Sonntag, 21. Februar 2021

Klagenfurt

21.2.2021

In Klagenfurt, slowenisch Celovec, wurde ein Fußballspiel besucht. 101.000 Menschen leben in der Landeshauptstadt von Kärnten/Koroška.


Klagenfurt liegt am Wörthersee. Seit 2008 ist der Stadtname auch offiziell Klagenfurt am Wörthersee (slowenisch Celovec ob Vrbskem jezeru). Blick von der Halbinsel Maria Loretto an der Ostbucht.

Das Schloss Maria Loretto ließ sich 1652 ein Graf von seinen Untertanen zum Freizeitvergnügen bauen. Das heutige Aussehen stammt aus dem 18.Jh.

Im Zuge des Ausbaus Klagenfurts zur Großstadt im 16.Jh. wurde 1527 der Lendkanal als Wasserstraßen-Verbindung vom Wörthersee in die Stadt errichtet. Er diente dem Gütertransport, der Flutung des Wassergrabens der Stadtbefestigung für Kriege und als Löschwasserreservoir. Heute ist er vor allem ein Naherholungsgebiet.

Die Klagenfurter Universität wurde 1970 als Hochschule für Bildungswissenschaften gegründet und 1993 zur Universität gemacht. Bemerkenswert im Vergleich zu anderen österreichischen Universitätsbauten ist der in den 1970er Jahren errichtete Campus. Für den Blick von außen auf Kärnten/Koroška war jahrzehntelang der sogenannte Ortstafelkonflikt prägend, bei dem die politisch hegemoniale deutschnationale Politik zeitweise durch Gewalt (1972) und lange durch politischen Druck slowenischsprachige Aufschriften auf Ortstafeln an Orten verhinderte, in denen die slowenische Bevölkerung lebt. Slowenisch als Sprache und Sloweninnen und Slowenen als jahrtausendalter Teil der Landesbevölkerung sollten nicht sichtbar sein. Das sorgte lange für Begeisterung bei der deutschsprachigen Mehrheit der Kärntnerinnen und Kärntner und für Wahlerfolge der Politiker und Parteien, die das vertraten. „Kärnten wird einsprachig“ ließ der seinerzeitige FPÖ/BZÖ-Landeshauptmann Haider im Wahlkampf 2006 landesweit inserieren und plakatieren nachdem seine Landesregierung österreichisches Verfassungsrecht und eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshof für zweisprachige Ortstafeln schlicht und einfach missachtete. An der Klagenfurter Universität versuchte man sich der geistigen Verengung und Verkümmerung zu widersetzen und stellte als Akt des Widerstands zweisprachige Universitäts-Namenstafeln im Stil von Ortstafeln auf. Wie die zweisprachigen Ortstafeln an den Dorfeinfahrten in den siebziger Jahren wurden sie mehrmals von Deutschnationalen attackiert, abmontiert und gestohlen. Im Unterschied zu damals wurden sie in den 2000er Jahren aber jeweils wieder neu aufgestellt.

Das 1938-Denkmal wurde 1988 neben dem Haupteingang der Klagenfurter Universität in Gedenken an die zahlreichen und verdrängten Opfer der siebenjährigen Gewaltherrschaft der Nazis in Österreich 1938 bis 1945 errichtet.

Im britischen Soldatenfriedhof Klagenfurt War Cemetery sind 589 Angehörige der britischen Streitkräfte begraben, die für die Befreiung Österreichs 1945 getötet wurden oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit starben.

Das Landhaus wurde 1574 bis 1594 errichtet und ist Sitz des Kärntner Landtags. Nachdem Klagenfurt durch einen Großbrand 1514 zerstört worden war, schenkte Kaiser Maximilian die Stadt den Landständen (dem Kärntner Adel), damit diese sie mit der Arbeit ihrer Untertanen wiederaufbauen ließen. Klagenfurt wurde zur neuen Hauptstadt Kärntens anstelle von St. Veit/Glan und im Lauf des 16.Jh. ausgebaut. Nach dem Stadtbrand 1723 wurde das schwer beschädigte Landhaus barock neu gestaltet.

Straßenszene. Eine Siedlung wurde hier erstmals zwischen 1192 und 1199 schriftlich erwähnt. Nach einer Überschwemmung ließ der Kärntner Herzog sie 1246 neu gründen und verlieh ihr 1252 das Stadtrecht.

Das Denkmal vor dem Landesgericht aus dem Jahr 2013 erinnert an 47 Menschen, die hier wegen Widerstands gegen die Nazi-Verbrechen zum Tode verurteilt und später in Berlin, Wien und Graz von der NS-Justiz durch Enthauptung hingerichtet wurden.

