Montag, 21. April 2014

Michalovce

19.4.2014

Ein kurzer Spaziergang führte durch Michalovce (deutsch Großmichel, ungarisch Nagymihály) im Osten der Slowakei bevor hier ein Fußballspiel besucht wurde. Rund 40.000 Menschen leben hier.

Das ehemalige Schloß der Adelsfamilie Sztáray, heute ist hier das Zempliner Museum (Zemplínske múzeum) untergebracht. Das Schloß wurde anstelle einer Burg aus dem 13.Jh. im 17.Jh. als Renaissancebau errichtet, im 18.Jh. zu einem Barockschluß umgewandelt und schließlich 1809 zum heutigen klassizistischen Aussehen umgebaut.


An die mittelalterliche Anlage erinneren die Fundamente einer Rotunde (Rundkirche) aus dem 13.Jh., die 1977 im Schloßpark entdeckt wurden.


Die ursprünglich gotische römisch-katholische Kirche aus dem 14.Jh., die im 18.Jh. ihr heutiges spätbarockes Aussehen erhielt. Rund 42% sind hier römisch-katholisch.


Straßenszene mit der griechisch-katholischen Kirche aus dem Jahr 1771 im Hintergrund. Rund 17% sind hier griechisch-katholisch.


Die aus dem Jahr 1888 stammende jüdische Synagoge wurde 1975 abgerissen. Eine Gedenktafel erinnert an der Stelle, wo sie einst stand, an der heutigen Poliklinik, an die im Holocaust ermordeten Jüdinnen und Juden aus Michalovce. Sie stellten Anfang des 20.Jh. ein Drittel der Stadtbevölkerung. Zwischen 1942 und 1944 wurden 3.800 Menschen deportiert und die meisten ermordet. Nach der Befreiung entstand eine neue jüdische Gemeinde, die in den 1960er Jahren noch aus über 200 Mitgliedern bestand. Heute leben hier nur mehr wenige dutzend.


Das 1928 eröffnete Rathaus.


Straßenszene


Die 1931 bis 1934 in neobyzantinischem Stil errichtete griechisch-katholische Kirche.

Košice

19.4.2014

Die ostslowakische Stadt Košice (ungarisch Kassa, romani Kasha, deutsch Kaschau) wurde aus Anlaß eines Fußballspiels besucht. Rund 240.000 Menschen leben hier in der zweitgrößten Stadt der Slowakei.

Vom Ende des 11.Jh. bis 1918 war Košice Teil Ungarns. Von Anfang an war es eine multiethnische Stadt, im 13.Jh. entstand sie aus dem Zusammenwachsen einer slawischen und einer deutschen Siedlung. Nach der osmanischen Eroberung des Großteils Ungarns siedelten sich ungarische Flüchtlinge an. 1880 war die Stadtbevölkerung zu 42% slowakisch, 41% ungarisch und 17% deutsch. Durch die starke Magyarisierungspolitik wurde 1910 bereits 75% ungarischer Anteil gezählt. Nach der Gründung der Tschechoslowakei und dem Ende der Nachkriegs-Kriege 1919 verließen viele Ungarinnen und Ungarn die Stadt, nach der Angliederung an das mit Hitler verbündete Horthy-Ungarn 1938 wurden 30.000 Tschechoslowakinnen und Tschechoslowaken aus der Stadt vertrieben, nach 1945 wiederum tausende Ungarinnen und Ungarn. Heute sind hier 94% slowakisch und nur mehr 3% ungarisch und 2% Roma.


Der gotische Elisabeth-Dom (slowakisch Dóm svätej Alžbety, ungarisch Szent Erzsébet-székesegyház) entstand in mehreren Etappen im 14. und 15.Jh. und ist die größte Kirche der Slowakei.


Vom 16. bis ins 19.Jh. wurde die Stadt von Kriegen, Aufständen und Revolutionen gegen die habsburgische Herrschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. 1906 wurde die Leichname des 1735 im Exil verstorbenen Franz II. Rákóczi und seiner Gefährten im Dom bestattet. Rákóczi führte von 1703 bis 1711 einen Aufstand ungarischer Adeliger gegen die Habsburger an, in dem durch den Krieg und infolge ausgebrochener Epidemien eine halbe Million Menschen getötet wurden. Er gilt als ungarischer Nationalheld. Den kämpfenden Bauern wurde die Aufhebung der Leibeigenschaft versprochen, was allerdings nicht geschah.


