Montag, 3. August 2009

Prokla 155



PROKLA 155
Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
39.Jg., Nr.2, Juni 2009
172 S.







Eine Ausgabe, das man nur geradezu verschlingen kann. Der seltene Fall, ein Heft in der Hand zu haben, wo jeder Artikel geradezu noch begeisternder ist als der vorige. So wie hier zum Thema "Sozialismus?" sollte Prokla immer sein. Warum ist sie dies nicht öfter?

Ich kann gar keinen der Beiträge herausgreifen, so gut sind alle. Was jetzt nicht heißt, daß ich allem zustimme. Das Konzept der Rätedemokratie hat mich nie sonderlich überzeugt, auch wenn es gerade für den Historiker durchaus ein faszinierendes Thema ist. Auch Alex Demirović kann es in seiner abwägenden, aber tendenziell positiven Diskussion nicht schmackhafter machen. Christian Siefkes Präsentation von "commonsbasierter Peer-Produktion" als zukunftstaugliches Alternativmodell läßt mich skeptisch zurück.
Sehr spannend sind die Artikel von Raul Zelik und Renate Hürtgen über die ökonomische Ineffizienz des kommunistischen Staatssozialismus, von Katharina Götsch über linke Theorien eines "Marktsozialismus" und auch die sehr interessanten historischen Beiträge von Hendrik Wallat über Sozialismuskritik bei Marx, Ralf Hoffrogge über Sozialismuskonzepte der deutschen ArbeiterInnenbewegung 1848-1920 (da hab' ich mir noch am ehesten gedacht, daß man hier noch mehr hätte machen können) und Marcel van der Lindens Überblick über marxistische (vornehmlich trotzkistische) Kritikpunkte am "Sozialismus, der keiner war" der Sowjetunion.

Eine solch geballte Ladung fesselnder, intelligenter Texte habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

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