Dienstag, 1. September 2020

Siegendorf

1.9.2020

Im burgenländischen Siegendorf (kroatisch Cindrof) wurde ein Fußballspiel besucht. 3.000 Menschen leben hier.

38% der Bevölkerung zählen sich zur seit einem halben Jahrtausend hier lebenden burgenlandkroatischen Volksgruppe. Zusätzlich sind 6% mit Migrationshintergrund kroatisch.


Rathaus


Straßenszenen


1931 wurde der ehemalige Staatskanzler, damalige Nationalratspräsident und spätere erneute Staatskanzler sowie Bundespräsident Karl Renner für seinen Einsatz für den Anschluss des Burgenlandes an Österreich 1921 zum Ehrenbürger der Gemeinde Siegendorf ernannt. Am Rathausplatz wurde ihm ein Denkmal errichtet


Das Kastell ist ein Bau des 16.Jh. mit Rundtürmen. Vermutlich war es ursprünglich eine Wasserburg.


Die katholische Pfarrkirche steht erhöht über der Gemeinde auf einer Anhöhe. Sie ist ein Barockbau des 17.Jh.


Die Zuckerfabrik Siegendorf wurde 1852 von dem aus Bayern eingewanderten Monteur Conrad Patzenhofer gegründet. Bis 1859 wurde nur Rohzucker, danach auch weißer Zucker erzeugt. Die Zuckerproduktion verband sich mit der ländlichen Struktur und bald lebte Siegendorf gut davon. Der Wohlstand, den manche zur Schau trugen, verhalf den Siegendorfern zum kroatischen Spitznamen britve (Aufschneider). Die Häuseranzahl verdoppelte sich in der Zeit von 200 auf 400. Mit dem Bau der Wohnhäuser für die aus Böhmen geholten Arbeiterinnen und Arbeiter, entstand in Fabriksnähe das Böhmerviertel.


Die Nazis brachten hier 1944 etwa 1100 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter unter, die vorwiegend bei Bau des Ostwalls unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt wurden, bei denen viele ums Leben kamen, und während der Zuckerrübenkampagne auch hier in der Produktion arbeiten mussten. 1977 wurde das Unternehmen von der Familie Patzenhofer an die Tullner Zuckerfabrik AG verkauft. 1988 wurde der Betrieb in Siegendorf als letzter im Burgenland eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren 225 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Zusätzlich waren 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, die während der Kampagne beschäftigt waren.


Die Zuckerfabrik war im späten 19.Jh. Geburtsort der Sozialdemokratie im Burgenland, damals Teil Ungarns, da es während der Zuckerrübenkampagne oft zu Arbeitskämpfen und Protesten der verarmten Landarbeiterinnen und Landarbeiter gegen ihre Behandlung und schlechte Bezahlung kam. Während des sozialdemokratischen Februaraufstands 1934 gegen die austrofaschistische Diktatur kam es im Burgenland nur in fünf Gemeinden zu Zwischenfällen. In Siegendorf wurden aus einem Gebäude einige Schüsse abgegeben. Gendarmerie und die Regime-Hilfstruppe der Landesschützen stürmten das Haus und verhafteten die dort Anwesenden.

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