Der Urban-Turm (slowakisch Urbanova veža) neben dem Dom entstand durch einen Umbau des ursprünglich gotischen Turms im 14.Jh. und diente als Glockenturm. 1628 wurde er im Renaissancestil umgebaut.


Das Theatergebäude im Stadtzentrum wurde 1899 eröffnet, das heutige Staatstheater Košice (Štátne divadlo Košice) wurde 1945 gegründet.


Denkmal des 1900 hier geborenen und aufgewachsenen ungarischen Schriftstellers Sándor Márai.


Ebenfalls von hier stammte Béla Gerster, Architekt des Kanals von Korinth und Mitarbeiter am Panama-Kanal.


Das Denkmal des unbekannten antifaschistischen Kämpfers (Pamätník neznámeho protifašistického bojovníka) aus den Jahren 1947/48. Unter einem gemauerten Obelisk befindet sich ein Raum mit tschechoslowakischem Staatswappen, den Jahreszahlen der Besatzungen von 1938 bis 1945 und Statuen tschechoslowakischer Soldaten an einem symbolischen Grab.



Gegenüber steht das bereits im Juli 1945 enthüllte Denkmal für die Soldaten der Sowjetarmee (Pamatnik vojakov Sovietskej armady), welche die Stadt 1945 befreiten. Neben den Säulen gibt es Grabsteine, da hier ursprünglich auch vierzehn Soldaten begraben waren.


Die ehemalige neologische Synagoge, die 1926/27 errichtet wurde und unter ihrer großen Kuppel über tausend Menschen Platz bot. In der Nachkriegszeit wurde ein Vorbau errichtet und das Gebäude zur Philharmonie umfunktioniert. Das große, reichhaltige, vielfältige und vielzählige jüdische Leben war im Holocaust vernichtet worden.


Die älteste erhaltene Synagoge der Stadt ist die alte orthodoxe Synagoge aus dem Jahr 1883. Sie dient auch heute ihrem Zweck. Die jüdische Gemeinde ist heute mit 280 Mitgliedern die zweitgrößte in der Slowakei. 1930 lebten hier noch 11.500 Jüdinnen und Juden, die 16% der Košicer Bevölkerung bildeten. Im Mai/Juni 1944 wurden unter ungarischer Ägide 10.000 Menschen nach Auschwitz deportiert.


Unweit davon wurde 1926/27 die neue orthodoxe Synagoge errichtet. Sie wird heute von der jüdischen Gemeinde Košices nur zu hohen Feiertagen genutzt. An den Innenwänden der Synagoge sind mit Bleistift geschriebene Nachrichten von Jüdinnen und Juden erhalten, die dort vor den Deportationen in KZ gefangengehalten wurden. Eine Gedenktafel an der Außenwand erinnert an die im Holocaust Ermordeten. Das damals ungarische Kassa war zentral in der von Adolf Eichmann organisierten Logistik des Mordens. 380.000 Menschen aus Ungarn und der Slowakei wurden am hiesigen Bahnhof in Viehwaggons gepfercht und nach Auschwitz transportiert.



Nur mehr ein kleiner Teil der einstigen Grabsteine an einem Hang in einer Wohnsiedlung in der Tatranská ulica erinnert an den hier 1842 eröffneten alten jüdischen Friedhof. 1888 wurde er geschlossen, nachdem im Süden der Stadt ein großer neuer Friedhof angelegt worden war. Der Rest wurde beim Bau der Wohnbauten zerstört.



Der neue jüdische Friedhof wurde anstelle des alten neben dem städtischen Friedhof errichtet und dient bis heute seinem Zweck.



1969 wurde ein Denkmal für die Ermordeten des Holocausts aufgestellt. Der Davidstern hatte zuvor die Spitze der Kuppel der neologischen Synagoge geschmückt, war aber nach deren Umfunktionierung abmontiert worden und bekam hier eine neue Funktion.


