacher Stadtfriedhof bestattet und nach dessen Auflassung 1959 auf den neuen Friedhof verlegt.


Blick auf die Burg Hollenburg am anderen Ufer der Drau