Samstag, 28. Februar 2026

Varaždin

28.2.2026

In der kroatischen Stadt Varaždin habe ich das eine und das andere Fußballspiel besucht. 44.000 Menschen leben hier.

Der erste Bahnhof wurde hier 1886 eröffnet. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1908. In jener Zeit hieß die Stadt innerhalb der Habsburgermonarchie ungarisch Varasd, da im Königreich Ungarn, zu dem das heutige Kroatien gehörte, im öffentlichen Gebrauch die ungarische Sprache vorgeschrieben war. „Komm mit mir nach Varaždin, solange noch die Rosen blüh’n. Dort ist die ganze Welt noch rot, weiß, grün!“ heißt es entsprechend im prägnanten Lied aus der Operette Gräfin Mariza von Emmerich Kálmán (Imre Kálmán) aus dem Jahr 1924 über Varaždin als verträumte ungarische Provinzstadt, die es damals schon nicht mehr war. Die Reime aus diesem Lied „Du bist die schönste Fee, von Debrecen bis Plattensee / Drum möcht mit dir ich hin, nach Varaždin / Denn meine Leidenschaft, brennt heißer noch als Gulaschsaft“ sind ein literarischer Höhepunkt an Liebes-Lyrik.


Straßenszene.


Die jüdische Synagoge wurde in den Jahren 1861 und 1862 erbaut. Rund 500 Jüdinnen und Juden lebten damals in der Stadt Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien im April 1941 und der Errichtung des faschistischen Ustascha-Kroatien ließen die Behörden rund 200 bis 300 hier lebende Jüdinnen und Juden verhaften und in ein Lager nach Zagreb deportieren und später fast alle ermorden. Die ehemalige Synagoge wurde beschädigt. Nach der Befreiung 1945 wurde renoviert und das Gebäude 1969 zu einem Kino umgebaut, wobei die Fassade verändert und die Türme abgerissen wurden. Nach Schließung des Kinos stand die ehemalige Synagoge leer und wurde ab dem Jahr 2020 in ursprünglichem Zustand wiederhergestellt und zu einem Kulturzentrum gemacht.


Nach einem großen Brand im Jahr 1582 wurden viele Bauten der Stadt im Stil des Barock wiederaufgebaut. Diese Baustilepoche prägt auch nach einem weiteren großen Brand 1776 das Stadtzentrum. Nach dem Zerfall des Habsburgerreichs am Ende des Ersten Weltkriegs kam Varaždin mit weiteren kroatischen Gebieten zum von Serbien dominierten neuen Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben, das sich später Jugoslawien benannte. Am 23. Juli 1919 kam es zum Varaždiner Aufstand enttäuschter kroatischer Offiziere, die für Österreich-Ungarn als ungarische Soldaten im Weltkrieg gekämpft hatten und nun durch Serben in ihren Positionen ersetzt wurden. Dem Aufstand schlossen sich einige Bürger der Stadt an und gaben ihm eine linke, revolutionär orientierte politische Richtung. Dies wurde vom Militär blutig beendet, sieben Menschen wurden getötet und viele verletzt. 250 Menschen wurde eingesperrt und nach Niš in Serbien gebracht, wo sie 1920 vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. Im Krieg zur kroatischen Unabhängigkeit 1991 belagerten kroatische Einheiten zehn Tage lang die Kaserne der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in der Stadt. Sie war der größte jugoslawische Militärstützpunkt nach Zagreb in Kroatien. Die jugoslawischen Soldaten verteidigten sich und beschossen die umliegende Stadt, wobei Menschen getötet und verletzt wurden. Letztendlich gaben die eingeschlossenen auf. 900 jugoslawische Soldaten konnten in Bussen abziehen. Die kroatische Armee erbeutete hier große Mengen an Panzern und Artillerie sowie Munition und konnte sie im voranschreitenden Krieg einsetzen.


