Samstag, 27. August 2016

Schattendorf

27.8.2016

Im burgenländischen Schattendorf (ungarisch Somfalva, kroatisch Šundrof) wurde ein Fußballspiel besucht. 2.400 Menschen leben hier.

Schattendorf liegt, seitdem das Burgenland 1921 an Österreich angeliedert wurde, direkt an der Grenze zu Ungarn.


Die Pfarrkirche wurde 1703 erbaut. Der Kirchturm wurde 1747 hinzugefügt.


Am 30. Jänner 1927 schossen in Schattendorf drei Mitglieder der rechtsradikalen Frontkämpfervereinigung aus den Fenstern eines Wirtshauses auf die zahlenmäßig deutlich überlegenen, jedoch unbewaffneten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer gegen sie gerichteten sozialdemokratischen Demonstration. Sie töteten dabei ein achtjähriges Kind (Josef Grössing) und einen Kriegsinvaliden (Matthias Csmarits) und verletzten fünf weitere Menschen.


Die Frontkämpfer veranstalteten, um Aufsehen zu erregen und zu provozieren, Veranstaltungen in sozialdemokratischen Orten, so auch in Schattendorf. Ihre Zusammenkunft wurde bereits am Bahnhof von einer sozialdemokratischen Gegendemonstration verhindert. Sie zogen sich in das Gasthaus Tscharmann eines der ihren zurück. Von dort schossen drei Frontkämpfer aus einem Fenster dem Kind in das Herz und dem Bauarbeiter Csmarits von rückwärts in den Hinterkopf. Die Täter wurden von einem Geschworenengericht wegen Notwehr freigesprochen. Politisch motivierte Gewalttaten wurden damals zumeist nicht geahndet. Am 15. Juli 1927, einen Tag nach dem Urteil, versammelten sich tausende aufgebrachte Arbeiterinnen und Arbeiter vor dem Justizpalast in Wien. Einige stürmten diesen im Verlauf eines chaotischen Protests hinein und legten ein Feuer. Die Bundesregierung des katholischen Priesters Ignaz Seipel ordnete den Schusswaffeneinsatz der Polizei an, die eine regelrechte Menschenjagd auf Demonstrantinnen und Demonstranten in der Wiener Innenstadt veranstaltete und dabei 83 Menschen erschoss. Im Zuge der daraufhin noch den nächsten Tag anhaltenden Ausschreitungen und Proteste wurden auch Polizeiwachzimmer gestürmt und Polizisten getötet.


In Schattendorf leben heute weiterhin die Nachkommen und Familien der Toten wie der Mörder. Der achtjährige Josef Grössing wurde am hiesigen Friedhof begraben. Im Zuge der Friedhofsverkleinerung 1968 wurde sein Grab an die Rückseite der neugebauten Leichenhalle versetzt, neben die WC-Anlage (die Türen rechts) und außerhalb des Friedhofs. Von dort ist die Gedenkstätte nicht zu sehen. 1984 wurde eine Gedenktafel angebracht. Die drei Todesschützen sind innerhalb des Friedhofs begraben, ihr Opfer liegt außerhalb. Laut einer emotional geschriebenen Webseite wurde das Grab Grössings beim Bau 1968 planiert und die Straße darüber gebaut. Die heutige Grabstätte wäre ein leeres Grab.


Ab Dezember 1944 wurden etwa 1.100 bis 1.200 ungarische Jüdinnen und Juden zur Zwangsarbeit nach Schattendorf gebracht. Sie hatten schwere Bauarbeiten am Bau von militärischen Anlagen (Laufgräben, Panzergräben) zu leisten. Sie wurden im Schulhaus, in Gatshäusern, in Privathäusern und in ein bis zwei Lagern untergebracht und von SA-Männern bewacht. Berichte von Überlebenden zeigen, dass die meist älteren Männer der Schattendorfer Wachmannschaften sie nicht brutal behandelten. Durch Hunger, Kälte und Erschöpfung starben dennoch viele Menschen. Bei der Auflösung des Lagers aufgrund der herannahenden sowjetischen Armee wurden viele Kranke zurückgelassen. Am 28. März 1945 mussten etwa 300 Deportierte unter SS-Bewachung abmarschieren. In Gramatneusiedl wurden die meisten in Waggons gepfercht und ins KZ Mauthausen gebracht.


Planmäßige Massenmorde dürften in Schattendorf nicht durchgeführt worden zu sein, allerdings wurden bei der Räumung des Lagers drei Menschen umgebracht. Die Zahl derjenigen ungarischen Jüdinnen und Juden, die in Schattendorf sterben mussten, ist nicht bekannt. Grabanlage für 27 in der Zeit von Oktober 1944 bis April 1945 im Lager Schattendorf ums Leben gekommene ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter.