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Samstag, 23. Februar 2013

Django Unchained



Django Unchained
USA 2012
Regie: Quentin Tarantino
u.a. mit: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L. Jackson





Die Menschenverachtung der rassistischen Sklavenhaltergesellschaft der US-Südstaaten des 19.Jh. − und der heroische Kampf eines Einzelnen um seine Frau − ist das Thema des Films. Es ist ein in den USA produzierter Western nach Motiven des Italowesterns, ein Genre, aus dem sich Quentin Tarantino schon in seinen früheren Filmen gerne zitiert hatte. Die moralische Fragwürdigkeit des Justizsystems des Kopfgeldjagens wird offensichtlich, wenn ein des Mordes Verdächtiger vor den Augen seines Sohnes aus großer Entfernung erschossen wird. Dies ist natürlich nichts anderes als ein Mord, ein Justizmord.

Als Western funktioniert der natürlich im Tarantinostil plakativ gewalttätige Film hervorragend. Allein der kaum erträgliche zweimalige bluttriefende Showdown ist beeindruckend. Einige Genreelemente und Zitate oder etwa der Dialog der Djangos mit Franco Nero lassen den Kenner schmunzeln. Die Dramaturgie und Spannung ist wunderbar aufgebaut.

Tarantino-untypisch ist das Fehlen einer starken Frau im Film, auch eines der großen Mankos des historischen Italowestern.

Sonntag, 2. Januar 2011

Adams Äpfel



Adams Äpfel
(Adams æbler)
Dänemark 2005
Regie: Anders Thomas Jensen
u.a. mit: Ulrich Thomsen, Mads Mikkelsen





Der nette kleine dänische Film ist eine Variation des religiösen Motivs des biblischen Buchs Hiob, in dem der Gott einen Gläubigen quält und damit prüft. Im Film spielt dies in einer kleinen dänischen Landkirche, wo der von Schicksalsschlägen gebeutelte Pfarrer Ivan ehemalige Straftäter zur Resozialisierung bei sich aufnimmt. Auch wenn ihm dies offensichtlich nicht gelingt, lebt er in seiner eigenen Welt, leugnet und ignoriert alles Böse und alle schlimmen Erfahrungen. Dem auf Bewährung freigekommenen Neonazi Adam gelingt es durch Aggression, Ivans Welt zum Einsturz zu bringen. Doch nach der Akzeptanz der göttlichen Urheberschaft an allem Bösen gerät alles durch verrückte, wundersame Weise wieder ins Lot.
Manche Szenen verstören: Der zunächst sympathisch erscheinende Pfarrer ist verlogen und egozentrisch, während der Nazi geradezu menschlich erscheint. Nackte Gewalt offen zelebriert. Den biblischen Plagen wird kurzentschlossen mit Schußwaffeneinsatz begegnet. Eine zutiefst religiöse Geschichte des Findens zu Gott, doch mit derart schwarzem Humor gepfeffert, daß man dies geflissentlich übersehen und sich amüsieren kann.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Die fünf Gefürchteten



Die fünf Gefürchteten
(Un esercito di 5 uomini)
Italien 1969
Regie: Don Taylor, Italo Zingarelli
u.a. mit: Peter Graves, Bud Spencer, Nino Castelnuovo





Ein hervorragendes Beispiel, wie mit "herkömmlichen" Zutaten ein unterhaltsamer, spannender Western erzeugt werden kann. Fünf Halodris jagen im revolutionären Mexiko des frühen 20.Jhs. der Armee Gold ab und geben es, teilweise unfreiwillig, den Revolutionären. So weit, so well-known. Doch die Handlung ist gescheit gestrickt, stets fesseld und rasant (sie spielt zu einem guten Teil auf einem fahrenden Zug), die Aktionen brutal, die Landschaft wunderschön photographiert. Dazu souveräne Schauspieler. Mit Bud Spencer in einer "harten" Rolle, die zeigt, was für ein guter Italowesterndarsteller er war, bevor er ins Klamaukfach abdriftete.