Das Stadttheater wurde 1910 anstelle eines baufälligen älteren Theaterbaus eröffnet, gewidmet dem 60-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs 1908 als Jubiläums-Stadt-Theater. Die Pläne stammten aus dem Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer, die seinerzeit in der ganzen Habsburgermonarchie und darüber hinaus Theaterbauten planten. So stehten im deutschen Gießen und im nordböhmischen Jablonec baugleiche Theater. Nach der Erfindung des Nationalismus im 19.Jh. waren die Theater wie auch hier nicht nur einfach Kulturstätten sondern dienten vor allem im nationalen „Grenzland“ der Verbreitung gegen Minderheiten gerichteten nationalistischen Prägung, hier der deutschnationalen, im Bürgertum. In den Jahren der FPÖ/BZÖ-Regierung Kärntens Anfang des 21.Jh. war es dann einer der wenigen und daher überregional beachteten Orte, an dem öffentlichkeitswirksam Kritik an den Mächtigen des Landes geübt werden konnte.

Straßenszenen

Bereits 1940/41 wurden von den Nazis in vier Zug-Transporten mindestens 739 Menschen von der Klagenfurter Psychiatrie und Kärntner Siechenheimen (Altenheimen) zur Ermordung in die oberösterreichische Tötungsanstalt Hartheim geschickt. Bis 1945 wurden in Klagenfurt selbst 700 bis 900 Patienten im Landeskrankenhaus als für die Nazis sogenannte „Lebenunwerte“ von Ärzten und Pflegepersonal ermordet. Neben der Ermordung von Kärntner Insassen wurden zur Tötung 1943 mit zwei Zügen auch 60 Kinder aus Kühr an der Mosel und 40 Kinder aus Mönchengladbach hierher gebracht. 1988 wurde zum Gedenken das Mahnmal im Krankenhauspark errichtet.

Straßenszenen

Das Wörtherseemandl. Die Bronzefigur aus dem Jahr 1962 zeigt eine beliebte Kärntner Sagenfigur. Durch unendliche Wassermassen aus seinem Fass habe er den Wörthersee durch Überflutung einer Stadt entstehen lassen, weil die zuvor an dieser Stelle wohnenden Menschen das Leben liebten und genossen und nicht christlich-religiös in Gottesfurcht verharrt haben sollen. Deswegen tötete sie der Zwerg durch Ertrinken im Wasser und zerstörte ihre Stadt.

Der Lindwurm wurde 1593 auf dem Neuen Platz aufgestellt, wobei der Brunnen zur Lindwurm-Statue erst 1624 hinzukam. Der aus einer Sage stammende Lindwurm-Drachenfigur ist das Wahrzeichen und Wappentier der Stadt. Im Zuge des Ausbaus Klagenfurts im 16.Jh. wurde der Neue Platz als Stadtzentrum errichtet und die Straßen rund um ihn schachbrettmusterartig angelegt.

Maria Theresia

Der größte Dichter slowenischer Sprache, France Prešeren, arbeitete 1832 am hier befindlichen Gerichtshof als Anwalt.

Erinnerungstafel unter den Arkaden der Burg. Die sogenannte Burg ließen im 16.Jh. die protestantischen Landstände als Schule errichten. Nachdem die Habsburgerherrschaft Klagenfurt katholisch machen ließ, war hier 1604 bis 1747 die Residenz des Burggrafen. 1773/74 wurde das Gebäude aufgestockt, die Fassade wurde einheitlich gestaltet. Die Nazis richteten hier 1938 bis 1945 den Sitz der Gestapo ein. Die Gestapoleitstelle Klagenfurt war für Bespitzelung und Verfolgung von Regimegegnerinnen und -gegnern zuständig. Die Beamten verhörten, folterten und richteten hier ein Gefängnis ein. Nicht versteckt sondern im Stadtzentrum.

Der Aufstieg Klagenfurts von einer kleinen Siedlung zur Großstadt und dem Zentrum des Landes im 16.Jh. hing auch mit der Verbreitung der protestantischen Religion zusammen. Das neue Religionsbekenntnis erfreute sich bei der Kärntner Bevölkerung großer Beliebtheit und wurde auch von der zahlreichen Zuwanderung aus Württemberg und Sachsen mitgebracht, die in die prosperierende und schnell wachsende Stadt kam. In den 1570er Jahren war Klagenfurt fast vollständig protestantisch. Die heutige katholische Domkirche wurde ab 1581 als größte protestantische Kirche Österreichs errichtet. Der mit der katholischen Kirche verbundenen Habsburger-Herrschaft gefiel das abweichende Religionsbekenntnis nicht, sodass sie im Jahr 1600 mit staatlicher Gewalt die kurze Zeit der Religionsfreiheit beenden ließ. Alle protestantischen Kirchen und Schulen wurden geschlossen, religiöse Bücher verbrannt und die Bevölkerung vor die Wahl gestellt, entweder katholisch zu werden oder das Land zu verlassen. Die Kirche übergab der Staat 1604 dem zur katholischen Gegenreformation gegründeten Jesuiten-Orden. 1787 verlegte der Bischof der katholische Diözese Gurk seine Residenz in das katholisch gemachte Klagenfurt und machte die Kirche zum Dom der Gurker Bischöfe.