Die Stadt wurde im Jahr 1181 als Garestin in einer Urkunde des ungarischen Königs Béla III. erstmals schriftlich erwähnt und im 13.Jh. rund um eine alte Festung als Wasserburg für die Verteidigung des Königreichs Ungarn gegen das Osmanische Reich errichtet. Nachdem wechselnde Adelige hier über die Bevölkerung geherrscht hatten, gehörte die Herrschaft ab dem Ende des 16.Jh. den ungarischen Magnaten Erdődy. Die Festungsstadt war Teil der im 16.Jh. vom Habsburgerreich eingerichteten und bis ins 19.Jh. bestehenden Militärgrenze gegenüber dem Osmanischen Reich.


Die Textilfabrik und Firma Varteks, wobei Var für Varteks und Teks für Textil stand, war der größte Bekleidungshersteller Jugoslawiens und prägte jahrzehntelang Arbeit und Leben in der Stadt.

Sonntag, 22. Februar 2026

Schrems

22.2.2026

In Schrems im niederösterreichischen Waldviertel habe ich ein Fußballspiel besucht. 5.300 Menschen leben in der aus 14 Ortschaften bestehenden Stadtgemeinde, wobei es im eigentlichen Schrems selbst 3.200 sind.

Ein Lost Place par excellence. Anderlfabrik ist eine Ortschaft der Stadtgemeinde Schrems um die gleichnamige ehemalige Textilfabrik. Die früheren Werkswohnungen, in denen Arbeiterinnen und Arbeiter wohnten, sind eine Ruine. Die Bevölkerungszahl der Ortschaft Anderlfabrik beträgt null.


Im Jahr 1595 wurde hier an der Mündung des Schwarzabaches in den Braunaubach erstmals eine Mühle erwähnt. Im 19.Jh. erlebte die Textilproduktion im Waldviertel einen großen Aufschwung. Ab 1821 wurde das Mühlengebäude zum Weben von Stoffen per Hand genutzt und ab 1851 gab es mit Wasserkraft betriebene Webstühle. Daneben wurde ein Gutteil der Produktion an Familien ausgelagert, die zuhause in Heimarbeit webten. Die Armut war groß und das Waldviertel ein Billiglohnstandort. 1879 kaufte der Wiener Fabrikant Johann Anderl die Anlage und verlegte aus Kostengründen seine Produktion aus Wien hierher in die nunmehr so genannten Anderlfabrik. In der besten Zeit arbeiteten hier 275 Menschen. Mit den nunmehr anderswo gelegenenn Billiglohnstandorten schloss wie andere Fabriken im Waldviertel auch die Anderlfabrik im Jahr 2004. Das traf die Region schwer. Nach der Schließung der Firma Ergee 2008 hatte Schrems mit 17% österreichweit die höchste Arbeitslosenrate.


Das Schloss Schrems ließen sich hier herrschende Adelige von der ihnen untertanen Bevölkerung im 17.Jh. bauen nachdem Schrems als eigene Herrschaft von Gmünd abgespalten worden war. Zur Verteidigung in Kriegen war das Schloss ursprünglich von einem Wassergraben umgeben. Nach einem Brand 1777 wurde das Schloss umgebaut.


Eine Brauerei in Schrems wurde 1410 erstmals schriftlich erwähnt. Die heutige Schremser Brauerei besteht setz 1838 in Familienbesitz. Das alte Brauhaus in der Mühlgasse 1 wurde im 18.Jh. errichtet, 1838 übernommen und 1905 geschlossen.


Straßenszenen. Die Ortschaft Schrems wurde rund um das Jahr 1200 gegründet. 1936 wurde sie zur Stadt erhoben.


Das ehemalige Arbeiterheim wurde in den Jahren 1926 und 1927 von der hiesigen Arbeiterinnen und Arbeitern als Ort der politischen und gesellschaftlichen Zusammenkünfte von Sozialdemokratie und Gewerkschaft errichtet. Man betrieb hier u.a. ein Kino. Mit dem Verbot der Sozialdemokratie unter dem Austrofaschismus im Februar 1934 und der Absetzung des gewählten Gemeinderats übergab die Diktatur das Gebäude den regimetreuen Christlichen Gewerkschaftern. Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 wurde das Haus später Volksheim genannt ist heute städtisches Kulturhaus.


Schremser Bier