Montag, 4. Januar 2010

Die Trampler



Die Trampler / Die um Gnade winseln
(Gli uomini del passo pesante)
Italien/Frankreich 1965
Regie: Alfredo Antonini, Mario Sequi
u.a. mit: Gordon Scott, Joseph Cotten, Muriel Franklin, James Mitchum, Ilaria Occhini, Franco Nero






Ein großartig erzähltes Familienmelodram im Westerngewand um eine alten Patriarchen, der sich mit den neuen Zeiten (Südstaat Texas nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg) nicht anfreunden kann und darum Söhne und Töchter verliert. Wäre da nicht die harte Brutalität des Italowesterns, man könnte aufgrund der epischen Breite (müssen Südstaatendramen anscheinend haben), der Vielfalt und Tiefe der Charaktere, des politischen Settings und der Moral fast von einer griechischen Tragödie sprechen. Ein unerwartetes, herausragendes Kleinod in der Fülle dieses Genres! Das sind die Filme, für die ich mir dutzende durchschnittliche Italowestern ansehe, um solche wahren Prachtstücke zu entdecken.
Mit Franco Nero in einer Nebenrolle dieses sehr frühen Italowesterns und einem glänzenden Joseph Cotten als Patriarch Cordeen.

Mittwoch, 18. November 2009

Heute ich ... morgen du


Heute ich ... morgen du
(Oggi a me ... domani a te)
Italien 1967
Regie: Tonino Cervi
u.a. mit: Brett Halsey (Montgomery Ford), Bud Spencer, William Berger, Tatsuya Nakadai





Ein Film, der mich etwas unschlüssig zurückläßt. Ziemlich hölzern erscheinen Italowesternstandards wie eine Rückblende und eine Folterszene. Trotz der "dunklen" Hauptfigur (Brett Halsey als seine Frau rächender Bill Kiowa) ästhetisch am sauberen, hellen US-Western orientiert, wobei der an einen Dschungelfilm erinnernde Kampf der Bösen und Guten im Wald eine zwar interessante, aber nicht überzeugende Idee darstellte. Uninspiriert sind die schauspielerischen Leistungen - mit Ausnahme des outrierenden Bösewichts (Kurosawa-Schauspieler Tatsuya Nakadai), der als manische Grimasse wenn auch schlecht, so doch zumindest eigen interpretiert wird, bleibt Brett Halseys Spiel in Erinnerung, der den ganzen Film mit derselben ausdruckslosen Miene bestreitet.

Ulrich Bruckners Einschätzung als "kleines Meisterwerk" kann ich nicht folgen. Ja, die Kopie von Mustern der Glorreichen Sieben oder Sergio Leones Rückblende ist unverkennbar. "In einem Interview verkündete Cervi einst, dass er einen Film im typischen Samurai-Stil machen wollte, was ihm schließlich ziemlich gut gelungen ist." schreibt Bruckner. Das mag mit einem anderen Raster betrachtet stimmen, als Western hat der Film mich entäuscht.

Literatur:
Ulrich P. Bruckner, Für ein paar Leichen mehr. Der Italo-Western von seinen Anfängen bis heute. Stark erweit.u.aktual.Neuausg., Berlin 2006, S.227-229

Dienstag, 3. November 2009

Die letzte Rechnung zahlst du selbst



Die letzte Rechnung zahlst du selbst
(Al di là della legge)
Italien/BRD 1967
Regie: Giorgio C. Stegani
u.a. mit: Lee Van Cleef, Antonio Sabàto, Lionel Stander, Graziella Granata, Bud Spencer, Herbert Fux






Trotz einiger gelungener Szenen und manch gut Kopiertem ist ein guter Film dann doch mehr als die Summe solch einzelner Teile. So bleibt das Lehrstück um die Versuchung des ehrlichen Lebens für den bisher mit beiden Beinen im Kriminal stehenden, sehr räudig spielenden Lee Van Cleef zu einfach gestrickt. Zu dunkel sind die Bösewichter (deren Chef sogar mit langem schwarzen Mantel), zu blond die Guten. Da bleibt für die Dazwischenstehenden, die Essenz des Italowesterns, zu wenig Platz. So entsteht ein Hybrid mit Elementen aus Italo- (Setting und Härte) US-Western (die Moral) mit einer getragenen hollwoodesken Orchestermusik als Soundtrack. Nicht so meins.

