Montag, 8. Februar 2010

Prokla 156



PROKLA 156
Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft
39.Jg., Nr.3, September 2009
156 S.





Eine weitere Zeitschrift, die sich in einem Schwerpunktheft mit Klima, Umwelt und so Zeug beschäftigt. Am interessantesten dabei noch ein Einblick in ökomarxistische Ansätze von Kristina Dietz und Markus Wissen sowie ein informativer Artikel von Lutz Mez und Mycle Schneider über die manchmal ausgerufene "Renaissance der Atomkraft" und deren Unwahrscheinlichkeit aufgrund fehlender wirtschaftlicher und personeller Voraussetzungen.

Dazu gibt es einen Vergleich der Gewerkschaften in den USA und China von Ellen David Friedman. Ergebnis: Es gibt Gemeinsamkeiten aufgrund der globalen Entwicklung des Kapitalismus, wodurch in beiden Ländern die Löhne sinken, während Produktivität und Gewinne steigen. Aber aufgrund der politischen Struktur Chinas wesentliche Unterschiede, wobei Friedman widersprüchliche Momente der jüngeren Vergangenheit beleuchtet.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Arbeit und Wirtschaft, 12/2009



Arbeit & Wirtschaft
Herausgegeben von AK und ÖGB
Nr. 12/2009
46 S.





Im Dezember-Heft erinnert Brigitte Pellar an einen Artikel, in dem Käthe Leichter im Juli 1933 in dieser Zeitschrift die damals brandneue soziologische Studie Die Arbeitslosen von Marienthal erstmals einem breiteren Publikum vorstellte:

"Von jedem Schilling mehr oder weniger an Unterstützung hängen aber nicht nur Ernährung und Kleidung, hängt auch die ganze Einstellung des Arbeitslosen zum Leben ab. Ein Versuch, die (oben gezeigten) Haltungsgruppen mit dem persönlichen Monatseinkommen zu vergleichen, ergibt im Durchschnitt:

In der Gruppe . Betrag in Schilling
Ungebrochen ..... 34
Resigniert ...... 30
Verzweifelt ..... 23
Apathisch ....... 19

Versteht man jetzt, was der Kampf um die Arbeitslosenunterstützung bedeutet? ... 5 Schilling auf oder ab, das bedeutet die Zugehörigkeit zu einer anderen Lebensform."


Gerade in der aktuellen Zeit der höchsten Arbeitslosigkeit seit den 1950er Jahren, ist es wichtig, sich bewußt zu machen, welch einschneidendes Erlebnis die Arbeitslosigkeit für die einzelnen Menschen bedeutet. Sozialstaatliche Unterstützung ist auch ein gesellschaftlicher Beitrag zur Erhaltung der Würde der betroffenen Menschen. Das sollte uns etwas Wert sein.

Montag, 1. Februar 2010

Blätter, Jänner 2010



Blätter für deutsche und internationale Politik
Heft 1/2010
128 S.






Charlotte Wiedemann beschäftigt sich mit der Frage, wie "westlich" die gegenwärtige iranische Oppositionsbewegung ist und ordnet sie historisch als "vierten Versuch der Emanzipation" ein. Nach der Entstehung des ersten Parlaments des Nahen Ostens 1906, der Verstaatlichung des Erdöls 1951 und der Abschaffung der Monarchie in einer Volksbewegung 1979. Als Versuche, Freiheit zu erlangen, ähnelten sie der heutigen Situation. Alle scheiterten in diesem Versuch, wenn auch auf unterschiedliche Art. Wiedemann versucht einen zu holzschnittartigen Blick auf das Land zu differenzieren.

Interessant weiters Samir Amins Plädyoer für einen "schöpferischen Marxismus" zur Überwindung des Kapitalismus sowie Dieter Senghaas' persönliche Laudatio auf den Entwicklungstheoretiker.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Kampf um die Stadt




Kampf um die Stadt
Politik, Kunst und Alltag um 1930

Wien Museum im Künstlerhaus
19.11.2009 bis 28.3.2010





Eine wahrhaft große Ausstellung.

