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Mittwoch, 11. Februar 2026

Zenica

11.2.2026

In der bosnischen Stadt Zenica habe ich ein Fußballspiel besucht. 70.000 Menschen leben in der eigentlichen Stadt im engeren Sinn, 110.000 in der gesamten Stadtgemeinde.

Der Bahnhof hat schon bessere Zeiten gesehen. Einmal am Tag fährt ein Personenzug nach Sarajevo und kommt von dort hier an.

Gedenkpark für die von deutschen Nazis und kroatischen Ustascha ermordeten Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt. In der proletarisch und muslimisch-bosniakisch geprägten Stadt gab es viel Widerstand gegen die Herrschaft der kroatischen Faschisten der Ustascha und den Nazi-Terror der deutschen Wehrmacht und SS. Vom deutschen Überfall auf Jugoslawien 1941 bis zur Befreiung Zenicas 11./12. April 1945 brachten Deutsche und Kroaten hier 857 Zivilistinnen und Zivilisten sowie 346 Partisaninnen und Partisanen um.

Katholische Kirche

Das ehemalige große Bergwerk. Nach der militärischen Besetzung Bosniens und Eingliederung in die Habsburgermonarchie 1878 begann 1880 mit der Eröffnung eines Kohlebergwerk die Entwicklung zur Bergbau- und Industriestadt. 1892 nahm man das erste Hüttenwerk zur Eisenproduktion in Betrieb. Die Stadt wuchs aufgrund des Zuzugs zu den neuen Arbeitsmöglichkeiten. Lebten um 1879 noch 2.000 Menschen in 438 Häusern hier, waren es 1910 schon 7.000 Menschen in rund 1.000 Häusern. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren oft nicht gut, 1896 streikten die Arbeiterinnen und Arbeiter für ein besseres Leben. Im Zweiten Weltkrieg und danach wurde das Stahlwerk immer weiter erweitert und zum größten Jugoslawiens ausgebaut. Immer mehr Menschen kamen hierher, Zenica wurde immer größer. 1931 lebten 9.078 Menschen in Zenica, 1948 waren es 15.500 Menschen 1991 schon 145.557. Das Stahlwerk ist auch heute der größte Arbeitgeber der Region. 2004 wurde es an internationale Eigentümer verkauft und gehört nun zum Konzern ArcelorMittal.

Straßenszenen


Die ehemalige Synagoge wurde 1904 bis 1907 errichtet und von der orthodoxen jüdischen Gemeinde betrieben. Rund 200 Jüdinnen und Juden lebten in Zenica, als 1941 die deutsche Wehrmacht Jugoslawien überfiel. Manche konnten flüchten, aber 185 Jüdinnen und Juden wurden von deutschen Nazis und kroatischen Faschisten ermordet. In der Nachkriegszeit wurde das Synagogengebäude vom Stahlwerk als Druckerei genutzt und in den 1960er Jahren darin ein Möbelgeschäft betrieben. 1968 konnte die jüdische Gemeinde Jugoslawiens die Umwandlung in ein Museum erreichen.


Straßenszenen. Die Stadt liegt am Fluss Bosna, nach dem das Land Bosnien seinen Namen hat. Vom 12. bis ins 15.Jh. war die Stadt Zentrum des slawischen Fürstentums Bosnien, hatte im Osmanischen Reich nach dessen Eroberung der Region 1463 aber keine größere Bedeutung. Der Habsburger Heerführer Prinz Eugen ließ seine Soldaten 1697 im Krieg gegen die Osmanen Zenica (so wie Sarajevo) Haus für Haus in Brand stecken, ausplündern, die Leute zahlreich töten und die überlebenden Frauen und Kinder seiner vormals rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner als Kriegsbeute abtransportieren.


Kameni spavač, Denkmal aus dem Jahr 2007 für die Opfer des Massakers von 1993. Während des kroatisch-bosnischen Kriegs 1992 bis 1994 war Zenica eineinhalb Jahre großteils eingeschlossen. Wasser und Strom gab es meist nicht. Die Bevölkerung hungerte und war unter Beschuss von Scharfschützen, die auf sich im Freien bewegende Menschen schossen. Am 19. April 1993 trafen kroatische Artilleriegranaten den Markt, wo sich zahlreiche Menschen zur Besorgung von Lebensmitteln aufhielten. 16 Menschen tötete der rund zwanzig Minuten anhaltende Beschuss und verletzte über fünfzig Menschen.


