Sonntag, 24. Mai 2026
Viareggio
24.5.2026
In der Stadt Viareggio in der italienischen Toskana habe ich ein Fußballspiel besucht. 61.000 Menschen leben hier.
Der Bahnhof. Am 29. Juni 2009 entgleiste hier aufgrund eines Schadens an einem Rad ein Güterzug, der Waggons mit flüssigem Butan-Gas führte. Das Flüssiggas strömte über den Bahnhof und das umliegende Wohnviertel aus, entzündete sich und explodierte. 32 Menschen wurden dabei getötet. Rund tausend Menschen mussten aus ihren Wohnungen evakuiert werden.
1534 bis 1542 errichtete Verteidigungsanlage Torre Matilde zur militärischen Sicherung des Hafens. 1172 ließen die Stadtrepubliken Lucca und Genua hier eine Festung errichten, um die Gegend militärisch gegen Pisa zu verteidigen. Benannt wurde sie lateinisch Castrum de Via Regia nach der an der Küste entlang führenden Königsstraße. Es entwickelte sich dazu auch eine Siedlung und Lucca förderte die Ansiedlung, um die Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen, da der an der Festung ins Meer mündende Canale Burlamacca ab 1441 die einige Wasserweg-Verbindung Luccas zum offenen Meer war. Allerdings erstreckten sich ringsum weitläufige Sümpfe, wodurch die hier lebenden Menschen von der Seuche Malaria geplagt wurden und das Leben hier recht unattraktiv war. Im 18.Jh. erfolgten groß angelegte Arbeiten zur Austrocknung der Sumpflandschaften, die 1741 abgeschlossen waren. Die Malaria-Plage ging zurück. 1820 erhielt das wachsende Viareggio das Stadtrecht und entwickelte sich im 19.Jh. zu einem touristischen Badeort am Meer.
Von 2. bis 5. Mai 1920 ging der Volksaufstand der Giornate rosse di Viareggio in die Geschichte in. Die Armut bei politischer Rechtlosigkeit und sozialer Erschütterungen des Landes der blutigen Jahre des Ersten Weltkriegs prägten zahlreiche soziale und politische Konflikte in Italien nach 1919. Als in Viareggio in der Ansaldo-Werft ein Streik zur Besetzung der Werft führte, wurde die ganze Stadt eine Woche lang von der Armee besetzt, Maschinengewehrstellungen aufgebaut und Leute von den Soldaten verhaftet. Am 2. Mai 1920 eskalierte die Situation noch mehr anlässlich des Fußballspiels von Viareggio gegen Lucchese. Aufgrund hitziger Stimmung nach als ungerecht gesehenen Schiedsrichterentscheidungen kam es zu einem Tumult, in dessen Verlauf ein Carabiniere zu seinem Gewehr griff und schoss. Er tötete den Vereins-Linienrichter von Viareggio Augusto Morganti mit einem Schuss ins Gesicht. Die Carabinieri flüchteten in ihre Kaserne, wo sie sich verschanzten und von einer aufgebrachten Menge belagert wurden. Die Leute hatten sich u.a. aus der Plünderung einer Armeekaserne mit Schusswaffen versorgt. Die Aufständischen besetzten die ganze Stadt und übernahmen die Kontrolle über die öffentlichen Gebäude. Trotz laufender Verhandlungen rückten Armeeinheiten an, die am 3. Mai in einem Hinterhalt von den Aufständischen überrascht und geschlagen wurden. In einer größer angelgten Militäroperation wurde Viareggio schließlich am 5. Mai 1920 von der Armee erneut besetzt. Diesmal für drei Monate. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, Häuser durchsucht und über hundert Menschen verhaftet. Im Jahr 2020 benannte die Stadt in Erinnerung an die Ereignisse den Platz danach.
Straßenszenen. Zur Unterdrückung der revolutionären Bewegungen in der Stadt wurden faschistische Gruppen gegründet, die gewaltsam gegen Linke und linke Institutionen in der Stadt vorgingen. In einer Straßenschlacht am 16. Mai 1921 brachten die Faschisten hier auf der damaligen Piazza Grande (heute Piazza Nieri e Paolini) die beiden Linken Pietro Nieri und Enrico Paolini um.
Die Stadt liegt zwischen den Bergen der Apuanischen Alpen (Alpi Apuane) und dem Mittelmeer bzw. dessen Teil Ligurisches Meer (Mar Ligure).
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