Mittwoch, 30. September 2009

Inglorious Basterds



Inglourious Basterds
USA/Deutschland/Frankreich 2009
Regie: Quentin Tarantino
u.a. mit: Brad Pitt, Mélanie Laurent, Christoph Waltz






Es ist Shosannas Film. Ihre Geschichte ist die interessante Erzählung, der fazinierende Handlungsstrang. Die im Titel genannte fiktive jüdisch-amerikanische Rächertruppe im deutsch besetzten Frankreich der 1940er Jahre ist dazu Beiwerk. Mit grauslichen Szenen des Skalpierens mit offenen Hirnansichten und in die Stirn der Nazis eindringendem Messer, das ihnen das Hakenkreuz als Kainsmal ins Gesicht schneidet. So abgestumpft bin ich leider nicht: Mir hat dabei irrsinnig gegraust. Das muß ich nicht sehen. Das will ich nicht sehen.

In das Gelächter des Kinopublikums über SSler und Gestapomänner habe ich leider auch nicht einstimmen können. Dazu weiß ich einfach zu viel über sie in der Realität als daß ich das einfach als fiktive, von realer Geschichte und realen Menschen unbelastete Situationskomik sehen könnte. Ich kann mir die realen Menschen und ihr Leiden zu sehr vorstellen als daß ich Bilder von SS-Männern, die jüdische Familien umbringen, und sogar von Nazisoldaten, die totgeprügelt werden, ähnlich konsumieren kann wie Hobbits, die mit Laserschwertern gegen Klingonen kämpfen. Tut mir leid. Auch wenn das den Film tragende Spiel mit der Sprache im Wechsel von Englisch, Französisch und Deutsch mich in der Kulmination der sich in Italienisch versuchenden amerikanischen Basterds, die vom idealtypisch kaltblütigen wie die Kultiviertheit vor sich her tragenden SS-Offizier aufgeplattelt werden, zum Lachen gebracht hat. Man darf über Hitler und Nazis lachen. Ich hab' oft nicht können.

Brad Pitt ist amüsant, allerdings nur in seiner Rolle als Brad Pitt. Christoph Waltz ist tatsächlich sehr gut, hätte ich nach den doch skeptisch stimmenden medialen Jubelorgien nicht erwartet. Daniel Brühl hab' ich nicht ausgehalten, was aber auch an dem wohl gewollten Kontrast zwischen seinem lieblichen Schwiegersohngesicht und seiner hochgradig unsympathischen Rolle liegen mag. Im Zentrum steht dennoch Mélanie Laurent als Shosanna. Die Tarantino-typische Frauenfigur, die in ihrer Biographie dargestellt wird und die Heldin des Films wird.

Ihre Geschichte hat mich am Film fasziniert. Nicht der Traum des Kinoverrückten Tarantino der Beendigung des Weltkriegs durch Ermordung der Naziführung in einem Kino, bei einer Filmpremiere, durch das Feuer von enzündeten Filmrollen. Nicht die kontrafaktische Vision der Heldengeschichte eines jüdischen Kommandotrupps auf Deutschenjagd im Zweiten Weltkrieg. Nicht die schlußendliche, ersehnte Demütigung des Naziverbrechers. Nicht die, ebenfalls tarantinotypischen, Anklänge an Italowestern.

Das war gut, hat mir gefallen. Eigentlich war mir das aber zu wenig gemessen an der Erwartungshaltung. Liegt aber auch an den hohen Ansprüchen. Wäre der Film von jemand anderen, wäre ich gnädiger. Tarantino hatte seine Zeit. Er steigert mit jedem Film den Aufwand, wird aber immer schlechter.