Symbolische Grabstellen mit Erinnerungstafeln an Ermordete.


Freitag, 18. April 2014

Blätter, September 2013




Blätter für deutsche und internationale Politik
Heft 9/2013
128 S.







Als Kern des Skandals um die umfassende Spionage- und Datensammlungsaktivität der NSA der USA faßt Bernd Rheinberg „erstens, die widerrechtliche, mit hohen logistischen, personellen und finanziellen Mitteln durchgeführte Verletzung unserer Privatsphäre durch die Geheimdienste; zweitens, die Aushöhlung des Rechts durch den Rückzug der staatlichen, demokratisch legitimierten Institutionen ins Geheime (Arkanum); und drittens, die freiwillige oder unfreiwillige Zusammenarbeit monopolartiger Unternehmen des Internets mit staatlichen Stellen“ zusammen.
Weitere Artikel widmen sich der Debatte um den deutschen Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg und den Vorwurf der beschönigenden Darstellung seiner Zeit im NS-Regime sowie dem Verfall Venedigs.

Mittwoch, 16. April 2014

Debrecen

15.4.2014

In der ostungarischen Stadt Debrecen (deutsch Debrezin) wurde ein Fußballspiel besucht. Rund 204.000 Menschen leben hier in der zweitgrößten Stadt des Landes.

Straßenszene


Die zwischen 1805 und 1824 in klassizistischem Stil errichtete Große Reformierte Kirche (Református Nagytemplom) ist die größte calvinistische Kirche Ungarns. An dieser Stelle hatten sich seit dem 10.Jh. mehrere Kirchenbauten befunden, die durch Brände zerstört und mehrmals neu gebaut wurden.


Neben der Attraktion als religiöse Architektur ist die Große Kirche auch ein nationalpolitischer Tourismusmagnet. Hier verkündete der Revolutionsführer Lajos Kossuth am 14. April 1849 die Absetzung der Habsburger als ungarische Könige und die Unabhängigkeit verkündete. Die Revolutionsarmeen waren bald darauf aber nach militärischer Intervention Rußlands endgültig besiegt und Franz Joseph richtete eine Militärdiktatur über Ungarn ein.


In Grenzlage zwischem habsburgischem, siebenbürgischem und osmanischem Herrschaftsbereich konnte sich die katholische Gegenreformation der Habsburger im 17.Jh. in Debrecen nicht durchsetzen. Versucht wurde es allerdings, die Stadt gewaltsam wieder katholisch zu machen. Das Denkmal erinnert an 41 protestantische Pastoren, die 1673/74 als Galeerensklaven auf das Mittelmeer verschleppt wurden. 1676 wurden 20 Überlebende von einem niederländischen Admiral die Freiheit zurückgegeben.


Debrecen ist eine große Universitätsstadt. Der Vorläufer der heutigen Universität, die 1912 gegründet wurde, war das 1538 gegründete calvinistische Reformierte Kollegium (Református Kollégium).


Im Kollegium ist eine Ausstellung zu verschiedenen Themen seiner Geschichte zu sehen. Im Teil über die Rolle Debrecens als „calvinistisches Rom“ gibt es u.a. eine Druckmaschine aus dem 16.Jh. zu sehen.


Von großer Bedeutung für das Religionsleben war das Kollegium als Bildungsstätte. Das zeigt ein weiterer Ausstellungsteil.


Hier im Oratorium des Kollegiums tagte 1849 der revolutionäre ungarische Landtag, nachdem dies in den Hauptstädten Preßburg und Pest aufgrund der militärischen Lage gegen die habsburgischen Truppen nicht mehr möglich war. Auf den Kirchenbänken sind die Namensschilder, der hier 1849 sitzenden Honoratioren angebracht. Nach der Befreiung 1944 tagt hier auch kurz eine provisorische ungarische Nationalversammlung.


Die Große Bibliothek (Nagykönyvtár) des Kollegiums glänzt mit einem Bestand von 600.000 Bänden, vor allem religiöse Bücher. Stolz ist man darauf, daß es hier die Bibel in 250 Sprachen gibt.



