Mittwoch, 18. Februar 2026
Pistoia
18.2.2026
In Pistoia in der italienischen Toskana habe ich ein Fußballspiel besucht. 89.000 Menschen leben hier.
Im Mittelalter hatte Pistoia als unabhängiger Stadtstaat im 12.Jh. eine Blütezeit, wurde aber wie andere Städte bald von jahrhundertelangen blutigen Fehden von Anhängern der Oberhoheit des Papsts oder des Kaisers erschüttert, wobei letztere, die Ghibellinen, die Oberhand hatten und Pistoia mit den gleichermaßen ausgerichteten Pisa und Siena verbündet war, aber im 14.Jh. den militärischen Angriffen von Florenz unterlag. Elf Monate hielt Pistoia in den Jahren 1305 und 1306 einer Belagerung durch der Armeen von Florenz und Lucca stand, musste aber schließlich kapitulieren und wurde in das Herrschaftsgebiet von Florenz eingegliedert. Zahlreiche Aufstände aus der Bevölkerung von Pistoia wurden in der folgenden Zeit von Florenz blutig niedergeschlagen. Die Fortezza Santa Barbara wurde ursprünglich 1331 als Florentiner Militärstützpunkt zur Beherrschung der Bevölkerung Pistoias fertiggestellt, aber von dieser in einem Aufstand 1343 zerstört. Die heute zu sehende Festung ist eine ab 1539 mit demselben Zweck errichtete Anlage, um mit Militärmacht Pistoia zu beherrschen.
Denkmäler für von deutschen Nazis und italienischen Faschisten verfolgte, deportierte und ermordete Einwohnerinnen und Einwohner von Pistoia im Park vor der Festung und am Bahnhof.
Straßenszenen
Die Chiesa di San Giovanni Fuorcivitas aus dem 14.Jh. mit prächtigerer grün-weißer Marmorfassade.
Straßenszene
Piazza Duomo
Dom San Zeno mit angeschlossenem Bischofspalast (11.Jh.). Der Dom wurde im Jahr 1091 erstmals schriftlich erwähnt. Zwei Brände zerstörten den Kirchenbau, der danach jeweils wiederaufgebaut wurde. Das heutige Aussehen der Fassade stammt aus den Jahren 1150 bis 1220. Der Campanile des Doms wurde im 12.Jh. erbaut. Sein heutiges Aussehen mit einer Gesamthöhe von 67 Metern stammt aus dem Jahr 1576.
Prächtige Taufkirche (Battistero) aus dem Jahr 1359
Palazzo del Comune aus den Jahren 1294 bis 1385. Zentrum der städtischen Macht Pistoias in jener Zeit.
Die Torre di Catilina ist ein innerstädtischer Festungsturm aus dem 9.Jh. Seinen Namen hat er von der Legende, dass hier der römische Senator Catilina begraben wäre, der im 1.Jh. mit einer Verschwörung die Macht in der römischen Republik erringen wollte. Im 2.Jh.v.u.Z. hatte Rom hier eine Siedlung namens Pistorium gegründet, über welche die Versorgung der in hartem Krieg um die Eroberung Liguriens stehenden römischen Truppen lief. In der Zeit der römischen Bürgerkriege fand hier die letzte Schlacht des Aufstands des Catilina statt, dessen Legionen von zwei römischen Heeren mitsamt Catilina geschlagen und in Massen getötet wurden.
Samstag, 14. Februar 2026
Prešov
14.2.2026
In der ostslowakischen Stadt Prešov habe ich das eine und das andere Fußballspiel besucht. 82.000 Menschen leben hier.
Námestie mieru (Friedensplatz). Prešov ist die drittgrößte Stadt der Slowakei. Jahrhundertelang war Prešov von der Mischung einer slowakischen, ungarischen und deutschen Bevölkerung geprägt. Deutsch hieß die Stadt Eperies und ungarisch Eperjes. 1880 waren von den 10.139 Einwohnerinnen und Einwohnern 5.705 slowakisch (56%), 1.963 ungarisch (19%) und 1.889 deutsch (19%). Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde das beendet. Auch hier war die Folge der Verbrechenspolitik der Nazis das Ende jahrhundertelangen deutschen Lebens in Ostmitteleuropa. Heute ist die Bevölkerung fast ausschließlich slowakisch.
1374 erhielt die Stadt vom ungarischen König die Ernennung zur königlichen Freistadt, womit sie auch eine eigene Stadtmauer zur Verteidigung in Kriegen bauen konnte. Eine Bastei als Überrest der Stadtmauer aus dem 14.Jh.