Straßenszene

Am Haupteingang des Kärntner ÖGB-Gebäudes wurde 2020 das Denkmal Wächter für Freiheit und Demokratie des Künstlers Karl Brandstätter errichtet.

Das Geburtshaus des Schriftstellers Robert Musil ist heute ein Literaturmuseum

Der Klagenfurter Hauptbahnhof wurde nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu gebaut und dabei die Halle 1956 mit Fresken des Künstlers Giselbert Hoke geschmückt. Es gab dagegen heftige Proteste in der Öffentlichkeit, weil moderne Kunst abgelehnt wurde.

Gedenkstätte an der Stelle des ehemaligen jüdischen Bethauses. Nach der Nazi-Machtübernahme im März 1938 wurden die jüdischen Klagenfurterinnen und Klagenfurt (1934 waren es 269 Personen) verfolgt. Ihre Bankkonten wurden gesperrt und ihre Besitz geraubt. Das 1903 eröffnete Bethaus in der Platzgasse wurde in der Reichsprogromnacht vom 9. November 1938 ebenso wie Wohnungen und der Jüdische Friedhof von Klagenfurter Nazis überfallen und verwüstet.

Ausstellungswerbung als Hinweis, dass sich in den letzten Jahren im Zusammenleben von deutschsprachiger und slowenischsprachiger Kärntner Bevölkerung einiges zum Besseren gewandelt hat.

Das Gebäude der Dr. Karl Renner-Schule wurde 1950 eröffnet. 1994 legte der rechtsextreme Terrorist Franz Fuchs eine fünf Kilo schwere Bombe auf dem Gelände der hier untergebrachten zweisprachigen deutsch-slowenischen Schule. Diese Schule konnte gegen jahrelangen großen Widerstand von Kärntner Behörden und Politik gegen die Unterrichtung von Kindern in slowenischer Sprache erst nach einer Verfassungsgerichtshofentscheidung 1989 gegründet werden. 1991/92 wurde der zweisprachige Schulbetrieb aufgenommen. Wie sehr die Gleichberechtigung Rechtsextreme ärgerte, sah man nicht zuletzt an diesem Terroranschlag. Der Polizist Theo Kelz, ein ausgebildeter Sprengmeister, brachte die rechtzeitig entdeckte Bombe zum Flughafen Klagenfurt, um sie dort in der Gepäck-Röntgenstraße zu untersuchen. Dabei detonierte die Bombe, Kelz wurden beide Unterarme abgerissen.

Das 1967 errichtete Mahnmal Den Opfern für ein freies Österreich am Zentralfriedhof in Annabichl wurde 2003 temporär um eine Namenstafel mit 1.000 Namen von Kärntner Nazi-Opfern ergänzt. 2004 wurde die Erinnerung an die Todesopfer in einem rechtsextremen Anschlag schwer beschädigt. 2015 wurde eine neue Anlage mit weit mehr Namen aufgestellt. Nach Forschungsstand wurden von 1938 bis 1945 rund 10.000 Menschen in und aus Kärnten zu Opfern der Gewalt der Nazis. Die Namenstafeln gedenken 3.175 bisher erforschten hier Ermordeten. Sie stammen aus insgesamt zwölf Staaten, die meisten aus dem heutigen Österreich und der früheren UdSSR. Darunter mehr als ein Fünftel Frauen und über 100 Kinder. 1.205 Namen bezeichnen sowjetische Kriegsgefangene, welche die Wehrmacht vor allem in den Kriegsgefangenenlagern Wolfsberg und Spittal/Drau massenhaft elend verrecken ließ. 883 der Namen erinnern an Opfer der NS-Euthanasie. 610 Namen beziehen sich auf Todesopfer des Partisanenkampfes zur Befreiung von den Nazis und der Verfolgung von Kärntner Sloweninnen und Slowenen. Hunderte weitere Opfernamen stehen für ermordete Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und andere Verfolgte.

Krieg bedeutet Tod. Am Soldatenfriedhof sind 2.739 getötete Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, dem Kärntner Abwehrkampf 1920 und dem Zweiten Weltkrieg begraben. Darunter auch britische, sowjetische und südslawische (serbische) Soldaten.

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