Freitag, 26. April 2019

Völkermarkt

26.4.2019

Im Kärntner Völkermarkt (slowenisch Velikovec) wurde ein Fußballspiel besucht. 11.000 Menschen leben in der aus 79 Ortschaften bestehenden Stadtgemeinde, im eigentlichen Völkermarkt selbst sind es 4.700.

Im 6.Jh. wurde das Gebiet von den Karantaner Slawen besiedelt, die im 7.Jh. ihren Staat gründeten. Das Gebiet um Völkermarkt ist daher eng mit der slowenischen Kulturgeschichte verbunden. Um 1090 beauftragte Graf Engelbert von Spanheim vermutlich einen Kaufmann namens Volko aus Rheinfranken mit der Errichtung einer Marktsiedlung. Zwischen 1105 und 1126 wurde der Ort als Volchimercatus („Markt des Volko“) genannt, woraus sich der Name Völkermarkt entwickelte. In der Nähe dieses Marktfleckens ließ der Kärntner Herzog Bernhard von Spanheim 1217 eine Brücke über die Drau errichten und 1231 eine strategisch günstiger gelegene Siedlung anlegen, die im 13.Jh. Stadtrechte erhielt. Das heutige Völkermarkt.


Das heutige Neue Rathaus am Hauptplatz steht an der Stelle der ehemaligen Burg aus dem 13.Jh.. Im Spätmittelalter war Völkermarkt die zweitwichtigste Stadt Kärntens gleich nach der Herzogsresidenz St. Veit. Im 16.Jh. verlor die Stadt aber an Bedeutung. Von der alten Stadtbefestigung ist heute noch der Turm der ehemaligen Stadtburg vorhanden


1979 war das Rathaus der Stadt Völkermarkt, in dem sich eine Ausstellung über den Kärntner Abwehrkampf 1919 gegen die Besetzung durch Soldaten des späteren Jugoslawiens befand, Ziel eines Terroranschlags der jugoslawischen Geheimdiensts UDBA, bei dem die beiden slowenischen Agenten sich selbst und einen Museumsmitarbeiter schwer verletzten. In die Fassade des Rathauses wurde ein Loch gerissen. Die beiden UDBA-Agenten wurden 1980 zur vier Jahren Haft verurteilt, jedoch ein halbes Jahr später gegen zwei österreichische Heeresgeheimdienstagenten ausgetauscht. Der Anschlag von Völkermarkt war der letzte einer Serie, die 1972 begonnen hatte. Ausgangspunkt war der sogenannte Ortstafelsturm, bei dem kurz zuvor aufgestellte zweisprachige Ortstafeln im slowenischen Minderheitsgebiet von deutschnationalen Kärntner Aktivisten gewaltsam abmontiert wurden. Mit Bombenanschlägen sollten wie in Südtirol Aufmerksamkeit geschaffen und Druck aufgebaut werden. Das war mangels Interesse der Kärnter Sloweninnen und Slowenen an Eskalation aber nicht erfolgreich.


Stadtpfarrkirche. Mit dem Bau wurde 1240 begonnen und er nach 7 Jahren als romanische Basilika beendet. Nach dem Brand 1308 als spätgotische Kirche wiedererrichtet, litt die Kirche durch das Erdbeben 1690 so stark, dass einer der Türme abgerissen werden musste.


Straßenszenen. Jahrhundertelang lebte hier eine slowenische und deutschsprachige Bevölkerung. 1880 hatte die Stadtgemeinde Völkermarkt 2.392 Einwohnerinnen und Einwohner, davon waren 73% deutschsprachig und 26% slowenisch. Bei der Volksabstimmung von 1920 stimmte der Südosten Kärntens v.a. aufgrund der Sloweninnen und Slowenen, die zur Hälfte für Österreich stimmten, gegen eine Angliederung an Jugoslawien. In südlichen „Zone A“ (mit rund 70 % slowenischem Bevölkerungsanteil, und von Truppen des SHS-Staates militärisch besetzt) stimmten 59 % für den Verbleib bei Österreich. Anstatt Dank dafür wurden den Kärnter Sloweninnen und Slowenen danach Minderheitenrechte verweigert, slowenische Sprache und Kultur zurückgedrängt. „Kärnten wird einsprachig“ plaktierte und inserierte die damals in Kärnten regierende FPÖ 2006 stolz landesweit zur erfolgreichen Unterdrückung der Rechte der heute nur mehr kleinen slowenischen Minderheit in Kärnten. In Völkermarkt sind heute nur mehr 2% slowenischsprachig.


Denkmal für die deutschsprachigen der ingesamt mehreren hundert Toten des Kärntner Abwehrkampfs (slowenisch Boj za severno mejo / Kampf um die Nordgrenze) 1919, als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und Zerfall des österreich-ungarischen Staats Soldaten der provisorischen Kärntner Landesregierung und Truppen des SHS-Staates (später Jugoslawien) sich im Kampf um die staatliche Zugehörigkeit der vom SHS-Staat beanspruchten sowenischsprachigen Gebiete im Südosten Kärntens gegenseitig umbrachten. Auf Beschluss der Siegermächte des Weltkriegs fand dann 1920 die Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Landes statt.


Nachdem im Zuge des Krieges gegen Jugoslawien durch die deutsche Wehrmacht 1941 bereits 60.000 Sloweninnen und Slowenen aus der besetzten slowenischen/jugoslawischen Untersteiermark deportiert worden waren, begannen die Behörden im April 1942 auch planmäßig Sloweninnen und Slowenen aus Kärnten u. a. aus dem Völkermarkter Raum aus ihrer Heimat zu deportieren. Das löste organisierten bewaffneten Widerstand aus. Ein Widerstand gegen die Naziherrschaft, der von den Allierten als Beitrag zur militärischen Befreiung Österreichs anerkannt wurde und damit eine Basis für die Anerkennung der Selbständigkeit und Wiedergründung der Republik Österreich war. Ein Zentrum des bewaffneten Widerstands der Partisaninnen und Partisanen war die Saualpe nördlich von Völkermarkt. Zur Erinnerung an die auf der Saualpe gefallenen Partisanen – Angehörigen von acht Nationalitäten – haben die Kärntner Partisanen im Jahre 1947 in Anwesenheit von Vertretern der Alliierten ein Denkmal in St. Ruprecht bei Völkermarkt enthüllt. Das Denkmal wurde als Symbol des Kärntner und internationalen Kampfes gegen den Faschismus in der Nacht vom 10. zum 11. September 1953 von unbekannten, wohl rechtsextremen Terroristen gesprengt. Die österreichischen Behörden haben das Denkmal nicht in der ursprünglichen Form wiederhergestellt, deshalb hat es der Verband der Kärntner Partisanen im Jahre 1983 restauriert und vor dem Peršmanhof-Museum in Leppen (Marktgemeinde Bad Eisenkappel) neu aufgestellt. Der Peršmanhof war ein Partisanenstützpunkt, der am 25. April 1945 von der SS angegriffen wurde. Da sie keine Kämpfer vorfanden, ermordeten die SS-Männer kurzerhand die hier lebenden Familien Sadovnik und Kogoj, vier Erwachsene und sieben Kinder. Vier Kinder überlebten, davon drei schwerverletzt.

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