Die ehemalige Neologe Synagoge aus dem Jahr 1887, in der Nachkriegszeit stark durch Abriss der Türme und Veränderung der Fassade verändert. Einen großen Einschnitt brachte das faschistische Massenmorden. Vor dem Krieg 1939 war etwas ein Fünftel der Stadtbevölkerung jüdisch und es gab fünf Synagogen in der Stadt. Fast alle (rund 90%) Jüdinnen und Juden wurden von slowakischen Faschisten und deutschen Truppen in KZ deportiert und von den Nazis ermordet. Mitsamt den in Dörfer im Umland lebenden waren es 6.400 Ermordete.
Die Orthodoxe Synagoge wurde 1897/98 errichtet, nachdem die jüdische Religionsspaltung in Ungarn 1871 zur Aufspaltung der jüdischen Gemeinde geführt hatte.
Links die ehemalige Klaus-Synagoge ist ein moderner Bau aus den Jahren 1934/35. Nach der Ermordung der jüdischen Bevölkerung der Stadt wurde daraus in der Nachkriegszeit ein Bürohaus gemacht. Die hebräische Aufschrift hinten erinnert an die einstige Funktion.
Streetart
Straßenszene.
Als die Stadt am großen Aufstand des Siebenbürgen und die heutigen Slowakei beherrschenden ungarischen Magnaten Thököly gegen die Habsburgerherrschaft teilnahm, traf auch sie die Repression nach der blutigen Niederschlagung durch die kaiserliche Armee. Hintergrund war die religiöse Repression unter Habsburger-Kaiser Leopold I. gewesen, unter der auch hier in der Stadt zuvor einige Zeit geduldete evangelische Kirchen und Schulen geschlossen werden mussten und wieder nur mehr die römisch-katholische Religion erlaubt war. 1687 verhafteten die kaiserlichen Soldaten in der Stadt rund 300 Menschen, davon dutzende der reichsten und angesehensten Bürger. Sie wurden schwer gefoltert (mit Zufügen schwerer Verletzungen wie Verbrennungen und dem Einführen glühender Drähte in Harnröhre und After, wie berichtet wird) und schließlich 24 Menschen öffentlich hingerichtet und aufgeteilte Leichenteile an den Stadttoren befestigt. Ein Denkmal für die Hingerichteten wurde 1908 an der Ecke des Gebäudes des evangelischen Kollegiums errichtet. 1995 besuchte der römisch-katholische Papst Johannes Paul II. Prešov und betete gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Ján Midriak vor diesem Denkmal für die Toten. Das evangelische Kollegium wurde 1667 erbaut, 1673 übernahmen es die Katholiken und unter der Toleranzpolitik Kaiser Joseph II. erhielten es 1783 die Evangelischen zurück.
An der Stelle der Hinrichtungen der evangelischen Bürger errichteten die Katholiken eine Mariensäule, um den katholischen Triumph zu feiern.
Erste slawische Besiedlung gab es hier im 5.Jh. Neben der slowakischen Siedlung kamen im 12.Jh. nach der ungarischen Eroberung um 1100 zwei ungarische Dörfer dazu und als nach der weiträumigen Verwüstung des Landes in den Mongolenkriegen 1241 und 1242 der ungarische König Béla IV. deutsche Kolonisten zur Ansiedlung einlud, kamen die später nach der hiesigen Region Zips so benannten Zipser Sachsen hierher und erhielten für ihre neue Siedlung auch bald das Stadtrecht. Der heutige langgezogene Hauptplatz, die Hlavná ulica, entstand im 14.Jh., als sich die deutsche Stadt und die slowakische Marktsiedlung in ihrem Wachstum näher kamen, als Freiraum zwischen ihnen.
Die Nikolauskirche wurde ab 1347 anstelle einer Vorgängerkirche aus dem Jahr 1230 gebaut als gotische Kirche gebaut. In der Zeit der Reformation war sie 1531 bis 1671 evangelische Kirche.
Straßenszenen. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 verfolgte die ungarische Regierung eine systematische Magyarisierungspolitik mit Sprachvorschriften, die auch hier den ungarische Bevölkerungsanteil und die ungarische Prägung der statt zulasten der deutschen und slowakischen Bevölkerung ansteigen ließ. Mit dem Ende der Habsburgermonarchie und der Entstehung der Tschechoslowakei kam ein erneuter Umbruch, da nunmehr die slowakische Prägung der Stadt staatlich gefördert wurde. Anstatt Ungarn übernahmen die Positionen in der öffentlichen Verwaltung zugereiste Tschechen, später dann auch Slowaken.
Die griechisch-katholische Kathedrale St. Johannes des Täufers (gréckokatolícka katedrála sv. Jána Krstiteľa) wurde 1754 auf Grundmauern einer mittelalterlichen gotischen Kirche erbaut. Zusammen mit dem Bischofspalast und der griechisch-katholischen theologischen Fakultät bildet sie einen einzigen Gebäudekomplex.
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