Dienstag, 4. August 2009

Liebe mich, wenn du dich traust



Liebe mich, wenn du dich traust
(Jeux d'enfants)
Beligien/Frankreich 2003
Regie: Yann Samuell
u.a. mit: Guillaume Canet, Marion Cotillard






Aber warum bringen sie sich am Schluß um? Ich mein, sich umbringen ist ja blöd, weil man dann ja tot ist. Das ist ja jetzt eine unvermeidliche, aber per se nicht sonderlich erstrebenswerte Perspektive. Schließlich hat man ja nichts mehr von einander, wenn man tot ist? Und es tut weh? Wahrscheinlich hab' ich das zu rational aufgefaßt. Aber sonst ist das schon ein sehr netter Film. Natürlich voller dick aufgetragenem Pathos. Kinder, sterbende Mutter, schmachtend im Regen. Aber überraschend witzig. Und nicht eindimensional, sondern mit den übersteigerten Gemeinheiten gegen Ende durchaus mit Überraschungen und sowas wie Spannung. War unterhaltsam.

Dienstag, 21. Juli 2009

Die hundert Tage von Palermo


Die hundert Tage von Palermo
(Cento giorni a Palermo / Cent jours à Palerme)
Italien/Frankreich 1984
Regie: Giuseppe Ferrara
u.a. mit: Lino Ventura, Giuliana de Sio, Stefano Satta Flores





Eine Film über den Kampf des Carabinierigenerals Dalla Chiesa gegen die Mafia in Palermo 1982. In dokumentarischem Stil wird viel Authentizität vermittelt. Herrlich gekonnt das zurückgenommene Spiel von Lino Ventura als verhärmter, aber prinzipienfester Beamtentyp Dalla Chiesa.
100 Tage eines Antimafiakämpfers, geprägt von Bürokratie und Politik, hartem Durchgreifen mit dem Versuch, den gordischen Knoten gleichsam mit dem Schwert zu durchschlagen, Anrennen gegen Strukturen, Versuch über die Bande (direkte Ansprache von Zielgruppen, Medien) zu spielen, schließlich tot am Straßenrand.

Das Frappierende ist, daß der Film mit nur geringfügigen Modifikationen auch ein Vierteljahrhundert später spielen könnte. Die unveränderte Brisanz des Themas wurde ja zuletzt am Erfolg von Roberto Saviano deutlich. Palermo oder Neapel als Chiffren.

Montag, 29. Juni 2009

Die gefürchteten Vier


Die gefürchteten Vier
(The Professionals)
USA 1966
Regie: Richard Brooks
u.a. mit: Burt Lancaster, Lee Marvin, Jack Palance, Claudia Cardinale, Robert Ryan, Woody Strode





Selten war ein um eine Liebesgeschichte gestrickter Western so unterhaltsam. Dazu kommt, daß dieser Film auch ästhetisch dem sehr nahe kommt, wie für mich ein guter Western sein muß: Dreck und Schweiß, Wüste, Coolness, Spannung, plakative Dramatik, intelligente Geschichte. Etwas, was ich normalerweise nur im Italowestern finde, nicht im amerikanischen. Nur die dann doch an den klassischen US-Western angelehnte Musik war hier nicht mein Fall, sonst hat dieser Film viel Freude bereitet.

Die mexikanische Revolution als Hintergrund, vor dem Ethik und Politik thematisiert werden - Revolutionäre als Verbrecher? - und als Lehrstück zum Schluß die neugewonnene Moral über den Mammon siegt. Und das alles in einem Western. Das ist einfach schön.

Montag, 15. Juni 2009

Adiós Sabata


Adiós Sabata
(Indio Black, sai che ti dico: sei un gran figlio di...)
Italien 1970
Regie: Frank Kramer (Gianfranco Parolini)
u.a. mit: Yul Brunner, Dean Reed, Pedro Sanchez (Ignacio Spalla), Gérard Herter





