Montag, 2. November 2015

Ružomberok

1.11.2015

Im mittelslowakischen Ružomberok (früher deutsch Rosenberg und ungarisch Rózsahegy) wurde ein Fußballspiel besucht. 27.000 Menschen leben hier in der Landschaft Liptau (slowakisch Liptov).

Das Rathaus. Die Stadt wurde 1233 zum ersten Mal als terra Reuche erwähnt. In den ersten Jahrzehnten des 14.Jh. siedelten sich hier deutsche Siedler an und nannten die Stadt deutsch Rosenberg. Im Laufe der Jahrhunderte slowakisierte sich die deutsche Bevölkerung, sodass die Stadt im 19.Jh. gemessen an der slowakischen Bevölkerungsanzahl die größte „slowakische“ Stadt war und zum Zentrum der slowakischen Nationalbewegung und der slowakischen politischen Parteien im damaligen Ungarn wurde. Die damalige ungarische Krönungsstadt Pressburg (deutsch) / Pozsony (ungarisch) / Prešporok (slowakisch), das heutige Bratislava, war hauptsächlich deutsch und ungarisch bewohnt.


Der Hauptplatz ist nach Andrej Hlinka benannt. Im damaligen Vorort und heutigen Stadtteil Černová ereignete sich am 27. Oktober 1907 ein Massaker. Auf Betreiben des katholischen Priesters Andrej Hlinka, der sich bald zum Anführer der slowakischen Nationalbewegung aufschwingen sollte, wurde mit slowakischen Spendengeldern 1907 in Černová eine Kirche gebaut. In der damaligen ungarischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie hatte alles öffentliche Leben ungarisch zu sein. Die ungarische Amtskirche schickte daher einen ungarischen Priester zur Einweihung anstelle des slowakischen Nationalisten Hlinka. Eine von diesem verantwortete Protestversammlung wollte die Einweihung durch den Ungarn verhindern, woraufhin die Gendarmerie begann in die Menschenmenge zu schießen und dabei 15 Menschen tötete und 52 verletzte. Das Massaker wurde schnell international bekannt und förderte die politische Karriere von Hlinka. Im verbreiteten Nationalmythos blieb ausgeblendet, dass die königlich-ungarischen Gendarmen selbst Slowaken waren.


Denkmal am Rathaus für den britischen Historiker und Politologen Robert William Seton-Watson, der sich Anfang des 20.Jh. in seinen Buchpublikationen mit der Benachteiligung der nationalen Minderheiten in Österreich-Ungarn beschäftigte und viel zur internationalen Bekanntheit der slowakischen Nationalbewegung beitrug.


Die katholische Pfarrkirche neben dem Rathaus.


Unterhalb der Kirche wurde 1941 ein Mausoleum errichtet, das in der Zeit der faschistischen Slowakei bis 1945 als Grab für Hlinka diente. Der religiös geprägte slowakische Nationalismus des 1938 verstorbenen Hlinka wurde im mit Hitlerdeutschland verbündeten slowakischen Staat zur Staatsideologie und Hlinka zur mythischen Gestalt. Die damals der SS nachgeahmte paramilitärische Organisation nannte sich Hlinka-Garde (Hlinkova garda). Sie war 1942 maßgeblich für die Verfolgung, Beraubung und Ermordung der slowakischen Jüdinnen und Juden verantwortlich und beteiligte sich mit Massakern an der Zivilbevölkerung an der Niederschlagung des Slowakischen Nationalaufstands von 1944. 2007 wurde das nach 1945 wieder leere Mausoleum vom slowakischen Parlament zu einem nationalen Gedächtnisort erklärt.


Mit dem Anschluss an die Eisenbahn erlebte die Stadt ab den 1870er Jahren eine starke Industrialisierung, mit Papier- und Holzstoffwerken, einer Ziegelei und einer rasch wachsenden Textilindustrie. Die sich rasch verschlechternden Lebensbedinungen der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Weltwirtschaftskrise führten in den 1930er Jahren zu häufigen Streiks und Unruhen in Ružomberok.


Die ehemalige Synagoge wurde im typisch neoromanisch-maurischen Stil jüdischer Sakralarchitektur des 19.Jh. errichtet und 1880 eröffnet. Trotz des katholischen Antisemitismus war die Gegend von Ružomberok religiös relativ tolerant. Mit dem Papierfabriksbesitzer Jakub Klein gab es 1906/07 einen Juden als Bürgermeister. 1942 lebten hier 748 Jüdinnen und Juden, etwa fünf Prozent der Stadtbevölkerung. Etwa hundert gelang die Flucht vor dem Holocaust, 350 wurden deportiert und großteils ermordet. Das verwüstete Synagogengebäude überstand Faschismus und deutsche Besatzung als Lagerhalle. 1989 wurde es der jüdischen Gemeinde wiedergegeben. 2014 wurde es von der Stadt renoviert und dient heute als Ausstellungssaal.

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