Der Brunnen wurde am 30. Mai 1910 um 10:00 Uhr zum Gedenken an den Besuch des österreichischen Kaisers und ungarischen Königs Franz Joseph in Zenica eingeweiht und ist ein Symbol für die damaligen Infrastrukturausbau mit einem sechs Kilometer langem Wasserversorgungssystem.


Straßenszenen. Mit Beginn des Bosnienkriegs 1992 veränderte sich die Bevölkerung. Die Serbinnen und Serbien wurden vertrieben oder flüchteten, während ihrerseits serbisch vertriebene bosniakische Musliminnen und Muslime in großer Zahl in Zenica Zuflucht suchten. Insgesamt lebt heute ein Viertel weniger Menschen in der Stadt als vor dem Krieg.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Mostar

18.12.2025

In der Stadt Mostar in Bosnien und Herzegovina habe ich ein Fußballspiel besucht. 106.000 Menschen leben hier, davon 60.200 im engeren Stadtgebiet.

Mostar liegt in einem tiefen Tal (nur 60 Meter über Meereshöhe) zwischen den Bergen Velež (1.968 Meter) und Čabulja (1.776 Meter). Vor dem Bosnien-Krieg war Mostar eine typische jugoslawische Stadt mit gemischter Bevölkerung. 1991 waren von den damals 127.000 Einwohnerinnen und Einwohnern 35% muslimisch-bosniakisch, 34% kroatisch, 19% serbisch und 10% definierten sich als jugoslawisch. Heute ist Mostar eines der Beispiele für die tiefe Kluft, die Krieg der 1990er Jahre bis heute zwischen die Menschen gerissen hat. Auf dem Gipfel des Bergs Hum hat man im kroatischen Gebiet im Jahr 2000 ein 33 Meter hohes Kreuz aufgestellt, das im ganzen Stadtgebiet sichtbar ist und kroatisch-nationalen Anspruch auf Stadt und Land darstellt. Als Gegensatz dazu wurde vor zwei Jahrzehnten gegenüber am Fortica-Hügel mit BiH volimo te eine weithin sichtbare Liebeserklärung für Bosnien und Herzegovina geschrieben.


2005 errichtete eine Jugendgruppe eine Statue des US-amerikanischen Filmschauspielers Bruce Lee. Da niemand etwas gegen ihn haben konnte, sollte damit ein Zeichen gegen ethnischen Hass und Gewalt gegeneinander gesetzt werden. 2024 wurde die Statue gestohlen und später zerteilt wiederaufgefunden, da der Dieb das Metall verkaufen wollte. Erst vor wenigen Tagen ist die wiederhergestellte Statue neu aufgestellt worden.


Nach gemeinsamen Sieg mitilfe der Armee Kroatiens gegen die mit schwerem Artilleriebeschuss Mostars durchgeführtenserbischen Belagerung 1992, vor der 90.000 der damals 120.000 in der Stadt lebenden Menschen geflüchtet waren, versuchten kroatisch-herzegovinische und bosniakisch-mulismische Seite ihre jeweilige nationale Identität zu stärken, wozu das Überfallen und Ermorden der anderen gehörte. Nach ersten Scharfschützen-Morden im April 1993 brach im Mai der Krieg gegeneinander voll aus. 30.000 Muslima und Muslime, die im Westen der Stadt und in Umlandgemeinden lebten, wurden von kroatischen Soldaten in den Osten vertrieben und 17.000 Kroatinnen und Kroaten, die im Osten und in Umlandgemeinden lebten, umgekehrt von muslimischen Soldaten nach West-Mostar. Mit Artillerie wurden die über die Frontlinie am Fluss hinweg die Häuser der jeweils anderen Seite beschossen. Scharfschützen zielten auf die Zivilbevölkerung der anderen Seite und erschossen viele Menschen. Von den neben 1.634 Soldaten 1992 bis 1994 im Krieg in Mostar getöteten 867 Zivilistinnen und Zivilisten waren 614 (71%) muslimisch-bosniaknisch, 133 serbisch (15%) und 95 kroatisch (11%). Der muslimische Ostteil Mostars war ohne viel an Lebensmittel- und Stromversorgung eingeschlossen und wurde 1993 und 1994 mit über 100.000 Artilleriegranaten von kroatischer Seite beschossen.