Im revolutionären Mexiko ist ein Goldschatz zwischen verbrecherisch-brutalem und korrupten Militär und von Revolverhelden unterstützten Revolutionären umkämpft. Soweit das klassische Setting. Es spielt diesmal aber nicht in der Revolution von 1910, sondern in den 1860er Jahren, rund um den Widerstand gegen das Regime des habsburgischen "Kaisers" Maximilian. So sind die gegnerischen Soldaten hier auch Österreicher, was historisch falsch ist - Maximilian wurde von französischen Truppen gestützt. Ich vermute mal, daß dies keine historische Ungenauigkeit war, sondern auf das in der Entstehungszeit des Films noch dankbare Habsburger/Österreich-Feindbild in Italien spekulierte. Brutale militärische Repression österreichischer Soldaten ist ja Teil des italienischen Risorgimento-Gedächtnisses, v.a. anläßlich der habsburgischen Herrschaft in der Lombardei und Venetien rund um die Revolution von 1848 bis in die 1850er/60er Jahre, die ja mühelos als Militärdiktatur zu bezeichnen ist. Die Jahre der "guten, alten Zeit" des so verklärten Kaisers Franz Joseph, als dessen Herrschaft knöcheltief im Blut watete. Aber das ist eine andere Geschichte.

Am auffälligsten ist an diesem Film sonst Yul Brunner als Indio bzw. Sabata, der hier fast genau seinen Glorreiche-Sieben-Part gibt. Beeindruckend ist aber v.a. die irrsinnig stimmungsvolle Musik von Bruno Nicolai. So muß Italowestern-Musik klingen. Ein netter, aber kein großer Western. Dafür fehlt mir eine Spur mehr Spannung, revolutionäre Leidenschaft im Revolutionswestern und, ich muß es sagen, auch Coolness des Helden.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Lost in Translation



Lost in Translation
USA/Japan 2003
Regie: Sofia Coppola
u.a. mit: Bill Murray, Scarlett Johansson








Ruhig und entspannt, mit Witz. Es ist einfach ein schöner Film. Damals im Kino gesehen, seither nicht mehr, aber beim Wiedersehen wieder gleich für sehr nett befunden.

Den gequälten Gesichtsausdruck kann Bill Murray wirklich sehr gut. Verlorensein, Arbeitsleid, Sehnsucht: einfach gut, wie herrlich das - mit Japan als Chiffre für das Leben - dargestellt wird. Mit gutem Ende.

Mittwoch, 29. April 2009

Jackie Brown



Jackie Brown
USA 1997
Regie: Quentin Tarantino
u.a. mit: Pam Grier, Samuel L. Jackson, Robert Forster, Bridget Fonda, Michael Keaton, Robert De Niro






Ich hab' den Film wohl schon fünf bis zehn Mal gesehen, zuletzt allerdings auch sicher schon vor zwei Jahren. Ich mag ihn, v.a. aufgrund des Tempos, des langsamen Tempos, das ihn zu einem untypischen Tarantino-Film macht. Highlight ist aber auch das Spiel von Robert De Niro, zunächst sein Ausdruck der Langeweile und dann sein Ausbruch der Verzweiflung.

Allerdings scheint sich an dem Film oder bei mir etwas geändert zu haben: Was mir früher nie in dieser Intensität aufgefallen ist, aber diesmal geradezu quälend war, ist die ja elendslange Exposition, bis man die Situation kennt und die Figuren eingeführt sind. Warum ist mir diese Länge früher nie aufgefallen? Zunächst habe ich mir noch gedacht, die ersten eineinhalb Stunden kommen mir so mühsam vor, weil ich alles schon kenne. Aber nein, das wirklich lang.

Freitag, 24. April 2009

Django - nur der Colt war sein Freund


Django - nur der Colt war sein Freund
(Django spara per primo)
Italien 1966
Regie: Alberto De Martino
u.a. mit: Glenn Saxson, Fernando Sancho, Evelyn Stewart (Ida Galli), Nando Gazzolo





Django rächt seinen ermordeten Vater und kämpft um sein Erbe, 50% von Bank, Saloon etc., die sich der Bösewicht gegriffen hat.
Eine Western mit sehr unterhaltender Handlung der besten Kategorie: Spannung, großartiges überraschendes Ende, wunderbar.
Nur die deutsche Synchronisation hat ein paar zeittypisch schlimme Ausflüge in unwitzigen Pseudo-Humor. Kann das Filmerlebnis aber nicht schmälern. Das hat Spaß gemacht!

