Samstag, 15. Februar 2020

Kaposvár

15.2.2020

Im ungarischen Kaposvár wurde ein Fußballspiel besucht. 61.000 Menschen leben hier.

Bahnhof. Im 19.Jh. entwickelte sich die Stadt durch die wichtige ungarische Eisenbahnlinie zwischen der Landeshauptstadt Budapest und der ungarischen Komitatshauptstadt Zagreb und wurde ein Industriestandort. 1800 lebten hier noch erst 3.000 Menschen, hundert Jahre später waren es 1900 bereits 18.218 und 1920 schon 29.470. Die höchste Bevölkerungszahl gab es nach Eingemeindungen 1980 mit 72.377 Einwohnerinnen und Einwohnern, seither schrumpft die Stadt wieder.


Das 1911 eröffnete Theater.


Das Veranstaltungsgebäude Szivárvány Kultúrpalota wurde 1927 bis 1928 in einer Stilmischung aus Jugendstil und Art Deco errichtet. Es fanden und finden hier Theater- und Kinoaufführungen, Konzerte, Konferenzen etc. statt.


Straßenszene.


Die katholische Kathedrale wurde 1885 bis 1886 in neoromanischem Stil anstelle einer Vorgängerkirche am Hauptplatz errichtet.


Das Rathaus wurde 1902 bis 1904 anstelle eines Vorgängergebäudes neu errichtet. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Stadt als Kapos (Tor) in der Stiftungsurkunde des Bischofsamtes in Pécs im Jahr 1009. Mitte des 14. Jahrhunderts ließen die Adeligen Rupoly die Burg (vár) von Kapos, die als Neuburg bekannt wurde, errichten. Sie wurde im Lauf der Jahrhunderte ausgebaut. Nach den Kriegen des 17./18.Jh. war der Zustand schließlich schlecht. Die restlichen Ruinen wurden 1931 abgerissen.


1555 wurde die Festung nach einer fünftägigen Belagerung von einer osmanischen Armee erobert und war für über ein Jahrhundert türkisch. 1686 wurde die Region von habsburgischen Soldaten erobert und dem großen Herrschaftsbereich der Fürsten Esterházy unterstellt, die Kaposvár zum Verwaltungssitz ihrer Güter in Somogy machten. 1749 wurde die Stadt auch zur Komitatshauptstadt von Somogy. Das Komitatshaus als Verwaltungssitz wurde 1828 bis 1832 errichtet.


Straßenszenen.


Im Zuge des Wachstums der Stadt im 19.Jh. war hier auch eine jüdische Gemeinde entstanden. 1862 wurde eine Synagoge errichtet, die 1906 erweitert wurde. Im Zuge der antisemitischen Gesetze Ungarns wurde 1940 hunderte jüdischen Männer in Zwangsarbeitseinheiten verpflichtet. Nach der deutschen Einrücken in Ungarn im März 1944 sperrten die deutschen Soldaten mit ungarischen Verbünden im Mai 1944 rund 6.000 Jüdinnen und Juden aus der Stadt und dem Umland in ein Ghetto, aus dem sie am 4. Juli 1944 zu Ermordung ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Nach der Befreiung der Stadt durch die sowjetische Armee im Dezember 1944 kehrten überlebende jüdische Männer aus den Zwangsarbeitseinheiten in die Stadt zurück. Von den tausenden Deportierten überlebten nur rund 200 den Holocaust. Die Überlebenden und Zurückgekehrten konnte die beschädigte Synagoge nicht mehr erhalten und verkauften das Gebäude 1974 an die Stadt, welche die ehemalige Synagoge 1980 sprengen ließ. Beschädigt erhalten blieben nur die Tafeln mit den zehn Geboten, die am Giebel angebracht war, und nun in einem abgesperrten Innenhof im Zentrum eines Denkmals steht.


Die reformierte Kirche wurde 1906 bis 1907 errichtet. Wie in Ungarn üblich gibt es eine historisch gewachsene Vielfalt an christlichen Religionsbekenntnissen.


Die evangelische Kirche wurde 1829 bis 1929 im Jugendstil errichtet. Bis 1916 hatte die lutherische Richtung des Protestantismus die Kirche der kalvinistischen (reformierten) Richtung mitbenutzt, dann ein eigenes Gebetshaus eingerichtet und schließlich diese Kirche gebaut.


Straßenszene


Denkmal für die ungarische Revolution von 1956


Statue aus dem Jahr 1996 für den 1896 in Kaposvár geborenen Imre Nagy. Der Kommunist, der als österreichisch-ungarischer Kriegsgefangener in Russland bereits in der Russischen Revolution in der Roten Armee gekämpft hatte und 1919 Regierungsmitglied der kurzen kommunistischen Räterepublik in Ungarn gewesen war, war in der Ungarischen Revolution gegen die sowjetische Besatzung 1956 Ministerpräsident und versuchte das Land durch Verhandlungen aus dem Ostblock zu führen. Nach der blutigen Niederschlagung der Revolution durch sowjetische Truppen mit tausenden Toten wurde er verhaftet und 1958 in Budapest hingerichtet.


Straßenszenen. Fő utca.


Der jüdische Friedhof. Zuletzt wurden im Jahr 2012 in einer antisemitischen Attacke 57 Gräber verwüstet, Grabsteine zerstört etc.

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