Das 1893 eröffnete, in orientalischem Stil gestaltete Gymnasiums-Schulgebäude Gimnazija Mostar / Гимназија Мостарw war Teil der Modernisierungsbemühungen unter österreichisch-ungarischer Herrschaft, da hier serbisch-orthoxoe, kroatisch-katholische, bosniakisch-muslimische und jüdische Schüler aufgenommen wurden. Artilleriebeschuss im Bosnienkrieg 1992 bis 1994 beschädigte das nahe der Frontlinie stehende Gebäude. Nach dem Kriegsende 1995 wurden in nur einem Stockwerk nur kroatische Kinder unterrichtet. Nach der Vereinigung der beiden Städte 2004 waren auch muslimisch-bosniakische Kinder wieder erlaubt. Die Renovierung des Schulgebäudes wurde 2009 abgeschlossen.


Im Jahr 1474 wurde Mostar als Ortschaft erstmals schriftlich erwähnt. Der Name Mostar kommt vom Wort für „Brückenwächter“. Ein militärisch befestigter Übergang über den Fluss Neretva hier war im Zuge ihrer Eroberung der Balkanhalbinsel 1466 von osmanischen Truppen besetzt worden und im Lauf der Zeit wurde die Ortschaft rundum zu einem regionalen Zentrum der Herzegovina ausgebaut.


Die Karađozbeg-Moschee (Karađozbegova džamija) aus den Jahren 1557 und 1558, ein typischer Bau aus osmanischer Zeit und benannt nach dem Bauherrn Mehmet Karađoz Beg. Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Moschee im Zuge des Bosnienkriegs durch kroatischen Beschuss zerstört, aber 2002 bis 2004 wiederaufgebaut.


Straßenszenen


Die Stari most („alte Brücke“) wurde 1556 bis 1566 in der Zeit des Osmanischen Reichs als feste, aus Stein gebaute Brücke über den Fluss Neretva anstelle einer vorherigen Holzbrücke errichtet. Jahrhundertelang war die Brücke die einzige Brücke über den Fluss hier. Erst Ende des 19.Jh. wurden unter österreichisch-ungarischer Verwaltung drei weitere Brücken gebaut. Als Wahrzeichen der Stadt und Symbol der osmanisch-muslimischen Zeit wurde die Brücke im November 1993 im Zuge des Bürgerkriegs von der kroatisch-herzegovinischen Armee beschossen und zerstört. Nach dem Friedensschluss 1995 wurde mit Geld der internationalen Gemeinschaft (UNESCO, Weltbank und Türkei) mit dem Wiederaufbau der Brücke begonnen und sie 2004 wiedereröffnet. Aus dem Fluss geborgene Steine der originalen Brücke waren als Baumaterial nicht mehr verwendbar, aber man ließ im selben Steinbruch wie beim Bau im 16.Jh. neue Steine schlagen und verbaute sie nach seinerzeitigen Baumethoden. Für Massenmorde an der muslimischen Bevölkerung, aber auch u.a. den Befehl zur Zerstörung des Weltkulturerbes wurde sechs kroatisch-herzegovinische Kommandanten und Politiker 2013 vom Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.


Nach Waffenstillstand 1994 und Friedensschluss 1995 bestand Mostar ein Jahrzehnt lang aus zwei getrennten Städten, dem kroatischen Stadt westlich des Flusses und der muslimischen Stadt östlich davon. Der damalige internationale Verwalter, der Deutsche Hans Koschnick, arbeitete 1994 bis 1996 an der Wiedervereinigung der Stadt. 1994 überlebte er einen kroatischen Granatenbeschuss seines Hotelzimmers in Mostar und 1996 einen weiteren Angriff aus einer Menschenmenge heraus auf seinen Dienstwagen aufgrund dessen Panzerung, wobei sich die kroatisch-herzegovinische Polizei zurückgezogen und nichts unternommen hatte. Er trat später zurück. 2004 wurde formell die Wiedervereinigung zu einer Stadt mit Gliederung in sechs Stadtbezirke beschlossen. Da diese Neuordnung aus nationalistischen Gründen lange boykottiert wurde, gab es erst 2020 wieder Gemeinderatswahlen der gemeinsamen Stadt.