Im ersten Stock spannend der Kontrast der sich entwickelnden modernen Großstadt Wien um 1930, in der erste Hochhäuser gebaut werden, der Autoverkehr zunimmt (ein Highlight gleich zu Beginn: der Verkehrserziehungsfilm!) und etwa das epochale Wohnbauprogramm des Roten Wien angegangen wird, mit der lagerübergreifenden Naturromantik, der mir unbegreiflichen Sehnsucht nach Bergen und der damit verwobenen konservativen Heimatideologie, die in der Stadt und ihrer Entwicklung zur Moderne nahezu den Ursprung alles Bösen sieht.

Im Erdgeschoß darauffolgend eine prägnante Darstellung der bewegten Politik jener Jahre, die immer wieder unglaubliche Wucht des Ringens von Demokratie und Diktatur, von ArbeiterInnenbewegung und christlichem Konservatismus und schließlich Faschismus, von politischer Gewalt und schließlich offenem Bürgerkrieg. Diese Brüche werden dann in Kontext gebracht mit der gleichzeitigen Veränderung des Alltags der Menschen in Freizeit, Konsum, Kunst und Kultur. So fügt sich ein umfassendes Bild der Zeit .

Ich erwarte mit Freude das Erscheinen des Katalogs.

Sonntag, 24. Januar 2010

Dresden

23.1.2010

Nach Dresden, in die Hauptstadt des deutschen Bundeslandes Sachsen, führte mich diesmal ein Spiel von Rapid.
Das (neo-)barocke Ensemble der Stadt ist tatsächlich sehr schön. Da die sächsischen Fürsten im 18.Jh. Großmachtambitionen hegten (August "der Starke" war zugleich König von Polen), wurde dies auch durch große Bautätigkeit zum Ausdruck gebracht. Nachdem im Zweiten Weltkrieg große Teile der Stadt zerstört worden waren, findet man heute in der Altstadt freie Flächen und viel Neubau nach 1945. Während Wohnbauten meist nicht wiederaufgebaut wurden, wurden öffentliche Gebäude seither teilweise oder ganz rekonstruiert.

Kulturpalast, unerverkennbar ein typischer Bau der DDR-Zeit (1962-1969)


Frauenkirche. Der 1723-1743 errichtete barocke Bau wurde im Februar 1945 vollständig zerstört. In der Zeit der DDR blieb die Ruine als Mahnmal gegen den Krieg stehen, 1995-2005 wurde die Kirche neu gebaut.


2001 eröffnete neue Synagoge - gefällt mit ihren Steinquadern. Nebenan stand die 1938 zerstörte alte Synagoge, ein 1838-1840 errichteter Bau von Gottfried Semper


Blick vom Elbfer der Neustadt auf das Panorama der Altstadt


Links das Residenzschloß der sächsischen Kurfürsten bzw. Könige (Wiederaufbau seit 1986, Ziel 2013), rechts davon die katholische Hofkirche (1939-1751, Wiederaufbau bis 1965). Damit August der Starke 1697 König von Polen werden konnte, traten er und der Hof zum Katholizismus über. Der Rest Sachsens blieb protestantisch.


Semperoper. Bekannter klassizistischer Bau des Architekten Gottfried Semper aus dem Jahr 1878. 1977-1985 wiederaufgebaut.


Zwinger. Barocke Hof- und Gartenanlage der sächsischen Fürsten, als Ort für Feste und Heimat der Kunstsammlungen 1711-1722 errichtet (bis 1963 teilrekonstruiert)


Kronentor des Zwinger


Yenidze. 1908/09 im Stil einer Moschee errichtete Tabakfabrik, heute Bürohaus. Faszinierende Gestaltung.


Der goldene Reiter. 1736 enthülltes Denkmal des sächsischen Kurfürsten August des Starken, der als König von Polen Richtung Warschau reitet.


Ziemlich großartig ist der Blick von der Kuppel der Frauenkirche aus über die Stadt. Hier Blick über die Elbe, links die Neustadt


Blick über die Altstadt von der Kuppel der Frauenkirche aus, rechts die Hofkirche und daneben das Schloß mit Turm.


Blick von oben in die Frauenkirche hinein, bemerkenswert die in Galerien übereinander gestaffelten Bänke. Der Bau ist ja mehr hoch als lang oder breit wie Kirchen sonst.


Links das Ampelfrauchen und rechts das Ampelmännchen. Die nur in Ostdeutschland anzutreffende grafische Gestaltung ist einfach nur großartig.


Neben einem weiteren Fußballstadion rundete der Besuch des Dresdner Fußballmuseums einen eiskalten, aber trotzdem herrlichen Stadtbesichtigungstag ab.