Samstag, 8. Dezember 2018

Görz – Gorizia und Nova Gorica

8.12.2018

Im slowenischen Nova Gorica wurde ein Fußballspiel besucht und im italienischen Gorizia wurden zwei Fußballstadien besichtigt (Baiamonti und Bearzot). 13.500 Menschen leben im Stadtgebiet von Nova Gorcia (doppelt so viele aber in der ganzen Stadtgemeinde) und 34.500 in Gorizia.

Die Stadt Görz am Fluss Isonzo war seit dem Spätmittelalter Sitz der Grafen von Görz, die in ihrer Burg hoch über der Stadt residierten. Um 1500 kam Görz unter die Herrschaft der Habsburger, unter der es mit kleiner Unterbrechung bis zum Zerfall des Habsburgerreichs 1918 blieb. Die Görzer Burg wurde ursprünglich im 11.Jh. errichtet und im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Die heutigen Mauern stammen im wesentlichen aus dem 13. bis 16.Jh. Im Ersten Weltkrieg wurde die Burg bombardiert und schwer zerstört, in den 1930er Jahren wiederaufgebaut.


Aussicht von der Burg auf die Altstadt von Gorizia. Jahrhundertelang war die Stadt seit dem Mittelalter dreisprachig italienisch, slowenisch/südslawisch und deutsch und von diesen drei Kulturen und ihrer Mischung geprägt gewesen. Der Nationalismus beendete im 20.Jh. das Zusammenleben.


Blick von der Burg auf das nach der italienischen Inbesitznahme 1918 im nördlich gelegenen Vorort Oslavia errichtete Beinhaus (Ossario) für im Ersten Weltkrieg getötete italienische Soldaten, gleichzeitig als Grab, Gedenkstätte und italienisches Siegesdenkmal für die Eroberung der Stadt konzipiert. Im Ersten Weltkrieg war die Stadt am Fluss Isonzo nach dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich-Ungarn im Mai 1915 eines der erklärten italienischen Kriegsziele. Im Sommer 1916 gelang der italienischen Armee in der sechsten Isonzoschlacht die Eroberung von Görz, im Herbst 1917 wurde die Stadt in der zwölften Isonzoschlacht von der österreichisch-ungarischen und deutschen Armee zurückerobert. In diesen zwölf Isonzoschlachten wurde die Region Friaul-Julisch Venetien zu einem Massengrab für Soldaten vieler verschiedener Nationalitäten. Eine Million Tote und Vermisste haben hier der österreichische Kaiser und der italienische König hier zu verantworten (mussten sich aber nie dafür verantworten).


Blick von der Altstadt auf den Burghügel. Nach Kriegsende 1918 wurde Görz wieder von der italienischen Armee besetzt und Italien eingegliedert. Es begann eine Italianisierungspolitik, insbesondere in der Zeit des Faschismus, die aus der multikulturellen und mehrsprachigen Stadt eine überwiegend italienische Stadt machte. Alles andere wurde unterdrückt, verboten und bestraft. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Region von Görz bis Triest zwischen Jugoslawien und Italien umstritten, im Ostteil stand die jugoslawische Armee. 1947 wurde der Verlauf der neuen Grenzlinie zwischen Jugoslawien und Italien und die Stadt vor dem Bahnhof der Wocheiner Bahn geteilt.


Die 1654–1747 erbaute Jesuitenkirche.


Tunnel unter dem Burgberg


Straßenszenen


Die Synagoge wurde 1756 im Barockstil errichtet. Sie steht im ehemaligen jüdischen Viertel der Stadt. Im Hof befindet sich ein Denkmal in Form einer Menora, das an die nach der Besetzung durch die deutschen Soldaten am 23. November 1943 zur Ermordung in KZ deportierten Görzer Jüdinnen und Juden erinnert. Die Synagoge wird nur noch an hohen Feiertagen religiös genutzt.


Der Bahnhof wurde 1906 als Teil der wirtschaftlich und militärisch wichtigen neuen der Wocheinerbahn (italienisch Ferrovia Transalpina, slowenisch Bohinjska proga) eröffnet. Nach der Südbahnstrecke war es die zweite Eisenbahnverbindung zwischen der Reichshauptstadt Wien und Triest, der wichtigsten Hafenstadt des Kaiserreichs. Die Wocheinerbahn brachte Görz in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg einen Wirtschaftsaufschwung, da sie Touristinnen und Touristen brachte und die landwirtschaftlichen Produkte, insbesondere die begehrten Kirschen aus Cormons, in kurzer Lieferzeit in das Landesinnere Österreich-Ungarns gebracht werden konnten. Zu Kriegsende des Zweiten Weltkriegs 1945 besetzten die jugoslawischen Tito-Partisanen den wichtigen Bahnhof. Die ganze Stadt Görz fiel schließlich 1947 nicht an Jugoslawien, sehr wohl aber der Bahnhof.


Mit dem slowenischen Beitritt zur Europäischen Union 2004 und insbesondere mit dem Schengen-Beitritt 2007 konnte der 1947 aufgestellte Grenzzaun quer über den Bahnhofsvorplatz entfernt werden und von den beiden Stadtgemeinden, dem italienischen Gorizia und dem slowenischen Nova Gorica, wurde der Platz gemeinsam neu gestaltet. Ein symbolischer Platz der europäischen Einigung als Friedensprojekt zur Überwindung von Grenzen und Kriegen. Heute geht es in Europa ja in die Gegenrichtung, in Richtung Nationalismus, Aufbau von Grenzen und Krieg.


Während der Großteil der Stadt nach der Teilung 1947 bei Italien blieb, bekam Jugoslawien den Bahnhof und kleinere Vorstadtsiedlungen. Ab 1948 wurde planmäßig vom Reißbrett aus eine komplett neue Stadt errichtet, Nova Gorica.