Sonntag, 14. Oktober 2018

Ravenna

14.10.2018

Im italienischen Ravenna wurde ein Fußballspiel besucht. 160.000 Menschen leben hier.

Ravenna lag ursprünglich an der Adriaküste. Infolge von Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns vom Meer heute etwa neun Kilometer. Das heute wenig genutzte innerstädtische Hafenbecken hat über den Canale Candiano O Corsini Verbindung zur Küste und dem Seebad Marina di Ravenna. In den von Krieg, Tod und Zerstörung geprägten Jahrhunderten der Spätantike und Frühmittelalter (im 5.Jh. herrschte in Norditalien rund 90 Jahre Krieg) war Ravenna eine wichtige Herrschaftsresidenz mit zeitweilig bis zu 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Als nur vom Seeweg her gut zu erreichenden Hafenstadt in einer vom Wasser umschlossenen Lagune war die Stadt militärisch gut zu verteidigen. Von 402 bis 476 war die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser, nicht mehr die im Kriegsfall vergleichsweise unsichere Millionenstadt Rom. In den folgenden Jahrzehnten residierten hier auch der germanische König Italiens Odoaker und der Ostgotenkönig Theoderich sowie dessen Nachfolger. Nach der Rückeroberung Ravennas und von Teilen Italiens durch oströmische Truppen war Ravenna bis zur Eroberung durch die Langobarden 751 Zentrum eines Exarchats der oströmischen Kaiser in Italien.


Das Mausoleum des ostgotischen Königs Theoderich. Nach zweijähriger Belagerung konnte der Theoderich Ravenna zwar nicht erobern lassen, aber 493 einen Friedensvertrag mit Odoaker, dem germanischen König Italiens, erreichen und daher in Ravenna einziehen. Hier ermordete Theoderich den Odoaker vor versammelter Öffentlichkeit eigenhändig und machte sich damit zum Alleinherrscher. Das ungewöhnliche Bauwerk, das Theoderich um 520 vermutlich für sich und die engsten Vertrauten seines Hofstaats auf dem Friedhof der gotischen Vorstadt Ravennas hatte errichten lassen, gilt als herausragendster ostgotischer Bau in Italien. Theoderich war nicht katholischer sondern arianischer Christ. Als 540 die byzantinische Armee unter General Belisar Ravenna eroberte und damit der orthodox-katholische Klerus die Oberhand erhielt, wurden die Spuren Theoderichs und des Arianismus nach Möglichkeit beseitigt. Dabei wurde auch der Sarkophag Theoderichs aus dem Mausoleum entfernt. Um das Jahr 1000 herum wurde das Mausoleum Teil eines der Maria geweihten Benediktinerklosters. Das Obergeschoss wurde von den Mönchen als Oratorium genutzt. Weil an das Mausoleum, das damals noch am Meer lag, ein Leuchtturm angebaut worden war, wurde das Kloster S. Maria ad farum genannt. Von dem Leuchtturm, der einen viereckigen Grundriss hatte, gibt es seit dem 12.Jh. keine Spuren mehr. Seit 1844 wurden Säuberungsarbeiten eingeleitet, um das von Erde bedeckte Untergeschoss freizulegen, wobei man fast bis zum Fundament des Gebäudes vordrang. Dabei wurden zahlreiche Gräber gefunden. Nach der vollständigen Freilegung des Untergeschosses in den Jahren 1918–1919 wurde eine im 18.Jh. angebaute Freitreppe wieder entfernt.


1441 bis 1509 war Ravenna unter der Herrschaft Venedigs. Die Venezianer ließen in der Stadt die starke Festungsanlage Brancaleone bauen, deren Ruine heute eine geräumige Parkanlage und ein Freilicht-Theater beherbergt. Die einmonatige Belagerung durch die Armeen des Papstes verursachte nachhaltige Zerstörungen der Festung. 1512 gab es eine weitere, viertägige, Belagerung durch eine französische Armee.


eines der zahlreihen erhaltenen Stadttore


Italien


Die spätantike Mosaikkunst feierte in Ravenna eine Hochblüte. Heutige Innenstadt-Straßenschilder mti Mosaikverzierung.


Straßenszenen


Piazza del Popolo, Westseite mit dem Palazzetto Veneziano (Venezianischer Palast) aus dem 15.Jh., dessen Kapitelle das Monogramm Theoderichs zeigen. Sie könnten von der, von den Venezianern abgerissenen, arianischen Andreaskirche stammen, welche die Ostgoten ein Jahrtausend zuvor in ihrer Vorstadt erbaut hatten. In dem Palazzo ist heute das Rathaus untergebracht.


Der Dom aus dem 18.Jh. zeigte barocken Prunk. Doch das eigentlich sehenswerte ist die Taufkapelle daneben.


