Freitag, 15. Mai 2026
Wöllersdorf
15.5.2026
In Wöllersdorf im niederösterreichischen Industrieviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. Seit 1972 bildet Wöllersdorf mit dem benachbarten Steinabrückl eine gemeinsame Gemeinde Wöllersdorf-Steinabrückl. 5.000 Menschen leben in der Gemeinde, davon 2.900 in Wöllersdorf.
Zur Durchsetzung seiner Diktatur ließ das austrofaschistische Regime in leerstehenden Hallen der Wöllersdorfer Werke 1933 ein sogenanntes Anhaltelager errichten, in dem es ohne rechtsstaatliche Grundlage und Gerichtsprozesse politische Gegnerinnen und Gegner der Diktatur einsperrte. Nach dem Aufstand des sozialdemokratischen Schutzbunds gegen die Zerstörung der Demokratie im Februar 1934 sperrten die Austrofaschisten hier hunderte Sozialdemokraten ein. Dazu kamen die mit Bombenanschlägen und Terrorismus agierenden Nazis sowie Kommunisten. Zum 1. Mai 1934 befanden sich 831 politische Gefangene im Lager, 508 Sozialdemokraten und Kommunisten sowie 323 Nazis. Nach der Niederschlagung des gescheiterten Juliputschs der Nazis im Juli 1934 waren hier im Oktober 1934 knapp 5.000 Personen eingesperrt, davon 4.256 Nazis und 538 Sozialdemokraten und Kommunisten. Während der Austrofaschismus später ein Auskommen mit den Nazis zu finden suchten, blieben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokarten sowie Kommunistinnen und Kommunisten aufgrund Gegnerschaft zum Faschismus der Hauptfeind. Mit der KZ-Mordmaschinerie der Nazis waren das Wöllersdorfer Lager und das Lager im burgenländischen Kaisersteinbruch nicht zu vergleichen, dennoch war der Freiheitsentzug ohne zeitliche Begrenzung oder rechtliche Begründung mit Möglichkeit dagegen etwas zu unternehmen, für die Betroffenen ein harter Einschnitt. Das Denkmal aus dem Jahr 1974 erinnert hier explizit an die für ihr Engagement für Demokratie und Freiheit Eingesperrten. Dazu zählen nicht die damals mit Terroranschlägen und Morden für ihre Machtergreifung zur Umsetzung millionenfachen Massenmordens kämpfenden Nazis.
Die Wöllersdorfer Werke, historisch einst als Raketendörfl oder Feuerwerksanstalt bezeichnet, waren hier im Bereich von Wiener Neustadt, Bad Fischau und Wöllersdorf Standort eines großen Munitionsfabrikenkomplexes für das Töten in der Kriegsmaschinerie der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Im Ersten Weltkrieg umfasste allein das Wöllersdorfer Werk fast 3 km², auf welchen 635 Gebäude standen. Zu Kriegsbeginn 1914 arbeiteten hier 5.000 Menschen, zum Kriegsende 1918 waren es über 40.000. Es galt eine 70-Stunden-Arbeitswoche und die Beschäftigten waren wie in allen Betrieben der Kriegsproduktion der militärischen Disziplin unterworden, was drakonische Strafen des Militärs bei Verfehlungen bedeutete. Mit Fortdauer des Krieges mussten hier immer mehr Frauen arbeiten. Das zeigte sich leider auch am 18. September 1918, als ein Großbrand in einer Werkshalle 423 Menschen tötete und es zum Großteil Frauen und junge Mädchen waren.
Wöllersdorf
Die Ruine des Höhlturm ist der Rest einer einst bewohnten Wehranlage zur Verteidigung in Kriegen aus dem 15.Jh. Seinen Namen hat der Turm von einer dahinter befindlichen Natursteinhöhle. Der Turm ist am Gemeindewappe von Wöllersdorf-Steinabrückl abgebildet.
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