Straßenszene


Die Kleine reformierte Kirche (Református Kistemplom) wurde 1726 im Barock gebaut und 1870 umgestaltet, wobei vor allem die Gestaltung des Kirchturms mit einem Flachdach markant ist.


Das im Jugendstil 1911/12 errichtete Alte Komitatshaus (Megyehaza) von Hajdú-Bihar.


Die Reformation hatte sich hier im 16.Jh. vollständig durchgesetzt, ab 1552 durften sich Personen katholischen Glaubens nicht mehr in der Stadt niederlassen. 1715 kam aber die katholische Kirche wieder in die Stadt und der Piaristenorden errichtete die 1746 fertiggestellte St.-Anna-Kirche.


Die Pásti utcai zsinagógá wurde 1894 als Synagoge der orthodoxen Gemeinde eröffnet. Sie wurde in eklektischer Baustilmischung errichtet und zeigt eine schöne renovierte Farbgebung der Fassade. Der Innenraum konnte allerdings noch nicht wiederhergestellt werden.
Anfang des 20.Jh. lebten 10.000 Jüdinnen und Juden in Debrecen, stellten rund 10% der Stadtbevölkerung und hatten ein reichhaltiges Leben mit zahlreichen Einrichtungen und Synagogen. Die Diskriminierungen der antisemitischen Gesetze des Horthy-Regimes von 1938 trafen sie wirtschaftlich schwer. 1939 und 1942 wurden viele jüdische Männer zur Zwangsarbeit eingezogen. Viele starben, da sie im Krieg als Vorhut von Militäreinheiten in der Ukraine über Minenfelder getrieben wurden, um mit ihrem Leben die Minen zu räumen.


Die Kápolnás Utcai Zsinagóga wurde 1910 eröffnet und war die Synagoge der Status-Quo-Gemeinde. Ihre Architektur ist eine Mischung aus modernen und traditionellen byzantinisichen Stilelementen. Bis 1944 war hier auch eine jüdische Schule untergebracht. Heute wird die Synagoge zu religiösen Festtagen genutzt.
1940 lebten 12.000 Jüdinnen und Juden in der Stadt. 1941 wurden rund 3.000 mit polnischer Herkunft deportiert. Nach der Ankunft der deutschen Wehrmacht in der Stadt im März 1944 wurde im April/Mai ein Ghetto errichtet. Im Juni wurden die Menschen in ein Lager in der Ziegelfabrik Serly getrieben und schließlich am 3. Juli 1944 nach Auschwitz deportiert. Zwei Drittel der Menschen von 1940 wurden ermordet, rund 4.000 überlebten den Holocaust und gründeten 1946 eine neue Gemeinde. Heute leben 1.000 Jüdinnen und Juden in Debrecen, die größte Gemeinde in Ungarn.


Der Hauptbahnhof (Nagyállomás) aus dem Jahr 1961 ist kein Schmuckstück der Nachkriegsarchitektur, aber zumindest von außen ansprechender als in der Halle. 1857 hatte die Eisenbahn Debrecen erreicht, es folgte eine industrielle Entwicklung in der Stadt. Als Industriestadt wurde Debrecen im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert (rund 70% der Häuser wurden beschädigt) und dabei auch der alte Bahnhof aus dem Jahr 1891 zerstört.

Montag, 14. April 2014

Galanta

13.4.2014

Nach Galanta (ungarisch Galánta) im Donautiefland in der Westslowakei führte ein Fußballspiel. Rund 15.000 Menschen leben hier heute.

2011 war die Bevölkerung 58% slowakisch und 31% ungarisch. Bis 1945 war Galanta eine ungarisch geprägte Stadt. 1910 waren die damals 3.300 Menschen hier 90% ungarisch und 6% slowakisch. Nach dem Anschluß des Gebietes an das mit Hitler verbündete Ungarn im Zweiten Weltkrieg wurde die Hälfte der ungarischen Bevölkerung nach Kriegsende 1945 vertrieben.


Historische Bauten im Stadtzentrum sind rar. In den Nachkriegsjahrzehnten wurde in der kommunistischen Ära viel abgerissen und durch große Wohnbauten im regionaltypischen Plattenbautenstil ersetzt. Es gibt noch wenige Fin-de-Siècle-Gebäude an der Haupstraße.