Nach dem deutschen Überfall auf Jugoslawien 1941 im Zweiten Weltkrieg ließ Hitler die Herzegovina und Bosnien dem faschistischen kroatischen Vasallen-Staat der Ustascha angliedern. Die multinationalen, kommunistischen Tito-Partisanen der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee führten jahrelang verlustreich Krieg gegen deutsche Wehrmacht und SS sowie ihre italienischen, kroatischen und serbischen faschistischen Verbündeten. Im Februar 1945 befreiten sie Mostar. An symbolischem Ort hoch über der Stadt wurde 560 im Kampf gegen den Faschismus gefallene Partisanen nach dem Krieg in einem 1959 bis 1965 nach Plänen des berühmten Architekten Bogdan Bogdanović als Gedenkstätte errichteten Partisanen-Friedhof (Partizansko groblje, Партизанско гробље) begraben. Nach dem Ende Jugoslawiens wurde die Gedenkstätte nicht mehr gepflegt und ist Ziel diverser kroatisch-nationalistischer Vandalismusaktionen. In einer Aktion 2022 zerschlugen Faschisten 700 der insgesamt 810 Grabsteine (ursprünglich hätte noch mehr Gefallene begraben werden sollen) und beschmierten die Bruchstücke und die Anlage mit zahlreichen Hakenkreuzen und diversen faschistischen Symbolen und Sprüchen. Letztere wurden entfernt, die Gedenkstätte ist aber weiter eine Ruine.

Donnerstag, 6. März 2025

Banja Luka

6.3.2025

In der bosnischen Stadt Banja Luka (Бања Лука) habe ich ein Fußballspiel besucht. 185.000 Menschen leben hier.

Banja Luka ist die de facto Hauptstadt des serbischen Teils Bosnien-Herzegovinas, der Republika Srpska (Република Српска).


Denkmal für die bei der Befreiung der Stadt von den kroatischen Ustascha getöteten jugoslawischen Partisanen 1945.


Straßenszenen. Angesichts der Lage unweit der Grenze der Habsburgermonarchie bis 1878 (heute die kroatisch-bosnische Staatsgrenze) wurde die Stadt in den langen Kriegen zwischen Osmanischem Reich und Habsburgerreich vom 16. bis ins 18.Jh. in Mitleidenschaft gezogen, u.a. 1688 von einer österreichischem Heer angegriffen, erobert, die Bevölkerung massakriert und die Häuser niedergebrannt und 1737 noch einmal erfolglos belagert. Im August 1878 gab es in Banja Luka eine Schlacht zwischen einer bosnischen Aufstandsarmee und der österreichisch-ungarischen Armee, die Bosnien und Herzegovina in blutigen Kämpfen gegen die Bevölkerung, die sich nicht besetzen lassen wollte, eroberte. In blutigen Straßenschlachten kämpfte die österreichisch-ungarische Armee den Aufstand gegen ihre Besetzung nieder, wobei sie viele Einwohnerinnen und Einwohner in den Häusern tötete. Anschließend wurden mehre hundert Männer gefangen genommen und in Marschkolonnen ins Landesinnere der Habsburgermonarchie geschickt.


Beim Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg wurde Banja Luka im April 1941 von der deutschen Luftwaffe schwer zerstört. Nach der jugoslawischen Niederlage wurde Banja Luka mitsamt Bosnien-Herzegovina dem als Verbündeten Hitlers und Mussolinis gegründeten faschistischen Staat Kroatien angegliedert. Bis zur Befreiung Banja Lukas durch die Tito-Partisanen im April 1945 unterdrückten die kroatischen Ustascha hier mit im übrigen Land die serbische Bevölkerung und versuchten sie Massenmord zu reduzieren. Das größte Massaker richteten die kroatischen Ustascha in der Umgebung von Banja Luka am 7. Februar 1942 an, als sie unter dem Kommando des Offiziers Josip Mišlov und des römisch-katholischen Priesters und Franziskanerpaters Miroslav Filipović 2.300 gefangene Serbinnen und Serben, hauptsächlich Frauen, Kinder und alte Männer, ermordeten. Um Munition zu sparen benutzten die Ustascha zum Morden Messer.


Von der osmanischen Eroberung 1528 an bis zur Eroberung Bosniens durch die österreichisch-ungarische Armee 1878 gehörte die Stadt zum Osmanischen Reich. In diesen drei Jahrhunderten war sie moslemisch geprägt. 16 historische Moscheen wurden im Krieg gegen die moslemische Bevölkerung Bosniens 1992 bis 1995 von den serbischen Truppen zerstört und abgerissen. Dasselbe wurde mit den katholischen Kirchen gemacht. Bis Kriegsbeginn 1992 war die Stadt bei serbischer Mehrheit dennoch vielfältig und ethnisch gemischt. 1991 waren 55% der Bevölkerung serbisch, je 15% moslemisch und kroatisch und 12% hatten sich als jugoslawisch definiert. Nach Vertreibung der moslemischen und kroatischen Bevölkerung zogen aus anderen Landesteilen vertriebene Serbinnen und Serben in deren Wohnungen und Häuser. Heute sind 90% der Bevölkerung serbisch.