Mittwoch, 22. April 2009

Little Miss Sunshine



Little Miss Sunshine
USA 2006
Regie: Jonathan Dayton und Valerie Faris
u.a. mit: Abigail Breslin, Greg Kinnear, Toni Collette






Ein netter Film um eine sagen wir facettenreiche Familie, die der Tochter zu Liebe zu einem Schönheitswettbewerb für kleine Mädchen fährt. Dieser ist schon sehr arg, v.a. weil es das, mit aufgestylten Kindern ja wirklich gibt, was einfach nur krank ist. Aber er wird hier schön dekonstruiert, das macht Spaß.

Genauso wie die managerpsychologischen Voodoo-Glaubenssätze des Vaters (Dichotomie Winner-Loser). Neben dieser Meta-Handlung gibt es aber v.a. den, sich im Lauf der langen Kleinbus-Fahrt der Großfamilie durch die amerikanische Pampa steigernden, chaotischen Irrsinn. Amüsanter kleiner Film!

Montag, 6. April 2009

Gott vergibt - Django nie!


Gott vergibt - Django nie! / Gott vergibt - wir beide nie!
(Dio perdona ... io no!)
Italien/Spanien 1967
Regie: Giuseppe Colizzi
u.a. mit: Terence Hill, Bud Spencer, Frank Wolff




Ein schöner, unterhaltsamer Film, in dem Terence Hill und Bud Spencer erstmals gemeinsam auftreten. Auch wenn es hier bereits einige ihrer späteren Stilelemente gibt (Prügelszenen, Humor), hat das ganze aber gar nichts mit ihren späteren Klamaukwestern zu tun hat. Hier handelt es sich um einen spannenden, brutalen Western. Kein Meisterwerk, aber ein guter Film um Hill auf persönlichem Rachefeldzug, unterstützt von Spencer auf der Suche nach einem geraubten Goldschatz und dazu der wunderbare Frank Wolff als Bösewicht.

Nach dem großem Erfolg ihrer Klamaukfilme (de gustibus non est disputandum) wurde dieser Film auf "witzig" umsynchronisiert / -geschnitten, hier heißt diese Version des Films dann vertrottelt Zwei vom Affen gebissen. Das gleiche Schicksal erlitten auch andere Italowestern, in denen auch nur einer der beiden mitgespielt hatte. Ein Verbrechen und noch dazu meist grottenschlecht.
So auch hier unbedingt die richtige, originale Version genießen, wenn man einen guten Western sehen will.

Donnerstag, 2. April 2009

Sin City



Sin City
USA 2005
Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller
- Gastregie: Quentin Tarantino
u.a. mit: Bruce Willis, Mickey Rourke





Das Gangsterfilmartige, die Anklänge an die Stimmung des Film Noir der 40er Jahre haben mir gefallen. Und ästhetisch ist der Film sicher sehr schön, das Spiel mit Licht in Schwarz-Weiß und der selektive, wirkungsvolle Farbeinsatz.

Aber reicht das, damit mir ein Film gefällt?

Großes Gähnen hat die Handlung bei mir erzeugt. Einfach nur großes Gähnen. Ästhetik allein kann das nicht aufwiegen.

Das fällt wohl unter die Rubrik "Literaturverfilmung, die man nur versteht, wenn man das Buch gelesen und gemocht hat". Das ganze basiert ja auf irgendwelchen Comics. Und zu dieser Welt hab' ich seit der Zeit von Donald Duck, Micky Maus und später dann Asterix, was alles schon sehr lange her ist, keinen Zugang mehr. So bleibt mir der Reiz dieses Films, der sicher irgendwo versteckt vorhanden sein mag, verschlossen.

Montag, 16. März 2009

Der Knochenmann



Der Knochenmann
Österreich 2009
Regie: Wolfgang Murnberger
u.a. mit: Josef Hader, Birgit Minichmayr, Josef Bierbichler






Ein sehr, sehr witziger Film. Eigentlich hab' ich mich zu Beginn fast gefürchtet, daß viele grausliche Szenen kommen. Okay, eine in den Hals gerammte Flasche war nicht ohne - aber dann war ich schon soweit, "ist eh nicht so schlimm" zu denken, als jemand mit Fleischerhaken an der Ferse aufgehängt erscheint. Danke, das war hart.