Zwischen Plattenbauten steht das um 1600 erbaute Renaissance-Schloß der halb Westungarn (inkl. Teilen der Slowakei und des Burgenlands) besitzenden und beherrschenden Adelsfamilie Esterházy. 1421 erwarben die Esterházy große Teile der Stadt Galanta und führten sie später sogar in ihrem Familiennamen „Esterházy von Galántha“. Das Schloß wurde 1992 renoviert. Bemerkenswert ist der im Boden an Graben und Mauer ersichtliche sternförmige Verlauf der einstigen Festungsmauer.


In schlechtem Zustand ist dagegen das eigentliche Wahrzeichen der Stadt. Das Schloß ließen 1633 die Esterházys ursprünglich ebenfalls als Renaissance-Schloß errichten, hundert Jahre später wurde es 1736 im Barockstil umgebaut und erhielt wiederum hundert Jahre später 1860 seine heutige Form im damals modernen historistischen neogotischen Tudor-Stil. Das Schloß steht inmitten des heute öffentlich zugänglichen Parks, steht aber leer. Nur ein kleiner Seitentrakt wurde 2011 renoviert.





Die Esterházys finanzierten den Komponisten Joseph Haydn und ließen ihn für sich musizieren. Heute ist hier die Musikschule nach ihm benannt.


Ein Kuriosum: Die Lenin-Statue, die im Kommunismus 1972 zum 50-jährigen Jahrestag der Gründung der Sowjetunion am Hauptplatz aufgestellt worden war, steht seit 2001 im Gastgarten eines Restaurants.


Die katholische Pfarrkirche wurde zwischen 1797 und 1805 im Übergang vom Barock zum Klassizismus errichtetn.


Unter den zahlreichen historischen Gebäuden, die in kommunistischer Zeit abgerissen wurden, war auch die historische Synagoge. Ihre Umrisse sind anhand der Grundmauern ersichtlich. Hier stand von 1899 bis 1976 eine von zwei orthodoxen Synagogen der Stadt. Nach der Spaltung der ungarischen jüdischen Gemeinde 1868 wählte die Gemeinde von Galanta die orthodoxe Richtung. Diese Gemeinde spaltete sich allerdings 1893 und beide Teile wurden anerkannt. Somit gab es in der kleinen Stadt zwei orthodoxe jüdische Gemeinden mit eigenen Synagogen und Einrichtungen. Das sorgte damals für internationale Medienaufmerksamkeit.


Inmitten der ehemaligen Synagoge wurde 2003 ein Denkmal für die im Holocaust Ermordeten aus Galanta und Umgebung errichtet. 1930 lebten in Galanta 1.274 Jüdinnen und Juden. Nach dem Anschluß an Horthy-Ungarn 1938 galten die diskrminierenden ungarischen Gesetze auch für sie und ab 1940 wurden die jüdischen Männer wie in ganz Ungarn in Zwangsarbeitseinheiten eingezogen, in denen sehr viele ums Leben kamen. Nach der deutschen Besetzung wurden im Mai 1944 1.560 Jüdinnen und Juden aus Galanta und Umgebung nach Auschwitz deportiert und die meisten ermordet.


Der jüdische Friedhof außerhalb des Zentrums. Einige Menschen überlebten den Holocaust und kehrten zurück. 1947 lebten wieder 272 Jüdinnen und Juden in Galanta, heute sind es nach einer großen Emigrationswelle 1948/49 etwa 60.



Am Bahnhof hängt eine Gedenktafel für den französischen Offizier Michel Bourel de la Ronciere. Er gehörte zu den mehreren hundert französischen Kriegsgefangenen in Ungarn, die unter dem Horthy-Regime relative Bewegungsfreiheit besaßen, da Ungarn mit Frankreich und Belgien offiziell nicht im Krieg war. Bis zu seiner Verhaftung durch ungarische Gendarmen in Galanta im September 1944 verhalf er Antifaschisten und Gefangenen zur Flucht und beim illegalen Grenzübertritt. Sie konnten sich im Sommer 1944 dem Slowakischen Nationalaufstand gegen Faschisten und Besatzer anschließen.