Die serbisch-orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale (Саборни храм Христа Спаситеља Saborni hram Hrista Spasitelja) ist das einzige Kirchengebäude in Südosteuropa mit goldenen Kuppeln. Die hier früher stehende, 1925 bis 1929 erbaute serbisch-orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale wurde bei der Zerstörung der Stadt durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg 1941 beschädigt und anschließend unter der Herrschaft der kroatischen Ustascha die serbische und jüdische Stadtbevölkerung gezwungen, sie abzureißen. Den Bischof folterten die Ustascha zu Tode. In der jugoslawischen Nachkriegszeit wurde die Kirche im kommunistischen Regime nicht wiedererrichtet sondern hier das Denkmal für die für die Befreiung Banja Lukas gefallenen Partisanen aufgestellt. 1995 bis 2005 wurde die Kirche als repräsentativer Bau der serbisch-orthodoxen Kirche und damit der serbischen Nation wiederaufgebaut.


Der alte Hauptbahnhof aus dem Jahr 1891. Ein typischer Bau jener Zeit. Jetzt ist im Gebäude ein Kunstmuseum.


Erdbeben hatten Banja Luka im Lauf der Geschichte immer wieder getroffen, die Häuser zerstört und Menschen getötet. Zuletzt gab es hier 1969 ein größeres Erdbeben mit rund zwanzig Toten, tausend Verletzten und vielen Obdachlosen danach. An das Erdbeben erinnert am Trg Krajine eine Uhr, welche die Uhrzeit 9:11 Uhr anzeigt.


Straßenszene


Die Ferhadija-Moschee (Ferhat-pašina džamija) stammte ursprünglich dem Jahr 1579. Der osmanische Provinzgouverneur Ferhad-paša Sokolović hatte sie mit dem Lösegeld errichten lassen, das er für die Freilassung des 1575 in einer Schlacht gefangengenommenen Sohn eines habsburgischen Feldherrn erhalten hatte. 1993 wurde die Moschee von Serben gesprengt und da der Sprengstoff sie nur teilweise zerstörten anschließend von Baurarbeitern abgerissen. Um die Große Moschee als Symbol der vertriebenen moslemischen Bevölkerung und der moslemischen Geschichte der Stadt gänzlich zu vernichten wurden Steinteile und Ornamente des Bauschutts teilweise extra zerschlagen und nicht nur auf der Mülldeponie entsorgt sondern in den Fluss Vrbas und einen Stausee gekippt. Das Areal wurde 1995 gepflastert, die Fundamente der zerstörten Moschee ausgegraben und zerstört und aus dem Gelände ein Parkplatz gemacht. Als die Islamische Gemeinschaft Banja Luka der zurückgekehrten und verbliebenen moslemischen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt 2001 die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau feiern wollten, gab es eine große serbische Demonstration von 4.000 Leuten dagegen. Sie griffen die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der geplanten Feier zum Baubeginn an, töteten einen Menschen und verletzten viele. Soldaten der NATO-Truppen in Bosnien mussten einschreiten und flogen mit Militärhubschraubern die zur Feier gekommenen Botschafter ausländischer Staaten aus, während ringsherum die Busse und Autos der Angereisten angezündet worden waren und brannten. Unter großem Sicherheitsaufgebot wurde die Grundsteinlegung später erneut durchgeführt, wobei 15 Polizisten bei den erneuten Angriffen serbischer Demonstranten auf die Polizeiketten verletzt wurden. Von 2001 bis 2016 dauerte schließlich der von Spendern, dem Staat Bosnien-Herzegovina und der Türkei finanzierte Wiederaufbau der Moschee. Von Mülldeponien und anderen Orten konnten 65% der Originalbauteile gesammelt, sortiert und wiederverwendet werden.


Das Kastel (Кастел) am Fluss Vrbas (Врбас). Bereits in der römischen Antike gab es hier eine mit Stadtmauern militärisch befestige Siedlung. Der heutige Stadtname Banja Luka wurde im Jahr 1494 erstmals in einer Urkunde eines ungarischen Königs erwähnt. Ursprünglich war hier wohl bereits in der römischen Antike ein Kastell römischer Truppen. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Befestigungsanlage verschieden aus- und umgebaut, wobei heute ungefähr noch ein Viertel davon erhalten ist.


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