Aber Dinge wie die Expedition des Rollstuhlfahrers, trockene Schmähs wie "Das ist kein Gasthaus, das ist ein Wirtshaus", fliegende Autodächer und derartig viel Situationskomik (der panierte Finger!!!) machen einen großartigen Film daraus. Und die romantischtmögliche Liebesszene von Hader und Minichmayr mit dem Abschluß "Ich hab' ein Tombolalos, ich muß jetzt gehen".

Der dritte Film der Krimiserie nach den Büchern von Wolf Haas. Mangels Interesse an Krimilektüre hab' ich das Buch wie die anderen davor nicht gelesen. Aus dem Interview mit Autor Haas und Regisseur Murnberger im Falter hab' ich so erfahren, daß es da auch noch eine Fußballgeschichte gegeben hätte, sie aber lieber die Handlung mit der Kellnerin (was für eine Überraschung!!!) genommen haben. So bleibt ein als Österreich-Fan am Faschingsfest Kostümierter als einziger Fußballbezug. Macht aber nicht das Geringste. Ich kann mich nur wiederholen: Ein großartiger Film.

P.S.: Eine weitere Bestätigung meiner Abneigung gegen den ländlichen Raum :-)

Montag, 9. März 2009

Der weiße Apache - Die Rache des Halbbluts


Der weiße Apache - Die Rache des Halbbluts
(Bianco apache)
Italien/Spanien 1986
Regie: Bruno Mattei
u.a. mit: Sebastian Harrison, Lola Forner




Ein Einstieg mit einer ziemlich brutalen Anfangsszene, in der gleich mal Kehlen aufgeschnitten und kleine Kinder erschossen werden. Im an Brutalitäten nicht armen Film entwickelt sich aber v.a. eine spannende Handlung um einen als "Indianer" aufwachsenden Sohn ermordeter weißer Eltern, der als Erwachsener die "Welt der Weißen" Welt kennenlernt, um angewidert und zur Rettung derselben in die Welt seiner Jugend zurückzukehren. Auf einem starken antirassistischen Impetus basierend gibt es hier einen sehr schönen Spätwestern, der auf die hier üblichen ausufernden Schnörkeleien verzichtet. Tragend ist zwar eine Liebesgeschichte, was mir sonst einen Western sehr vermiest, hier ist das aber sehr gut eingebaut und stört den Genuß keineswegs - auch das nicht vorhandene Happy End ist hier als Positivum herauszustreichen.

Der erste italienische Spätwestern, der mir wirklich gefallen hat.
Da sehe ich mit Nachsicht über einen muskelbepackten blonden Jüngling als Helden, der praktisch den ganzen Film über seinen nackten Oberkörper ins Bild hält, hinweg. Oder über die zugegeben große Erheiterung darüber, daß die Apachen Polo (!) spielen.

Mittwoch, 4. März 2009

Ein Einsamer kehrt zurück


Ein Einsamer kehrt zurück
(Il ritorno di Clint il solitario)
Italien/Spanien/BRD 1972
Regie: Alfonso Balcázar, George Martin
u.a. mit: George Martin, Klaus Kinski, Marina Malfatti






Wenig bis gar nicht stimmungsvolle Bilder in Fernsehspiel-Ästhetik. Eine fürchterliche deutsche Tonfassung. Viel Herzschmerz und herumlaufende lieb dreinschauende Kinder in grüner Landschaft. Erinnert an Rosamunde-Pilcher-Schmafu, es geht hier aber um einen Western.
Die Handlung um einen Zurückkehrenden, der die Familie beschützt, einen Kopfgeldjäger, eine die Stadt terrorisierende Bande - da wäre vom Gerüst her alles da gewesen, doch die Umsetzung ist katastrophal.

Lediglich die Musik von Ennio Morricone und ein wunderbar böse schauender Klaus Kinski lassen hie und da Stimmung aufkommen. Sonst ist das nix.
Die deutsche Synchronisation hat sich nicht einmal auf einen Namen für den Hauptdarsteller einigen können, in manchen Szenen wird er Joe genannt, in anderen John...