Mittwoch, 23. September 2026

Kladno

23.9.2026

In der tschechischen Stadt Kladno (deutsch früher Kladen) habe ich ein Fußballspiel besucht. 68.000 Menschen leben hier.

Der erstmals im Jahr 1318 schriftlich erwähnte Ort war jahrhundertelang relativ unbedeutend bis in den 1820er Jahren Steinkohle entdeckt wurde. Man begann mit ihrem industriellen Abbau, 1850 wurde die Kohlgrube Lucerna in Betrieb genommen und 1889 das Stahlwerk Poldi-Hütte Huť Poldi gegründet. Besitzer Karl Wittgenstein (der Vater des Philosophen Ludwig Wittgenstein) benannte es nach seiner Frau Leopoldine, deren Profil auch heute noch das Symbol des Werks ist. Kladno wuchs mit der Industrialisierung durch Zuzug zu den Arbeitsplätzen schnell und erhielt 1870 auch das Stadtrecht. Die Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter hielten mit der Entwicklung nicht Schritt und waren schlecht. Sein organisierten sich in der Arbeiterbewegung, die mit Gewerkschaften und sozialdemokratischen Parteien um besseres Leben kämpfte. Gerade in den Revolutionsjahren 1918 bis 1920 gab es hier viele Streiks. Der nach unerfolgreicher Privatisierung des in der Nachkriegszeit verstaatlicht gewesenen Unternehmens folgende Konkurs 1998 war eine der größten Pleiten der tschechischen Wirtschaftsgeschichte, woraufhin der Betrieb zerschlagen und in Teile aufgeteilt wurde.


Rathaus aus den Jahren 1897/98.


Straßenszenen


Aus einer mittelalterlichen Burganlage ließen sich die adeligen Herrscher hier von ihren Untertanen in den 1560er Jahren das heute zu sehende Schloss im Stil der Renaissance finanzieren, das im 18.Jh. noch im Barockstil umgebaut wurde.


Ehemalige Synagoge, die 1884/85 errichtet wurde. Noch vor der Vertreibung und Ermordung der in den 1930er Jahren rund 200 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde durch die deutschen Nazis 1939 wurde sie 1938 geschlossen und der Kirche der tschechischen Hussiten übergeben, während ein angebauter Festsaal als jüdischer Gebetsraum genutzt wurde.


Straßenszenen. Unter der deutschen Besatzung durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945 war die Unterdrückung stark. Als 1939 zwei tschechische Widerstandskämpfer einen deutschen Polizisten töteten, verhängten die Besatzer das Kriegsrecht über die Stadt und verhaftete 107 Einwohnerinnen und Einwohner, darunter alle Gemeinderatsmitglieder und den Bürgermeister, der angesichts von Folter in der Haft in Brünner Festung Špilberk Selbstmord beging. In der Nachbarschaft liegt das Dorf Lidice, wo die Nazis durch die SS die komplette Dorfbevölkerung vom Neugeborenen bis zum Greis ermorden oder ins KZ deportieren ließ. Die Gestapo von Kladno war an der Aktion beteiligt, im Gymnasium von Kladno trennte sie die hierher als Zwischenstation vor dem KZ gebrachten Mütter aus Lidice von ihren Kindern, welche die Nazis mit Gas ermorden ließen.


Denkmal für Anton Cermak, der 1873 in Kladno als Antonín Čermák geboren worden war und als Kind gemeinsam mit seiner Familie wie hunderttausende andere aufgrund der schlechten Lebensbedingungen inder Habsburgermonarchie im 19.Jh. nach Amerika auswanderte. In den USA machte er nicht nur als Geschäftsmann Karriere sondern engagierte sich auch politisch in der Demokratrischen Partei, für die er verschidene Funktionen ausübte und von 1931 bis zu seiner Ermordung 1933 Bürgermeister von Chicago war.

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