Sonntag, 3. Dezember 2017

Mosonmagyaróvár

3.12.2017

Im westungarischen Mosonmagyaróvár wurde ein Fußballspiel besucht. 33.000 Menschen leben hier.

Mosonmagyaróvár entstand 1939 durch Zusammenlegung von Moson (deutsch Wieselburg) und Magyaróvár (Ungarisch-Altenburg). Die hier Lebenden nennen die Stadt kurz Óvár, Auswärtige aber zumeist Moson.


Moson war Namensgeber und zeitweise Hauptstadt des ehemaligen westungarischen Komitats Wieselburg (ungarisch Moson vármegye), das vom 10.Jh. an bestand und zu einem Drittel auf dem Gebiets des seit 1921 österreichischen Burgenlands lag und im Norden seit 1918/19 in der Slowakei liegende Landstriche umfasste. Es war mehrheitlich deutschsprachig (1910 55% deutschsprachig, 35% ungarisch, 9% kroatisch). Nach den neuen Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Komitat aufgelöst und mit anderen vereinigt. Ende der 1930er Jahre waren in der Stadt Magyaróvár 7.287 der Einwohnerinnen und Einwohner ungarisch, 1205 deutsch und 41 kroatisch, in Moson 4619 ungarisch, 1701 deutsch sowie 61 kroatisch oder slowakisch. Die deutschsprachige Bevölkerung des Komitats wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1945/46 vertrieben.


Die barocke katholische Pfarrkirche wurde im 18.Jh. erbaut.


Magyaróvár war von 1763 bis 1945 im Privatbesitz der Habsburger. Am Hauptplatz steht das einstöckige Gebäude ihrer ehemaligen Residenz, auf dessen Balkon man die Gedenktafel des Besuches des Anführers des ungarischen Unabhängigkeitskrieges gegen die Habsburgerherrschaft 1848/49 Lajos Kossuth angebracht ist. Er hielt hier am 23. Oktober 1848 eine Rede, in der er die Männer der Stadt aufrief, sich in die ungarischen Truppen einzureihen. Die neu gebildeten Einheiten wurden von den Soldaten des österreichischen Kaisers schwer geschlagen und viele getötet.


Der Habsburger Erzherzog Friedrich verlebte hier von 1919 bis zu seinem Tod 1936 auf seinen Besitzungen seinen Ruhestand, da das ohne König fortbestehende Königreich Ungarn das Vermögen der Habsburger im Unterschied zu den anderen Nachfolgestaaten der Monarchie nicht eingezogen hatte. Von 1914 bis 1917 war Friedrich anstatt des greisen Kaisers Franz Jospeh formell Armeeoberkommandant der österreichisch-ungarischen Streitkräfte und damit verantwortlich für eine Million tote und zwei Millionen verwundete eigene Soldaten sowie deren systematische Kriegsverbrechen und Massenmorde an der eigenen Bevölkerung und in besetzten Ländern. Er wird hier mit einem Denkmal geehrt.


Brauereigebäude


Die ehemals für die Herrschaft produzierende Mühle


Die Óvárer Burg wurde im 13.Jh. auf den Überresten einer antiken römischen Siedlung errrichtet und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut. Anstelle einer einstigen Zugbrücke gelangt man heute über eine Ziegelsteinbrücke zum Burgtor aus dem 15.Jh.. Seit 1818 befindet sich hier ein landwirtschaftliches Hochschulinstitut. Als nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 die Lehranstalt an den ungarischen Staat fiel und nur noch in ungarischer Sprache unterrichtet werden durfte, verlor die traditionsreiche Einrichtung ab 1870 viele ihrer deutschsprachigen Professoren. Einige von ihnen gingen an die 1872 gegründete Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU).


Die evangelische Kirche aus dem Jahr 1884.


Bei der sowjetischen Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands 1956 gab es in der Stadt mehr als fünfzig Tote und Verwundete. In den letzten Oktobertagen 1956 durchquerten zehntausende ungarische Flüchtlinge die Stadt hin zur österreichischen Grenze.


Das heutige Rathaus, bis 1924 Komitatshaus, wurde 1892 in Neorenaissancestil erbaut. An der Fassade ist das Wappen des Komitates Moson zu sehen. Eine Gedenktafel erinnert an die napoleonischen Kriege, 1809 wurde die Stadt von französischen Truppen besetzt. Magyaróvár entwickelte sich zum industriellen und kulturellen Zentrum der Region und wurde schließlich auch Komitatshauptstadt, während wurde Moson eine von landwirtschaftlichem Großgrundbesitz und Kaufleuten geprägte Gemeinde war.


Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten 400 bis 500 Jüdinnen und Juden in den beiden Städten. Überwiegend wohnten sie in Moson, wo das Gemeindeleben mit Synagoge und vielen weiteren Einrichtungen stattfand. Man sprach deutsch und ungarisch. Nach der deutschen Besetzung Ungarns im März 1944 wurde von der ungarischen Verwaltung ein Ghetto eingerichtet, in das sie zwangsweise übersiedeln mussten. Im Juni 1944 wurden 466 Jüdinnen und Juden von dort erst nach Győr und dann zur Ermordung nach Auschwitz deportiert. 2014 wurde vor dem 1990 renovierten Gebäude der Zeremonienhalle am jüdischen Friedhof eine Holocaust-Gedenkstätte errichtet, welche auch die Namen der Ermordeten aufführt.