Das Baptisterium des Doms (auch Baptisterium der Orthodoxen oder Neonische Taufkapelle genannt) ist das älteste erhaltene Bauwerk in Ravenna. Die Taufkapelle geht auf das 4. oder 5.Jh. zurück. Die Mosaikdekoration stammt aus der Mitte des 5.Jh. Das ursprüngliche Bodenniveau lag wesentlich tiefer und ist später um ca. drei Meter angehoben worden, wodurch die Mosaikzone vergleichsweise zu sehr nach unten gezogen erscheint. Die 1600 Jahre alten Mosaike sind prachtvoll und lassen staunen.


Das Dante-Grabmal aus den Jahren 1780/81. Es steht an der Außenmauer des Kreuzgangs der ehemaligen Klosterkirche San Franceso. Wenige Jahre vor seinem Tod war Dante nach Ravenna geflohen. In seinem ravennatischen Asyl vollendete der Dichter seine Göttliche Komödie (ital. Divina Commedia), die wie kaum ein anderes Werk die europäische Literatur beeinflusste. Er starb 1321 in Ravenna. Dantes Überreste ruhen seit ihrer Wiederauffindung im Jahr 1865 hier.


Der Stadtturm (Torre comunale e Sala d’Attorre) aus dem 12. Jh. steht schief und steckt daher heute in einem Stahl-Korsett.


Katze


Die Kirche San Vitale wurde vermutlich im Jahr 537 begonnen und 547 geweiht. Sie zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten der spätantik-frühbyzantinischen Zeit. In ihr verbinden sich Architekturformen aus dem Oströmischen Reich mit für das damalige Italien typischen Bautechniken. Berühmt ist die als Zentralbau errichtete Kirche vor allem für ihre Mosaikausstattung im Innern, insbesondere die Porträts des oströmischen Kaisers Justinian und seiner Frau Theodora im unteren Apsisgewände.


Das Mausoleum der Galla Placidia glänzt wie die anderen byzantinischen Kirchen und Bauten Ravennas durch die antiken Wandmosaiken im Innern. Sie sind die ältesten Mosaiken Ravennas. Das Mausoleum wurde als Grabstätte für die weströmische Kaiserin Galla Placidia, der Tochter von Kaiser Theodosius, zwischen 425 und 430 erbaut. Allerdings starb sie 450 in Rom und es ist unwahrscheinlich, dass sie hier beigesetzt wurde.


Die Kirche Sant’Apollinare Nuovo wurde auf Veranlassung des ostgotischen Königs Theoderich errichtet und gegen Ende des 5. oder Anfang des 6. Jh. als arianische Kirche neben dem damaligen Königspalast geweiht. Nach der byzantinische Eroberung Ravennas wurde die Kirche zu einer katholischen Kirche umgestaltet. Die ursprüngliche Basilika aus dem 6.Jh. ist nur noch in den Grundmauern vorhanden, der Großteil stammt aus dem 16.Jh. Im Ersten Weltkrieg wurde die Kirche bei einem österreichisch-ungarischen Luftangriff auf Ravenna am 12. Februar 1916 durch eine Fliegerbombe getroffen, die die Hauptfassade teilweise zum Einsturz brachte und auch einige Mosaiken zerstörte. Der Innenraum war einst komplett mit Mosaiken verziert. Heute sind nur noch die Mosaike im Mittelschiff vorhanden. Sie stammen vornehmlich aus der Zeit Theoderichs.


Mosaik Justinians, das wahrscheinlich ursprünglich ein Abbild Theoderichs darstellte.


Die Mosaiken zeigen den Palast des Theoderich. Aus ihnen wurden nach der Eroberung Ravennas durch oströmische Truppen im Jahr 540 die Abbilder Theoderichs und seiner Höflinge entfernt und durch Bilder von Vorhängen ersetzt. Allerdings sieht an mehreren Stellen noch die Hände der einst dargestellten Figuren.


Die berühmteste Darstellung der christichen Heiligen drei Könige, mit typischen phrygischen Mützen.


Der antike Hafen Ravennas, Classis.


Der sogenannte Palast Theoderichs ist ein Gebäudefragment aus dem 8.Jh., das eine Zeit lang als Teil des Palasts Theoderichs angesehen worden war. Das Gebäude steht am Rande des kaiserlichen Areals von Ravenna, auf dem bereits der Palast der Regentin Galla Placidia und später auch der Palast Theoderichs (ein anderes Gebäude) gestanden hatte.


eines der vielen Stadttore


Gedenktafehl an einem Wohnhaus für einen 1944 getöteten Freiheitskämpfer gegen den Faschismus


Eine Gedenktafel am Bahnhof erinnert an die von hier aus in den Tod deportierten 31 Jüdinnen und Juden. Sie wurden im Dezember 1943 an verschiedenen Orten gefangengenommen und im Jänner 1944 zur Ermordung in die KZ der Nazis deportiert.